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Lieferdienst expandiert : Wolt liefert Essen jetzt auch in München und Frankfurt

Ein Kurier von Wolt in seiner hellblauen Arbeitsmontur. Bild: Reuters

Wer nicht zum Telefon greift und seine Lieblingspizzeria direkt anruft, der bestellt Essen in der Regel bei Lieferando – der Dienst ist der einzige große in Deutschland. Das könnte sich nun ändern: In Frankfurt gibt es gleich zwei neue Konkurrenten.

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          Der aus Finnland stammende Essenslieferdienst Wolt expandiert in Deutschland. Nachdem seit August vergangenen Jahres schon Kunden in mehreren Innenstadtbezirken Berlins dort Essen bestellen können, wird das von Mittwoch an auch in Frankfurt und München möglich sein. Wie Vorstandschef Miki Kuusi der F.A.Z. sagte, arbeitet der Dienst zum Start in Frankfurt mit 70 Restaurants zusammen, in München mit 60.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter den Restaurants in Frankfurt sind „Best Woscht in Town“, „Mosch Mosch“ und „FIVE GUYS“. In München wird der Dienst zunächst mit einer Testphase starten, Partnerrestaurants dort sind etwa „Ruff's Burger“, „Fugazi“ und „The Hutong Club“. In Berlin wuchs das Angebot von 100 Restaurants im August auf inzwischen mehr als 600.

          Das vor fünf Jahren in Helsinki gegründete Unternehmen ist in 23 Ländern auf der Welt tätig. Das sind etwa halb so viele, wie der führende deutsche Lieferkonzern Delivery Hero auf seiner Liste hat. Nach eigenen Angaben erzielte Wolt im Jahr 2019 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

          Konkurrenz für Lieferando

          Da Delivery Hero sein eigenes Deutschlandgeschäft verkauft hat, greifen die Finnen mit der Expansion vor allem Lieferando an. Der Lieferdienst ist seit rund zwei Jahren der einzige, der deutschlandweit tätig ist. Der Marktführer konzentriert sich aber darauf, Essensbestellungen über seine Plattform nur zu vermitteln und überlässt die eigentliche Lieferung in der Regel den Restaurants.

          An diesem Punkt verfolgt Wolt einen anderen Ansatz: „Wir machen die Erfahrung, dass die Restaurants, von denen Kunden bestellen wollen, nur selten auch einen eigenen Lieferdienst anbieten“, sagt Kuusi. Deshalb liefere Wolt alle Lieferungen mit eigenen Fahrern aus. Dadurch sei das Unternehmen auch in der Lage, die Routen der Kuriere besser zu koordinieren. Einen Zeitplan, Lieferando zu überholen, gebe es nicht. „Wir konzentrieren uns nicht auf unsere Konkurrenz, sondern darauf, dem Kunden das beste Erlebnis zu bieten.“

          Speziell im Rhein-Main-Gebiet hat Lieferando noch einen weiteren Konkurrenten. Im Oktober startete in Frankfurt der regionale Lieferdienst Eatura. Der Dienst, hinter dem das Mobilfunkunternehmen ATG Mobile steht, will im Februar auch in Offenbach starten. Im Laufe des ersten Quartals sollen dann alle größeren Städte des Rhein-Main-Gebiets erschlossen werden – Geschäftsführer Cihan Aba nannte im Gespräch mit der F.A.Z. exemplarisch Mainz, Wiesbaden und Darmstadt.

          In Frankfurt können Eatura-Kunden schon bei 300 Restaurants bestellen. „Wir wissen genau, dass wir nicht die Kraft haben, Lieferando anzugreifen“, sagte Aba. „Wir wollen bodenständig im kleinen Rahmen arbeiten und Stück für Stück wachsen.“ Der Fokus liege auf exklusiveren Restaurants, die keinen eigenen Lieferdienst anböten und deshalb auf Lieferandos Plattform nicht vertreten seien.

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