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Wo buchen? : Der Urlaub beginnt künftig auf dem Smartphone

Urlaubsträume: Die Reiseportalanbieter hoffen auf mehr Buchungen mit dem Smartphone Bild: ddp images

Amazon hat es im Netz vorgemacht und kennt die Vorlieben seiner Kunden. Expedia will nun Urlaubern mehr Ratschläge geben. Die sollen deshalb auch von unterwegs via Smartphone häufiger vorbeischauen.

          Über Silvester von Frankfurt für eine Woche auf die Kanarischen Inseln – da hat Andreas Nau noch ein paar Angebote parat. Genau genommen 262 verschiedene Hotels auf Teneriffa, Gran Canaria oder einem weiteren Eiland listet Expedia aktuell auf. Nau ist der für die deutsche Version Verantwortliche in dem Reiseportalkonzern. Und das Unternehmen bietet einiges an Auswahl für ein bisschen Erholung.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den Urlauber steht vor dem Abflug daher eine gewaltige Portion Arbeit. „Wir empfangen den Kunden heute mit einem sehr breiten Angebot, der Kunde muss sich darin zurechtfinden und selbst auswählen, künftig wollen wir ihm diese Arbeit abnehmen“, sagt Nau, der 2011 aus dem TUI-Konzern zu Expedia wechselte.

          Mach es einfach

          Viele Hotels anzubieten, ist allein kein Gütekriterium mehr im Internetgeschäft, in dem nicht nur Expedia, sondern auch die Rivalen HRS, Booking.com aus dem Priceline-Konzern sowie die traditionellen Reiseveranstalter TUI, Thomas Cook oder DER Touristik mit ihren Netzplattformen auf prall gefüllte Datenbanken zugreifen, um ihren Kunden das große Urlaubslos und freie Auswahl zu bieten. Je größer das Angebot wird, desto größer ist auch die Gefahr, dass ein Erholungsuchender ein Angebot bucht, dass zu laute Musik am Pool oder zu wenige Kinderspielecken bietet.

          „Wir müssen verstehen, was der Kunde wünscht, damit er bei der Urlaubssuche keine verschachtelten Menülisten mehr braucht“, sagt der Expedia-Manager. Mach es einfach, ist das Zukunftsrezept im Tourismus. Am liebsten möchte Nau Besucher der Expedia-Seiten nur mit einer passenden Vorauswahl an Offerten empfangen. „Ein Kunde, der zuletzt nur Aufenthalte in Robinson-Clubs gebucht hat, will höchstwahrscheinlich beim nächsten Mal wieder in einen Robinson-Club“, erläutert er.

          Daten werden wichtiger für den Tourismus

          Um diesen Kunden zu erkennen, sind aber Mengen an Informationen nötig – über frühere Buchungen, über Vorlieben und darüber, ob auch Hotel B gefallen könnte, wenn Hotel A schon besucht wurde. Daten werden wichtiger für den Tourismus. Der Club der Urlaubsmacher mutiert vom Fachleutekreis für Pools und Hotelbars aller Länder zur IT-Spezialistengruppe. Als die Online-Portale starteten, war das eine Revolution im Reiseverkauf. Informationen, die vorher nur die Dame im Reisebüro hatte, wurden für jedermann sichtbar.

          Bis heute hinken im Netz alle etablierten Reiseveranstalter den Buchungsportalen hinterher. Im Wettstreit von TUI, Neckermann und ITS gilt schon der als erfolgreich, der einen höheren einstelligen Prozentsatz seiner Reisen über eigene Online-Kanäle absetzen kann. Im Netz ist eine Rollenverteilung entstanden, wie sie auch in deutschen Städten besteht. Reiseveranstalter und Reiseverkäufer sind oft verschiedene Personen. Wer in der Stadt nach seinem Urlaub sucht, geht in ein Reisebüro, von denen nur ein Teil den Tourismuskonzernen gehört. Wer online nach Ferien fahndet, bucht auf Portalen. Alle Versuche, daran etwas zu ändern, schlugen bislang fehl.

          Amazon hat es nahezu perfektioniert

          Stattdessen ist man in den Konzernen dazu übergegangen, die Verteilung der Kundenströme zu rechtfertigen: Portalbetreibern für vermittelte Reisen Provisionen zu zahlen sei günstiger, als in Werbung und Suchmaschinenoptimierung für eigene Internetseiten zu investieren. „Expedia war der erste Anbieter, der Reisen ins Internet gebracht hat“, erklärt Nau stolz. „Aber das ist schon 18 Jahre her“, fügt er an. Und das klingt so, als ob eine Veränderung überfällig sei. Und bei der nächsten Revolution in der Internet-Urlaubswelt stehen Daten im Mittelpunkt.

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