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Aixtron-Übernahme blockiert : Die Chinesen werden nochmal aufgehalten

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Die Aixtron-Zentrale in Herzogenrath: Für 676 Millionen Euro will ein chinesischer Investor den Chip-Anlagenbauer kaufen. Bild: dpa

Ein chinesischer Investor möchte den Anlagenbauer Aixtron kaufen. Nachdem die Aktionäre das Angebot angenommen hatten, stellt sich das Wirtschaftsministerium quer. Dabei war die Transaktion schon genehmigt.

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          Das Bundeswirtschaftsministerium prüft das Übernahmeangebot des chinesischen Investmentfonds Fujian Grand Chip Investment (FGC) für den angeschlagenen Chip-Anlagenbauer Aixtron abermals. Nachdem die Behörde am 8. September eigentlich schon eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt hatte, widerrief sie diese am vergangenen Freitagabend.

          Der Zeitpunkt ist pikant. Denn die Frist zur Annahme des Angebots war am Freitag zu Ende gegangen. Damit wäre die Transaktion zustande gekommen, weil rund 60 Prozent der  Anteilsscheine dem Käufer angedient worden waren.

          Es hat den Anschein, dass das Ministerium gehofft hatte, die Aktionäre würden das Angebot ablehnen. Der Investmentfonds des Geschäftsmanns Zhendong Liu hatte die Mindestannahmeschwelle eigens auf 50,1 von 60 Prozent gesenkt und die Annahmefrist bis eben zum Freitag verlängert.

          Aixtron-Chef Martin Goetzeler hatte zuvor längere Zeit nach einem zahlungskräftigen Investor Auschau gehalten, da er mit dessen Hilfe den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs bringen wollte. Mit FGC glaubt er, den Retter gefunden zu haben. Er verspricht sich einen besseren Zugang zum chinesischen Markt und das nötige Kapital für Forschung und Entwicklung. Die Chinesen versicherten zudem, Aixtron operativ unangetastet zu lassen.

          Dagegen hatten auf der Hauptversammlung im Frühjahr viele Aktionäre gegen die Übernahmepläne gewettert. Sie fürchteten den Abfluss von Know-how und hielten das Angebot von 6 Euro pro Aktie für zu niedrig.

          Diese 6 Euro liegen weit unter dem Durchschnittskurs der Aktie von 14,64 Euro über die vergangenen 18 Jahre. Selbst wenn man davon absieht, dass die Aixtron-Aktie zu Zeiten des Neuen Marktes mehr als 80 Euro gekostet hatte, liegt der Durchschnittskurs noch bei mehr als 9 Euro für die vergangenen 14 Jahre.

          Der Kurs der Aixtron-Aktie war zum jüngsten Jahreswechsel um fast 60 Prozent gefallen, nachdem der chinesische Kunde San'an Optoelectronics einen Großauftrag zusammengestrichen hatte. San'an finanziert indirekt auch das Übernahmeangebot mit, wie Liu kürzlich eingeräumt hatte.

          Relativiert wird die Konstruktion einer „chinesischen Verschwörung“ allerdings dadurch, dass der Aixtron-Kurs vor dem Einbruch mit 6,929 Euro gerade einmal 15 Prozent über dem Angebotskurs gelegen hatte. Das Übernahmeangebot erfolgte, als der Aixtron-Kurs bei rund vier Euro lag.

          Zudem hatte San'an die Aufträge nich einseitig gestrichen. Vielmehr hatte man sich auf eine Reduzierung des Volumens von 50 auf drei Anlagen geeinigt, weil „trotz beidseitiger Anstrengungen die spezifischen Qualifikationsanforderungen des Kunden nicht erreicht werden konnten“.

          Das Vorgehen des Ministeriums sei vollkommen unerwartet und eine böse Überraschung, sagte Harald Schnitzer, Analyst bei der DZ Bank.

          Während es in Deutschland möglicherweise populär ist, die Kaufabsichten chinesischer Investoren zu blockieren, sendet das Ministerium damit einige negative Signale aus. Zum einen an Investoren aus China, aber auch aus allen anderen Teilen der Welt. Denn das Übernahmeangebot wurde im Mai vorgelegt und im September für unbedenklich erklärt. Was hat sich seitdem so verändert, dass die Bescheinigung widerrufen werden musste?

          Das war einzig die Senkung der Mindestannahmeschwelle und die Verlängerung der Frist. Dies ist ein völlig normaler Vorgang, außerdem haben sich 65 Prozent der Aktionäre für die Annahme entschieden, so dass die Senkung gar nicht die Voraussetzung für die Annahme war.

          Offenbar hat man es sich im Ministerium schlicht anders überlegt. Zusammen mit dem unglücklichen Agieren des Ministers in der Causa Edeka/Tengelmann ergibt sich das Bild eines Minsiteriums, das versucht in einzelne Prozesse des Wirtschaftslebens nach Gutdünken hineinzuregieren. Das dürfte Investoren abschrecken - aus China, aber auch aus Amerika, Europa und auch Deutschland. Denn als Verlässlichkeit und vor allem das Halten an Normen und eigene Entscheidungen kann das Agieren des Ministeriums nicht verstanden werden.

          Nach Aussage von Aixtron gehe es um die Prüfung, ob The company said the review would determine whether the deal “could disturb public order” in Germany. It referred all further questions to the Economics Ministry, which could not be reached for comment.

          The decision is part of a protectionist backlash in Germany against Chinese investment in the country, particularly after Midea, a Chinese appliance maker, bought German robot-maker Kuka, one of the country’s most innovative engineering companies, earlier this year for €4.5bn.

          Zum anderen verärgert das Ministerium damit auch Kleinaktionäre, die das Angebot angenommen haben und sich damit entschieden haben, ihre Aktien für 6 Euro zu verkaufen. Hätte das Ministerium am 6. September schon die Bescheinigung verweigert, hätten die Aktionäre sich danach noch richten können.

          Jetzt sind sie gekniffen. Denn in ihren Händen befinden sich sogenannte Umtauschaktien

          FGC bietet über das Vehikel Grand Chip Investment insgesamt etwa 676 Millionen Euro für das 1983 aus der Aachener Hochschule RWTH hervorgegangene Unternehmen mit seinen rund 750 Mitarbeitern. Aixtron produziert Chipanlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED), die in der Unterhaltungselektronik, Autoindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen. Zahlreiche Aixtron-Aktionäre hatten auf der Hauptversammlung im Frühjahr gegen die Übernahmepläne gewettert. Sie fürchten den Abfluss von Know-how und hielten das Angebot für zu niedrig.

          AIXTRON

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