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Quartalszahlen der Tech-Firmen : Amazon ist Gewinner in der Corona-Krise

Hat gut Lachen: Amazon-Chef Jeff Bezos kann im zweiten Quartal mit unerwartet guten Zahlen überraschen. Bild: dpa

Nach der Kongressanhörung legen die amerikanischen Tech-Giganten überraschend gute Zahlen vor. Facebook scheint den Werbeboykott gut zu verkraften. Apple kündigt sogar einen Aktiensplit an – hat aber auch eine schlechte Nachricht.

          4 Min.

          Erst die Politik, jetzt die Investoren: Nur einen Tag nach einer Anhörung mit ihren Vorstandsvorsitzenden vor dem amerikanischen Kongress haben die Technologiekonzerne Apple, Amazon, Facebook und Alphabet Quartalsberichte vorgelegt. Und womöglich werden die Unternehmen froh sein, dass der Auftritt vor den Politikern hinter ihnen liegt, denn die am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichten Zahlen fielen überwiegend besser als erwartet aus, hätten also womöglich zusätzliche Munition in der Diskussion um ihre Marktdominanz geliefert. Vor allem Amazon und Apple lagen weit über den Erwartungen, und Facebook hat Hoffnung gemacht, dass der jüngste Boykott von Werbekunden keine allzu tiefen Spuren hinterlassen wird.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Corona-Krise, die zum ersten Mal in einem vollen Quartal erfasst wurde, hat sich zwar bei einigen der Unternehmen negativ bemerkbar gemacht, aber insgesamt stehen sie sehr robust da. Ihre Aktienkurse notierten nachbörslich überwiegend und zum Teil klar im Plus. Sie sind seit Jahresanfang trotz der Corona-Krise deutlich gestiegen und bewegen sich in der Nähe eines Allzeithochs.

          Apple kündigte am Donnerstag sogar einen Aktiensplit in Verhältnis von eins zu vier an. Das soll die Aktie nach Angaben des Unternehmens „für eine breitere Basis von Investoren zugänglicher“ – also billiger – machen. Die Apple-Aktie kostete am Donnerstag zum Handelsschluss knapp 385 Dollar. Im nachbörslichen Handel legte der Kurs zeitweise um fünf Prozent zu.

          Damit ist Apple bei weitem nicht der teuerste Technologiewert an der Börse. Eine Amazon-Aktie kostet mehr als 3000 Dollar. Apple hat seine Aktie schon öfter gesplittet, zuletzt 2014 im Verhältnis eins zu sieben.

          Amazons Ergebnis besser als erwartet

          Vor allem Amazon hat im abgelaufenen Quartal weit besser abgeschnitten als erwartet und sogar den höchsten Nettogewinn seiner Geschichte ausgewiesen. Die vor drei Monaten gegebene Prognose hat sich als viel zu vorsichtig herausgestellt.

          Damals hatte der Vorstandsvorsitzende Jeff Bezos gesagt, er erwarte zusätzliche Kosten von vier Milliarden Dollar im Zusammenhang mit der Pandemie, etwa für die Anschaffung von Schutzausrüstung für Mitarbeiter, und das könnte den gesamten operativen Gewinn im zweiten Quartal ausradieren. Stattdessen meldete Amazon nun einen Betriebsgewinn von 5,8 Milliarden Dollar.

          Der Nettogewinn hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt und lag bei 5,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie betrug 10,30 Dollar, Analysten hatten nur mit 1,46 Dollar gerechnet. Der Umsatz sprang um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar und lag ebenfalls weit über den Erwartungen. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch bei 26 Prozent gelegen.

          Im reinen Online-Handel stiegen die Umsätze sogar um 49 Prozent, während es in stationären Geschäften, wozu die Lebensmittelkette Whole Foods gehört, diesmal ein Minus von 13 Prozent gab. Amazon Web Services, die Sparte für „Cloud Computing“ baute die Umsätze um 29 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar aus und steuerte mehr als die Hälfte zum Betriebsgewinn bei.

          Facebook trotzt dem Boykott

          Auch Apple präsentierte sich in deutlich besserer Verfassung als erwartet, hatte aber auch eine schlechte Nachricht. Finanzvorstand Luca Maestri sagte in einer Telefonkonferenz, die neuen iPhone-Modelle, die üblicherweise Ende September herauskommen, würden in diesem Jahr erst „einige Wochen später“ verfügbar sein. Die nächsten iPhones werden mit Spannung erwartet, es wird damit gerechnet, dass sie mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G arbeiten können.

          Für das vergangene Quartal meldete Apple ein Umsatzplus von elf Prozent auf 59,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 52,3 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg um zwölf Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 2,58 Dollar war um 54 Cent besser als erwartet. „Apple hat ein Quartal mit historischen Ergebnissen gesehen“, sagte Vorstandschef Tim Cook.

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