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Arbeitsmarkt : Wirtschaft dämpft Erwartungen an Integration von Flüchtlingen

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Syrische Flüchtlinge lernen Deutsch: Die Sprache ist eines der wichtigsten Kriterien für den Eintritt in den Arbeitsmarkt. Bild: ZB

Deutsche Arbeitskräfte sind sehr gut ausgebildet, das können die Zuwanderer nicht einfach kopieren. Auch die Sprache ist ein Problem. Einige Hoffnungen werden sich wohl als Illusion erweisen.

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          Die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt ist nach Ansicht von Bayer-Chef Marijn Dekkers eine langwierige Aufgabe. Es werde „sehr viel Zeit und Mühe kosten, die Flüchtlinge auf das Niveau zu bringen, das man in Deutschland als Arbeitnehmer mitbringen muss, um eine Beschäftigung zu finden“, sagte Dekkers der „Welt am Sonntag“. Der Staat werde das über Jahre hinweg subventionieren müssen.

          Man dürfe sich keinen Illusionen hingeben. „Bis die große Mehrheit der Asylsuchenden wirklich unabhängig von staatlicher Hilfe sein wird und ihr eigenes Einkommen verdient, werden mindestens 15 Jahre vergehen“, sagte der Chef des Chemie- und Pharmakonzerns. Die deutschen Arbeitskräfte seien extrem gut ausgebildet. Das lasse sich nicht so leicht kopieren. Die Sprache sei ein zusätzliches Problem.

          Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie dämpft allzu große Erwartungen. „Wer Qualifikationen mitbringt, hat bei uns gute Chancen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Heiko Stiepelmann dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Die Branche halte vor allem Ausschau nach Facharbeitern. Diese hätten eine dreijährige Ausbildung absolviert und sich für bestimmte Baubereiche spezialisiert. „Wir haben ein hohes Anspruchsniveau“, betonte Stiepelmann. „Wer keine Ausbildung zum Facharbeiter gemacht hat, ist bei uns am Bau praktisch nicht einsetzbar.“

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          Einige Hoffnungen werden sich als Illusion erweisen

          Nach Ansicht von Bayer-Chef Dekkers werde die Versorgung der vielen Asylsuchenden zunächst für wirtschaftliche Impulse sorgen. „Die Menschen müssen essen, sie benötigen Kleidung, sie müssen ihren Alltag gestalten.“ Die Flüchtlinge könnten die Konjunktur kurzfristig beleben. Der Chefökonom der Deutschen Bank sieht eine Chance für das alternde Deutschland. Denn hierzulande würden die Arbeitskräfte knapp, die wirtschaftliche Dynamik drohe zu erodieren, betonte David Folkerts-Landau in einer Analyse.

          Allerdings ist auch unter Ökonomen umstritten, ob die Menschen, die derzeit vor allem aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak nach Deutschland kommen, angesichts der oft geringen Bildung hierzulande überhaupt eine Chance auf Beschäftigung haben. „Hoffnungen, die aktuelle Flüchtlingswelle könnte die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Problems in Deutschland nennenswert lösen, werden sich wohl als Illusion erweisen“, betont etwa Ökonom Jörn Quitzau vom Bankhaus Berenberg.

          Zudem kommen auf Deutschland enorme Kosten zu. Die Commerzbank schätzt die direkten zusätzlichen Aufwendungen des Staates etwa für Ernährung, Unterkunft, Heizung oder Kleidung der Flüchtlinge auf rund 7 Milliarden Euro im laufenden und 17 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Hinzu kämen Aufwendungen etwa für zusätzliche Stellen für Lehrer, Erzieher oder Sozialarbeiter.

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