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Wirtschaftskrise : Die Sühne der Banken

  • -Aktualisiert am

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank Bild: Wresch, Jonas

Wer behauptet, die Banker seien ungeschoren durch die Krise gekommen, irrt: Weit mehr als 100 Milliarden Dollar Buße haben sie gezahlt. Viele Chefs sind nicht mehr da. Und noch längst ist nicht alles ausgestanden.

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          Ein Satz hat sich in der Finanzkrise zur Gewissheit manifestiert: „Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert.“ Auf diese Erkenntnis hat sich die Gesellschaft, von links bis rechts, geeinigt: Die Banker, die uns das Schlamassel eingebrockt haben, haben erst fette Boni eingesteckt und dann die Welt mit ihrer Gier gegen die Wand gefahren. Gebüßt haben die anderen - im Zweifel die Steuerzahler, so geht die Erzählung weiter, die seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers die bestimmende war: Die Banker kommen ungeschoren davon.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer für den Schaden aufkommt, das sind die 99 Prozent, so klang es, zu seligen Occupy-Zeiten, auf den Straßen New Yorks. Oder ins Deutsche übertragen: „Wir zahlen nicht für Eure Krise“, wie die Attac-Aktivisten seinerzeit im Frankfurter Bankenviertel protestiert haben. Ein paar Milliardenklagen und Gerichtsprozesse später zeigt sich: Der Steuerzahler ist nicht der einzige, der blutet, auch wenn der Rettungseinsatz zugegebenermaßen teuer war und ist; eindeutige Zahlen gibt es erst, wenn alle „Bad Bank“ genannten Müllhalden aufgeräumt sind.

          Die Annahme jedoch, die Banker kämen billig davon, war voreilig, die Geschichte von der ungesühnten Gier eine Mär. Wohl wahr: Keiner der Topbanker wurde vom Mob gehängt, gottlob. Keiner der großen Bosse landete hinter Gittern, allenfalls niedere Ränge, einzelne Hallodris in den Handelssälen, denen eindeutige Gaunereien nachzuweisen waren. Zur Sühne für unternehmerische Fehlentscheidungen oder missglückte Spekulationen taugt das Strafrecht nur bedingt.

          Der Ruf der Banker ist ruiniert

          Teuer wird die Sache für die Finanzkonzerne in jedem Fall: Schon jetzt haben allein die Banken in Amerika mehr als 100 Milliarden Dollar ausgegeben für das, was sie in den Jahren bis 2008 angerichtet haben; aufgebrummte Strafen oder Geld, um sich gegenüber der Justiz freizukaufen. Schadensersatz für geprellte Kunden, dazu immense Honorare für Anwälte. Das tut richtig weh. Und damit ist noch lange nicht Schluss: Die Summen werden mit jedem Tag höher, übersteige alles, was die Eigner der Banken, also die Aktionäre, an Dividende zuletzt zu sehen bekamen.

          Allein die Bank of America hat mehr als 50 Milliarden Dollar für die Vergangenheitsbewältigung bezahlt, JP Morgan 13 Milliarden Dollar – kein Konzern hat sich je teurer mit den Behörden verglichen. Dagegen wirken die vier Milliarden Euro, mit denen die Deutsche Bank momentan an Schaden aus Rechtsstreitigkeiten rechnet, geradezu niedlich. Die Liste der Vergehen ist lang: Ramsch-Hypotheken in Amerika, der Libor-Skandal in London, Manipulation der Devisenkurse, Steuerhinterziehung.

          Die finanzielle Vergeltung freilich ist nur ein Teil der Strafe für die Banker: Ihr Ruf ist fürs erste ruiniert. Genommen wurde ihnen die Ehre, so klagen die Wehleidigen unter ihnen, wenn wieder mal ein Investmentbanker die Mitgliedskarte im Golf-Club abgibt, aus dem Gefühl heraus, verstoßen zu werden von den Kumpels jenseits des Finanzdistrikts. Existenzieller sind die Sorgen jener aus dem Fußvolk, die zu Tausenden ihre Stellen verloren haben: Banken schrumpfen Bilanz wie Belegschaft, auch dies eine Folge der Krise.

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