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Kommentar : Schon wieder VW

  • -Aktualisiert am

Blick in den Golf - die Produktion ruht, weil ein Getriebe-Zulieferer mit dem Volkswagenkonzern streitet. Bild: dpa

Hat sich Volkswagen in eine gefährliche Abhängigkeit von nur zwei Zulieferern begeben? Und will der Konzern jetzt die Beitragszahler erpressen? Worum geht es in dem Streit wirklich? Ein Kommentar.

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          Je heftiger der Streit zwischen VW und seinen Zulieferern wird, desto mehr Fragen wirft der Fall auf. Hat sich Volkswagen in eine gefährliche Abhängigkeit von nur zwei Zulieferbetrieben für Stoffbezüge von Sitzen und Gehäuse für Getriebe begeben? Hätten in Wolfsburg nicht die Alarmglocken schrillen müssen, als vor kurzem ausgerechnet diejenige Beteiligungsgesellschaft sich des Kaufs eines Gießereispezialisten („Schlüsselkompetenz“) rühmte, die zuvor in Brasilien mit VW und anderen Autoherstellern einen ähnlichen Konflikt über den dortigen Sitz-Lieferanten austrug?

          Ist das vielleicht sogar ein perfides neues Geschäftsmodell, der Kauf von spezialisierten Zulieferern mit anschließender Erpressung der Autokonzerne? Oder wehrt sich hier nur ein mutiger David gehen das ständige Auspressen durch die Goliaths der Branche?

          Will der Konzern die Beitragszahler erpressen?

          Das Verhältnis zwischen Herstellern und Zulieferern ist komplizierter. Manchmal sind Hersteller abhängiger, als sie zugeben, wie die hohen Renditen einiger Spezialisten zeigen.

          Gegen die Erpressungs-These spricht die Kurzatmigkeit eines solchen Geschäftsmodells. Außerdem ist die hinter dem internationalen Beteiligungsgeflecht stehende Familie nicht als Hasardeur bekannt, sondern gilt als Bosniens größter und beliebtester Arbeitgeber mit guten, langjährigen Geschäftsbeziehungen auch zu VW. Doch angeblich gibt es Familienstreit im Zuge des Übergangs vom Vater auf die beiden Söhne.

          Wenn es den Streitparteien wirklich nur um den kolportierten Betrag von 56 Millionen Euro geht, könnte VW den aus der Portokasse begleichen und sich danach zuverlässigere Zulieferer suchen. Stattdessen droht Volkswagen mit der Kurzarbeit von 30.000 Beschäftigten.

          Will der Skandalkonzern seinerseits die Beitragszahler erpressen? Soll die Arbeitslosenversicherung mit Kurzarbeitergeld den Lohnausfall ersetzen, nur weil sich die beiden Streithansel nicht einigen können? Jedenfalls ist der Arbeitsausfall weder konjunkturell bedingt noch ein „unabwendbares Ereignis“, dessen Kosten von der Gemeinschaft zu tragen wären.

          Solange vornehmlich die Produktion des Golf ruht, tun VW die verlängerten Sommerferien am Band nicht weh. Doch sobald es das Erfolgsmodell Tiguan trifft, wird es schmerzhaft. Wenn dann VW noch länger zögert, den Streit durch Zahlung zu beenden, wird es teurer.

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