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Schleppender Wohnungsbau : Die Bauunternehmen hadern mit der Politik

Ziel ist es, in Deutschland 400.000 Wohnungen im Jahr zu bauen. Bild: dpa

Jedes Bundesland hat seine eigenen Bauvorschriften. Damit werde kostengünstiges serielles Bauen verhindert, sagen Vertreter der Branche. Von den Ergebnissen der Bauministerkonferenz sind sie enttäuscht.

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          Das Treffen der Bauminister in Berlin hat unter Vertretern der Bauwirtschaft Enttäuschung ausgelöst. „Wir haben uns eindeutig mehr erhofft als weitere Ankündigungen. Wer mehr Wohnungen haben möchte, muss dafür sorgen, dass sie gebaut werden können“, sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe. Die Bauminister der Länder waren mit Bundesbauministerin Klara Geywitz am Freitag zu einem außerordentlichen Treffen zusammengekommen. Ziel war es, die Ergebnisse des von der Bundesregierung ins Leben gerufenen „Bündnisses bezahlbarer Wohnraum“ zu besprechen.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die 35 Akteure aus Unternehmen, Kommunen und Gewerkschaften hatten Mitte Oktober mehr als 180 Einzelvorschläge vorgelegt, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Sie reichen von staatlichen Förderprogrammen über den Ausweis von mehr Baugebieten bis zur Unterstützung von sogenanntem seriellen Bauen.

          Ziel ist es, in Deutschland 400.000 Wohnungen im Jahr zu bauen, davon 100.000 sozial gefördert. Aktuell sind es knapp 300.000. Konkrete Maßnahmen beschlossen die Landesbauminister nicht. Man habe die Ergebnisse des Bündnisses „einer ersten Schwerpunktsetzung unterzogen“, wie es in einer Abschlusserklärung heißt. Bund und Länder könnten den Wohnungsbau nur gemeinsam verbessern. Zudem brauche es eine neue Balance von frei finanziertem und sozial gefördertem Wohnungsbau.

          Weniger Aufträge und verspätete Förderung

          Für Bauunternehmen, deren Aufträge zurzeit zwischen 20 und 25 Prozent hinter den Vorjahreswerten liegen, sind die Ergebnisse auch deshalb enttäuschend, weil erst am Vortag öffentlich bekannt wurde, dass die neuen Förderprogramme für Neubauten nicht vor März zur Verfügung stehen werden, vielleicht sogar erst im zweiten Quartal. Ohne eine „deutliche politische Flankierung“ werde die Zahl der neu gebauten Mietwohnungen und Eigenheime aber deutlich sinken, sagt Pakleppa.

          Die in diesem Jahr verschärfte Förderung für das „Effizienzhaus 40“ erhöht die Baukosten für ein Einfamilienhaus nach Einschätzung des ZDB um 30.000 Euro. Zudem verweist der Verband darauf, dass der Bund die Fördermittel für Kredite und Tilgungszuschüsse von Neubauten auf eine Milliarde Euro stark zurückgefahren hat. In den vergangenen Jahren hätten dafür noch zehn Milliarden Euro zu Verfügung gestanden. Mehr Wohnungen bauen zu wollen, zugleich aber den Förderrahmen einzuengen passe nicht zusammen.

          Neben dem Geld treibt die Bauwirtschaft der Flickenteppich der Landesbauverordnungen um. Soll das serielle Bauen – also das Bauen von Mehrfamilienhäusern mit Fertigteilen aus Beton – wie von der Politik gewünscht verstärkt werden, müssten dringend die Bauverordnungen vereinheitlicht werden, sagte Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Die unterschiedlichen Regelungen verhinderten kostengünstiges Bauen. So verhinderten die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Vorgaben etwa für Fertigtreppenhäuser oder Brüstungen nach seinen Worten eine einheitliche und damit effiziente Produktion. Zudem benötige etwa ein so gebautes und in Hamburg bereits genehmigtes Haus in München eine neue „Typengenehmigung“.

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