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Zahlungssysteme : First Data kauft Kartenabwickler GZS

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Besitzerwechsel im Kartenzahlungs-Geschäft Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Nach langwierigen Verhandlungen ist der Verkauf der Gesellschaft für Zahlungssysteme an die amerikanische First Data jetzt perfekt. Der Kaufvertrag wurde am Freitag unterschrieben. Über den Preis vereinbarten die Parteien Stillschweigen.

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          Nach langwierigen Verhandlungen ist der Verkauf der Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS) an die amerikanische First Data jetzt perfekt. Der Kaufvertrag wurde am Freitag unterschrieben. Über den Preis für den marktführenden deutschen Abwickler für Kartenzahlungen, der in den ersten neun Monaten des Jahres 2005 im Konzern knapp 130 Millionen Euro umsetzte, vereinbarten die Parteien Stillschweigen.

          Nach den Vorstellungen von David Yates, Präsident für Europa, den Nahen Osten und Afrika von First Data, soll die GZS und ihre Tochtergesellschaft Telecash zum Kompetenzzentrum der First-Data-Gruppe für das Terminal- und Händlergeschäft in Europa werden. Telecash hat derzeit in Deutschland 170.000 Terminals an Kassen im Handel in Betrieb, an denen bargeldlos gezahlt werden kann. Die gesamte GZS-Gruppe hat eine harte Sanierung hinter sich und wird in diesem Jahr erstmals seit vier Jahren wieder Gewinn machen.

          Viele Banken zu anderen Anbietern abgewandert

          Wie Yates und Marcus Mosen, Geschäftsführer Strategische Investments bei First Data, im Gespräch mit dieser Zeitung ausführen, habe GZS-Geschäftsführer Norbert Pawlowski seit seinem Amtsantritt im November 2004 gute Arbeit geleistet und solle bleiben. „Ich habe mir von unserer Muttergesellschaft keinen Abbauplan genehmigen lassen. Die Vorgabe ist vielmehr, gegenüber unserem Hauptkonkurrenten Atos zu wachsen“, antwortet Yates auf Fragen nach einem über Pawlowskis Pläne hinausgehenden Stellenabbau von 980 Anfang 2005 auf 718 Ende 2006.

          Die First Data Corporation mit Sitz in Denver (Colorado) beschäftigt weltweit 33.000 Mitarbeiter und bringt es an der Börse in New York auf einen Marktwert von mehr als 30 Milliarden Dollar. Die GZS in Bad Vilbel ist ein ehemaliger Monopolist, der bisher den Sparkassen und den privaten Banken (jeweils 40 Prozent) und den Genossenschaftsbanken (20 Prozent) gehörte. Viele Banken sind aus Unzufriedenheit mit der GZS in den vergangenen Jahren zu anderen Anbietern abgewandert.

          Schmerzhafter Abzug der Volks- und Raiffeisenbanken

          Teile der Sparkassenorganisation gründeten eigene Abwickler wie die Bayern Card oder die Plus Card. Mit der Bayern Card hat die GZS jetzt eine Kooperation vereinbart. Und der Abgang der Karstadt-Quelle-Bank konnte im letzten Moment verhindert werden. Doch besonders schmerzhaft war der teilweise Abzug der Volks- und Raiffeisenbanken, die für ihre 2 Millionen Mastercard-Kunden eine eigene Gesellschaft gegründet haben.

          Die Kundenabgänge und zunehmenden Spannungen im Gesellschafterkreis haben mit dazu geführt, daß der deutsche Ableger der französischen Atos mit 7 Millionen Karten nur noch knapp hinter der GZS mit 8 Millionen Karten liegt. „Die GZS war in den vergangenen Jahren nicht sehr dynamisch unterwegs, auch weil ihre Eigentümer wenig Geld für Investitionen zur Verfügung gestellt haben“, sagen Yates und Mosen. „Wir sind fest entschlossen, das Blatt für die GZS jetzt zu wenden.“

          Industrieller Partner von Banken und Händlern

          First Data sei „keine Heuschrecke“, sondern wolle auf Dauer industrieller Partner von Banken und Händlern sein. Besonders bemühen will sich First Data um die 2 Millionen Mastercards der Volks- und Raiffeisenbanken. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir mit den Genossenschaftsbanken in Gespräche eintreten könnten, um Geschäft für die GZS zurückzugewinnen“, äußert Yates eine Hoffnung, die sich aber als trügerisch erweisen dürfte.

          First Data wickelt weltweit Zahlungen für 57 Millionen Karten ab. Mit dem Kauf der GZS kommt First Data seinem Ziel näher, ein Netz von Abwicklungsgesellschaften quer durch Europa aufzubauen. Bis zum Jahr 2007 sollen die derzeit 5300 Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten ein Drittel des Gesamtumsatzes erzielen - das wären rund 3,3 Milliarden Dollar. In den vergangenen zwei Jahren kaufte First Data kräftig zu - in Griechenland, in Italien, die von Estland bis Albanien tätige Gesellschaft Euro-Processing mit Sitz in Oslo und vor wenigen Wochen in Österreich die APSS, ein mit der GZS vergleichbarer lokal führender Kreditabwickler.

          „Organisch zu wachsen war schwierig“

          Die First Data Austria, wie sie inzwischen heißt, soll Anlaufstelle für besonders in Osteuropa engagierte Banken sein. Dies trifft vor allem auf österreichische und italienische Kreditinstitute zu. Den Vertrieb will First Data für Italien, Osteuropa und Österreich in Wien konzentrieren. Auch an anderen Orten sollen Kompetenzzentren gebildet werden. Weitere Zukäufe plant First Data nach Angaben von Yates im Jahr 2006 in Rußland, der Türkei, in der Ukraine und in Frankreich.

          In Deutschland ist das amerikanische Unternehmen seit 1996 aktiv und kaufte von der Post den größten Netzbetreiber Telecash. Als Kunden gewann First Data die Dresdner Bank, die Hypo-Vereinsbank, die Postbank und die BMW Bank. „Organisch zu wachsen war für uns wegen des zersplitterten Bankenmarktes schwierig. Durch die GZS kommen wir in Deutschland jetzt auf die kritische Masse“, erklären Yates und Mosen die Idee hinter dem Kauf der GZS.

          „Wir sind der einzige Anbieter“

          Zugleich setzen die beiden auf einen Nachholeffekt. „Im Vergleich zu Frankreich und Spanien ist das Kartengeschäft in Deutschland unterentwickelt. Wir glauben das ändern zu können. Wir werden den Banken unsere ausgefeilten Kreditanalysesysteme anbieten, damit sie ,echte' Kreditkarten mit Kreditrahmen losgelöst vom Girokonto anbieten können.“ Durch die Kooperation mit der Bayerncard, der Abwicklungsgesellschaft der bayerischen Sparkassen, gewinne die GZS rund 1 Million Karten hinzu.

          „Dadurch ist sie aber nicht blockiert für weitere Kunden wie in den vergangenen Jahren“, sagen Yates und Mosen. Mit Blick auf europaweit agierende Händlernetze wie zum Beispiel Tankstellen sagen Yates und Mosen: „Wir sind der einzige Anbieter, für den die Abwicklung verschiedener Währungen auf einem System kein Problem darstellt.“

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