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Positive Erwartungen : WTO rechnet mit enormem Schub für den Welthandel

Container am Hafen der chinesischen Stadt Qinzhou Bild: dpa

Trotz der Lieferengpässe erhöht die Welthandelsorganisation die Prognose für das laufende Jahr auf 10,8 Prozent Zuwachs. Konjunkturprogramme und hohe Impfquoten treiben die Dynamik. Doch wie geht es mittelfristig weiter?

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          Die Negativnachrichten aus der Weltwirtschaft rissen zuletzt nicht ab: Autokonzerne müssen die Produktion runterfahren, weil Mikrochips fehlen, in Großbritannien geht Tankstellen das Benzin aus und in Indien und China wackelt die Stromversorgung, weil die Kohlereserven nahezu aufgebraucht werden. In dieser angespannten Lage überraschte die Welthandelsorganisation (WTO) am Montag mit einer optimistischen Prognose für den Welthandel.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Die Organisation erwartet für das laufende Jahr einen Zuwachs im weltweiten Warenhandel um 10,8 Prozent und im kommenden Jahr noch einmal um 4,7 Prozent. Vor einem halben Jahr, als die Lieferkettenproblematik noch deutlich geringer war, hatte die WTO noch mit 8 Prozent Zuwachs für 2021 und 4 Prozent für 2022 gerechnet. „Das sind gute Nachrichten“, sagte WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo‑Iweala in Genf. Sollte die Prognose eintreffen, wären die Verluste aus dem Krisenjahr 2020, als das Handelsvolumen um 5,3 Prozent schrumpfte, mehr als wettgemacht.

          Die Ökonomen der Handelsorganisation begründeten ihre positiven Erwartungen mit der starken Weltkonjunktur, die mit einer großen Warennachfrage einhergehe. Insbesondere die Staaten, in denen die Impfungen weit vorangeschritten sind und in denen die Regierungen mit großen Konjunkturprogrammen interveniert haben, treiben die Dynamik: Die Preise für Schiffcontainer liegen auf Rekordniveau, Energierohstoffe sind gefragt wie selten zuvor, die Unternehmen stellen wieder viele neue Beschäftigte ein.

          Deutschland ist abhängig vom Welthandel

          Die Lieferprobleme in der „gestressten“ Lieferkette, die in vielen Staaten inzwischen sichtbar werden, gewichteten die Fachleute dagegen nicht so stark. Diese seien eher temporärer Natur und auch singulären Ereignissen wie Fabrikbränden und extremem Wetter geschuldet. 

          Wie abhängig insbesondere Deutschland von einem florierenden Welthandel ist, zeigt eine Studie der KfW, die an diesem Dienstag veröffentlicht wird. 28 Prozent der heimischen Arbeitsplätze und 31 Prozent der deutschen Wertschöpfung hängen direkt oder indirekt vom Export ab, hat die Förderbank gemeinsam mit dem Institut Prognos ermittelt. Große Industriebranchen (Auto, Maschinen, Pharma) erzielen weit mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland.

          Trotz der guten Prognose der WTO bleibt die Frage, wie es angesichts der Corona-Pandemie und der Verwerfungen in den Lieferketten mittelfristig mit dem Welthandel weitergeht. „Es spricht einiges dafür, dass die Globalisierung der Corona-Krise in langsamen Tempo voranschreitet“, sagt Fritzi-Köhler-Geib, die Chefvolkswirtin der KfW.

          In diesem „mittleren Szenario“ werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwischen 2023 und 2030 jährlich um 1,1 Prozent wachsen. Die Politik, durch intensive internationale Zusammenarbeit,  und die Wirtschaft, durch innovative Produkte insbesondere im Bereich Klimaschutz, seien gleichermaßen gefordert, damit diese Zahlen erreicht werden können.

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