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Konkurrenz für den Westen : Mit diesem Flugzeug greift China nach der Lufthoheit

Hoffnungsträger: 160 Passagiere finden im Mittelstreckenjet von Comac Platz. Bild: AP

Am Freitag soll Chinas erstes selbst entwickeltes Flugzeug abheben. So will der staatliche Flugzeughersteller die Dominanz von Airbus und Boeing brechen.

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          Der letzte Rolltest auf dem Flugfeld fand um fünf Uhr morgens statt. Beschleunigen bis auf 220 Stundenkilometer, Bremsen, Wenden. Chinas erster Mittelstreckenjet C919 sei bereit zum Jungfernflug, teilte der staatliche Flugzeughersteller Comac mit. Am Freitag will die Luftfahrtindustrie des Landes Geschichte schreiben.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Am Stadtrand von Schanghai, von Startbahn Nummer vier des Flughafens Pudong, soll der neue Stolz der Nation abheben: zwei Triebwerke, 158 Sitzplätze, 4075 Kilometer Reichweite. Es sind Werte, die an die Typen A320 von Airbus und Boeings 737 erinnern – den meistverkauften Flugzeugreihen der Welt.

          Das Flugzeug-Duopol aus dem Westen erhält Konkurrenz aus Fernost. China, die zweitgrößte Wirtschaft, tritt in eine Industrie ein, deren Produkte in der Entwicklung so kompliziert sind, dass Chance und Risiko nah beieinanderliegen.

          Zehn Jahre Entwicklungsdauer

          Xi Jinping wird nicht erwartet zur Premiere in Chinas Wirtschaftsmetropole. Dass der Bau eigener Flugzeuge einen Ehrenplatz einnimmt im Plan des Präsidenten, aus der Werkbank der Welt einen Produzenten cleverer Hochtechnologie zu formen, steht allerdings außer Zweifel. Die Gewinne, die Airbus und Boeing im Reich der Mitte einfliegen, sollen künftig zum Teil im Land verbleiben.

          Dem Plan Pekings, die Größe der Volkswirtschaft bis 2020 gegenüber 2010 verdoppelt zu haben, kann der C919 nur auf der Zielgeraden helfen. Vor 2019 sei mit Auslieferungen nicht zu rechnen, glauben Fachleute. Zehn Jahre hat die Entwicklung gedauert, seit Chinas Staatsrat im Februar 2007 das Projekt genehmigt hatte. Vor zwei Jahren sollte Comacs Vorzeigeprojekt zum ersten Mal abheben. Doch da hatten die Ingenieure gerade einmal die erste Maschine fertig zusammengesetzt.

          Kaum etwas ist so schwierig wie der Bau von Flugzeugen. Fast 50 Jahre ist es her, in der Volksrepublik herrschten noch Mao Tse-tung und seine Kulturrevolution, da startete das Land mit dem Modell Y-10 seinen ersten Versuch. Vierzehn Jahre später war dieser gescheitert.

          Boeings und Airbus Meinung

          Die Sorge vor einer neuen Bruchlandung ist groß in Schanghai. 118 Tests hat der C919 hinter sich, von denen allein 21 das Rollen auf Vorfeld, Start- und Landebahn betrafen. Im April gaben zwei Dutzend Prüfer dann grünes Licht. Peking hatte als Ziel vorgegeben, die Konkurrenz von Airbus und Boeing bei Preis und Betriebskosten zu unterbieten. Doch das haben die Comac-Ingenieure nicht geschafft. Dass fast nur Heck und Flügel aus heimischer Produktion stammen, Teile und Komponenten dagegen gezielt von ausländischen Zulieferern bezogen wurden, ist zwar ein wirtschaftlicher Nachteil, aber auch industriepolitisches Kalkül. Einen eigenen Hersteller für Triebwerke hat China 2016 gegründet.

          Bei Airbus fallen die Reaktionen gelassen aus. „Zusätzlicher Wettbewerb durch den C919 ist gut für die Entwicklung unserer Industrie“, heißt es beim Hersteller in Toulouse. Dabei sei der chinesische Markt groß genug, um mehr als zwei Hersteller zu vertragen. Zudem erziele Airbus immer dann besonders gute Ergebnisse, wenn Wettbewerbsdruck groß sei.

          Auch die Manager von Boeing begrüßen den neuen Wettbewerber aus China, wann immer sie auf Comac angesprochen werden. Der Hersteller aus Seattle erreichtet mit dem chinesischen Konzern sogar in der Stadt Zhoushan, drei Autostunden von Schanghai entfernt, ein Gemeinschaftswerk, in dem die Inneneinrichtung für die 737 montiert wird.

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