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Wolfgang Mayrhuber : Der Marathon-Mann

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Nun doch im Aufsichtsrat: Wolfgang Mayrhuber Bild: dpa

Der frühere Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber rückt trotz Widerstands an die Spitze des Aufsichtsrats. Doch er bekommt nur 63 Prozent der Stimmen - das bislang schlechteste Ergebnis eines Chefaufsehers in einem Dax-Konzern.

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          Zwar tauchte er auf der Rednerliste gar nicht auf, dennoch war er die zentrale Figur auf der  Hauptversammlung der Fluggesellschaft Lufthansa: Wolfgang Mayrhuber, der auf Umwegen zum Nachfolger des langjährigen Chefaufsehers Jürgen Weber gewählt wurde. Bis vor wenigen Wochen galt es als ausgemacht, dass der 66 Jahre alte Österreicher an die Spitze des Kontrollgremiums aufsteigen sollte. Doch in den vergangenen Tagen drohte der lange verabredete Wachwechsel im Aufsichtsrat zu scheitern. Vor allem ausländische Investoren, die rund 36 Prozent an der Lufthansa halten, meldeten ihre Bedenken gegen die Rückkehr des ehemaligen Topmanagers an.

          Mayrhuber, der von 2003 bis Ende 2010 an der Spitze des Konzerns stand, habe zu wenig Distanz zu seinem Ex-Arbeitgeber und zu viele Kontrollposten bei anderen Unternehmen angesammelt, lautet der Tenor der Vorwürfe. Zwar habe er die Lufthansa verlassen, um die gängigen Gebote für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) zu erfüllen, räumen die rebellischen Aktionäre ein. Doch amerikanischen Investoren reichen solche Zugeständnisse nicht. Vor allem die Vertreter der einflussreichen Organisation Institutional Shareholder Service (ISS) kritisierten, dass die zweijährige Abkühlungsphase zu kurz sei und die Vielzahl an Aufsichtsratsposten den künftigen Chefaufseher überfordere.

          Mayrhubers Einkaufstour erregt bis heute die Gemüter

          Die verkappte Drohung, Mayrhuber die nötigen Stimmen für den Aufstieg im Aufsichtsrat zu entziehen, hatte anfangs den gewünschten Effekt: Am Montag zog der langjährige Favorit seine Kandidatur kurzerhand zurück. Sein Rückzug wäre vor allem für Amtsinhaber Jürgen Weber eine bittere Niederlage gewesen. Der langjährige Konzern-Doyen hatte den Maschinenbauingenieur seit seinem Einstieg bei der Lufthansa vor 40 Jahren gefördert. Mayrhuber war Anfang der neunziger Jahre Mitglied eines internen Sanierungsteams, das den Konzern vor dem Konkurs bewahrte. Überkapazitäten und hohe Millionenverluste hatten die führende Fluggesellschaft des Landes damals in die Existenzkrise geführt.

          Als der österreichische Manager seinen Förderer Weber 2003 als Vorstandsvorsitzenden ablöste, forcierte er den Ausbau der Lufthansa zu einem „Aviation“-Konzern, der neben dem Passagier- und Frachtgeschäft auch Geschäftsbereiche für Flugzeugwartung, Bordverpflegung und IT-Technik steuert. In seiner siebenjährigen Ägide als Vorstandsvorsitzender drückte Mayrhuber vor allem bei der Expansion in Europa aufs Tempo. Binnen weniger Jahre wuchs die Lufthansa-Gruppe um Swiss, die österreichische AUA, Brussels Airlines und erwarb die Mehrheit bei der britischen Fluggesellschaft BMI.

          Mayrhubers damalige Einkaufstour erregt bis heute die Gemüter von Aktionären und Mitarbeitern. Die Lufthansa habe dabei zu viele Verlustbringer erworben, die aufwendig saniert und unzureichend integriert worden seien. Mayrhubers Förderer Weber lässt solche Vorwürfe, die vor wenigen Wochen in einem anonymen Brief von leitenden Mitarbeitern verbreitet wurden, nicht gelten. Mayrhuber habe als Vorstandsvorsitzender „hervorragende Arbeit“ geleistet, hob er auf der Hauptversammlung hervor. An der Spitze des Kontrollgremiums müsse daher auch weiterhin ein versierter Kenner der Luftfahrtindustrie stehen. Und über diese Expertise verfüge Mayrhuber.

          Die deutschen Investoren können damit gut leben

          Einige Investoren zweifelten bis zuletzt an diesem Befund. Doch sie ließen ihre Vorbehalte gegen die Wahl Mayrhubers innerhalb weniger Stunden fallen. Am Montagabend teilte die Lufthansa mit, dass Mayrhuber seine Absage zurückziehe und nun doch für den Chefposten im Aufsichtsrat zur Verfügung stehe. Das überraschende Rückzugsmanöver erklärte Weber mit den Unterschieden zwischen deutschen und amerikanischen Corporate-Governance-Regeln. Danach hätte der Konzern die Kritiker aus dem Ausland von den Vorteilen der deutschen Aktienkultur überzeugt: So hätten die Berater der ISS angeblich nicht berücksichtigt, dass bei börsennotierten Unternehmen in Deutschland die strikte Trennung zwischen Tagesgeschäft (Vorstand) und Kontrolle (Aufsichtsrat) längst umgesetzt ist. In angelsächsischen Unternehmen setzt sich dagegen das „Board“ aus einer Mixtur von Managern und Kontrolleuren zusammen. Vertreter der ISS bestreiten indes den Vorwurf der Lufthansa.

          „Die Irritationen um Mayrhuber wurden hinter den Kulissen schnell ausgeräumt“, hielt ein Lufthansa-Aktionär auf der Hauptversammlung als Zwischenergebnis fest. Und zumindest die deutschen Investoren können mit dem Stabwechsel zwischen Weber und Mayrhuber gut leben. Seine Wahl in den Aufsichtsrat am Montagabend fiel mit 63 Prozent allerdings nicht berauschend aus.

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