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Wohlwagen : Wenn das Haus mit umzieht

  • -Aktualisiert am

Ein Wohlwagen in der Größe M Bild: Wohlwagen

Das Göttinger Unternehmen Wohlwagen bietet ein Zuhause für Menschen, die unabhängig bleiben wollen. Das funktioniert – auch dank eines serienmäßig eingebauten Ofens.

          4 Min.

          Mobile Wohneinheiten wie die „Tiny Houses“ liegen im Trend. Auch das 2007 gegründete Unternehmen Wohlwagen aus Göttingen wächst stetig. Nach Angaben des Gründers Alex Borghorst ist man „Deutschlands größte Firma im Bereich der mobilen Wohneinheiten mit Fahrgestell“. Wohlwagen sind kleine mobile Häuser aus Holz.

          Das Unternehmen entstand aus einer persönlichen Geschichte des Gründers in seiner Studentenzeit. Er lebte mit drei Studenten in einem Haus. Allerdings bot dieses nur Platz für drei Personen, und so wurde kurzerhand ein alter Zirkuswagen gekauft und zu einem weiteren Zimmer umgebaut. Dieser Wagen wurde mitgenommen, und Gäste wurden in ihm untergebracht. Diese seien begeistert gewesen, erzählt Borghorst.

          Bis Ende März habe er knapp 120 Wagen verkauft und 2019 einen Umsatz von 2 Millionen Euro erzielt, berichtet der Unternehmer. Der Umsatz habe sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Die Preise für einen Wohlwagen beginnen bei 75 000 Euro. Das Unternehmen beschäftigt 27 Mitarbeiter, jeweils fünf bis sechs arbeiten an einem Wagen.

          Gewinne nicht im Vordergrund

          Sehr wichtig ist Borghorst der persönliche Kontakt mit den Kunden. Seine Arbeit bezeichnet er als erfüllend. „Man darf nicht vornehmlich auf Gewinne gucken.“ Die Mitarbeiter gestalten den Wagen ganz nach Kundenwunsch, nur die Modelle sind festgelegt. Denn es gebe Grenzen in der Statik.

          Das Unternehmen verkauft sechs Modelle, vom M1 mit 25 Quadratmetern bis zum XXL mit bis zu 96 Quadratmetern, das auch Platz für Familien bietet. Das meistverkaufte Modell ist der M2 mit 29 Quadratmetern. Er habe zwei ausfahrbare Erker; das ermögliche einen abgetrennten Schlaf- und Arbeitsbereich.

          Der Wagen gleiche einer Zweizimmerwohnung und könne durch die Angliederung eines kleineren Wagens noch erweitert werden, erklärt Borghorst. Für die Zukunft könne er sich auch die Herstellung von Hausbooten vorstellen. Allerdings gebe es in Deutschland einen Mangel an Wasserliegeplätzen.

          Produktion in Polen hat Vorteile

          Gebaut werden die Wagen in Polen, in der Nähe von Breslau und Posen; dort hat das Unternehmen zwei Werkstätten. Der Geschäftsführer nennt zwei große Vorteile der Produktion in Polen. Man könne sich zum einen in den polnischen Wäldern seine Bäume selbst aussuchen, und zum anderen gebe es viele gute Handwerker, die nicht so sehr auf einzelne Produkte spezialisiert seien wie in Deutschland. Sie könnten daher sehr flexibel unterschiedliche Einzelstücke herstellen.

          Bis der Wohlwagen bei den Kunden steht, vergehen sieben bis zwölf Monate. Es gebe eine Wartezeit, weil es sich das Unternehmen nicht leisten könne, keinen Auftrag zu haben. Der Bau eines Wagens dauert nur vier Wochen, dann liefert ihn Borghorst an die Kunden aus. Er hat schon Wagen mit der Fähre nach Teneriffa gebracht und mit zwei Treckern in die Schweizer Berge. Am häufigsten werden die Wohlwagen aber auf kurzen Strecken hinter einem Lastwagen oder einem landwirtschaftlichen Schlepper transportiert.

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