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Zahlungsverkehr : Bundesbank skizziert Fahrplan für Euro-Zahlungsverkehr

  • Aktualisiert am

Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans Georg Fabritius plädiert dafür, daß es von 2010 an einheitliche Überweisungen im Euro-Raum gibt. Er spricht sich gegen hoheitliche Regulierung aus.

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          Seit Anfang 1999 ist der Euro die Währung der Euro-Staaten, seit Anfang 2002 kann in jedem Geschäft im Euro-Raum mit dem Euro-Bargeld gezahlt werden. Aber was die täglich 160 Millionen unbaren Zahlungen im Gesamtbetrag von atemraubenden 1800 Milliarden Euro anbelangt, ist der "Einheitliche Europäische Zahlungsraum" (Single European Payment Area, Sepa) noch unvollkommen. Bürger und Unternehmen müssen zum Beispiel für nationale Überweisungen andere Formulare ausfüllen als für grenzüberschreitende. Auch für das Lastschriftverfahren oder Bankkarten wie die EC-Karte gibt es noch keine einheitlichen Standards. Diese Mängel verursachen hohe Kosten. Zudem machen sie es schwieriger, daß Bürger Dienste im Ausland oder den Internethandel nutzen. Hans Georg Fabritius vom Vorstand der Deutschen Bundesbank skizziert im Gespräch mit dieser Zeitung einen Zeitplan für die Verwirklichung des einheitlichen Zahlungsraums. Dabei werden neben vielen Gemeinsamkeiten auch Unterschiede zu den Vorstellungen von Gertrude Tumpel-Gugerell vom Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich.

          Nach Fabritius' "Fahrplan" soll das kostentreibende Nebeneinander unterschiedlicher Standards im Überweisungsverkehr Schritt für Schritt abgebaut werden, erst bei grenzüberschreitenden Überweisungen, dann auch im nationalen Zahlungsverkehr. Endziel ist, daß die Unterscheidung zwischen "nationalen" und "grenzüberschreitenden" Überweisungen eines Tages im Euro-Raum hinfällig ist. So soll es Bürgern und Unternehmen von 2007 an vorgeschrieben sein, bei grenzüberschreitenden Überweisungen den sogenannten Credeuro-Standard zu benutzen. Bislang ist es den Bürgern und Unternehmen freigestellt, diesen 2003 eingeführten Standard zu nutzen oder aber herkömmliche Formulare zu gebrauchen. Der Credeuro-Standard schreibt die Verwendung der internationalen Bankleitzahl Bic sowie der internationalen Kontonummer Iban vor.

          Von 2010 an müsse dann jeder Bankkunde die Möglichkeit haben, diesen Standard auch im nationalen Zahlungsverkehr zu verwenden, schlägt Fabritius vor. Das würde es Unternehmen ermöglichen, alle Überweisungen im Euro-Raum kosteneffizient nach einheitlichen Verfahren abzuwickeln. Um auch den Banken höhere Kosteneffizienz zu ermöglichen, müsse der Credeuro-Standard von 2010 an im Interbanken-Zahlungsverkehr generell verbindlich sein, sagte Fabritius. Erst einige Jahre später solle der Credeuro-Standard dann auch für die Bankkunden im nationalen Zahlungsverkehr Pflicht werden.

          Demgegenüber hat Tumpel-Gugerell im September eine raschere Gangart gefordert. Bankkunden müßten ihr zufolge schon von 2008 an die Option haben, alle Überweisungen, also auch die nationalen, nach dem Credeuro-Standard vorzunehmen. Die Debit-Karten der Banken, wie etwa die in Deutschland weitverbreiteten EC-Karten, sollten nach Vorstellung von Tumpel-Gugerell schon bis 2007 so vereinheitlicht sein, daß man im Euro-Raum mit jeder Karte an jedem Bankautomaten Geld abheben und in jedem Geschäft bezahlen kann. Der europaweite Lastschrifteinzug müsse von 2010 an möglich sein, forderte Tumpel-Gugerell.

          Für Fabritius muß es zunächst darum gehen, einheitliche Standards zu formulieren, um so die Basis für grenzüberschreitenden Wettbewerb unter den Anbietern von Zahlungsverkehrsdiensten zu schaffen. Die künftigen Strukturen des Zahlungsverkehrs sollten sich dann am Markt entwickeln, betonte Fabritius, sie könnten nicht am Reißbrett entworfen werden. Aus Sicht der Bundesbank sei vorrangig, daß die Sepa-Initiative durch Abkommen unter den Beteiligten verwirklicht werde und nicht durch Regulierungen seitens der Politik. Keinesfalls dürften die europäischen Regelungen hinter das hohe Niveau des deutschen Zahlungsverkehrs zurückfallen.

          Mit Blick auf Deutschland, den mit Abstand größten Zahlungsverkehrsmarkt in Europa, stellte Fabritius heraus, daß grenzüberschreitende Überweisungen nur etwa ein Prozent aller Überweisungen ausmachten. Bei den nationalen Überweisungen innerhalb Deutschlands würden 85 Prozent zwischen den Banken bilateral abgewickelt - also nicht über eine zentrale Verrechnungsstelle, ein sogenanntes Automatisches Clearinghaus (ACH). Trotz der dezentralen Struktur sei dieses Verfahren im europäischen Vergleich für den Kunden ausgesprochen kostengünstig. Strukturvorgaben hin zu ACH-Monopol- oder -Oligopolstrukturen seien unnötig und unter Umständen sogar schädlich, sagte Fabritius. Denn solche politischen Vorgaben behinderten den effizienzsteigernden Wettbewerb unterschiedlicher Abwicklungssysteme. Bilaterale und verbundinterne Verfahren dürften nicht verboten werden.

          Demgegenüber hat Tumpel-Gugerell zur Untermauerung ihres Zeitplans darauf verwiesen, daß die europäische Bankenvereinigung (EBA) mit dem Pan-European Automated Clearinghouse (Peach) bereits eine technische Infrastruktur für innereuropäische Credeuro-Überweisungen geschaffen habe. Bis 2008 könnten weitere "Peaches" hinzukommen und damit für Wettbewerb sorgen. Diese "Peaches" lassen sich zur Abwicklung sowohl grenzüberschreitender als auch nationaler Zahlungen nutzen. Wenn sich abzeichnen sollte, daß der EPC den vorgesehenen Zeitrahmen für die Sepa-Initiative dennoch nicht einhalten könne, könnte sich die EZB zu hoheitlichen Regulierungen gezwungen sehen, warnte Tumpel-Gugerell. Die Säumigkeit der Banken gehe zu Lasten der Bürger und Unternehmen im Euro-Raum.

          Angesichts der Fülle der anstehenden Reformen rät Fabritius, Schwerpunkte zu setzen. Anders als Tumpel-Gugerell sieht er bei Bankkarten derzeit keinen dringlichen Handlungsbedarf. Viele Bankkarten könnten heute schon grenzüberschreitend eingesetzt werden, sagte er. Beide kritisieren, daß die europäischen Bankenverbände bei der Verwirklichung des einheitlichen Zahlungsraums seit längerem weitgehend auf der Stelle treten. Ursache dafür sind Interessengegensätze, weil die Umstellung des Zahlungsvekehrs für die Banken mit hohen Kosten verbunden ist.

          Das Gespräch führten Benedikt Fehr und Patrick Welter

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