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Wirecard-Skandal : Insolvenzverwalter: Konzern wurde leergeräumt

  • Aktualisiert am

Der Begriff „Milliardenhöhe“ ist mit Betrugsgeschichten bislang zumindest hierzulande selten gewesen. Bild: EPA

Der Insolvenzverwalter von Wirecard erhebt schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management des Konzerns. Mit dem Teilverkauf in dieser Woche kommt aber ein wenig Geld in die Kassen, um den Skandal mit Unterstützung von Anwälten aufzuklären.

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          Der Insolvenzverwalter des Zahlungsdienstleisters Wirecard hat schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management erhoben. Der Konzern sei „in den Monaten vor der Insolvenz leergeräumt worden“, heißt es in einem Schreiben von Michael Jaffé an die Belegschaft von Wirecard, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ am Samstag zitierte. Das sei als systematisches Beiseiteschaffen von Geld zu verstehen.

          Obwohl in dem Schreiben keine konkreten Namen genannt werden, deute dies auf schwere Vergehen des ehemaligen Vorstands Jan Marsalek und dessen Umfeld hin. Dieser war untergetaucht, nachdem die Turbulenzen im ehemaligen Dax-Konzern überhandgenommen hatten. Zuvor waren von Ende 2019 bis zur Insolvenz im Sommer 2020 verdächtige Geldflüsse sichtbar geworden. Geschäftspartnern in Asien waren Kredite von mehr als einer halben Milliarde Euro gewährt worden.

          In dem Rundschreiben klärt der Insolvenzverwalter laut dem Bericht die Belegschaft darüber auf, dass noch im November entschieden werden soll, an welchen Interessenten das Kerngeschäft von Wirecard verkauft werden soll. Die Angebote einer Bank und eines Mobilfunkunternehmens seien nun analysiert worden. Durch den Teilverkauf von Wirecard North America in dieser Woche gebe es nun wieder etwas Liquidität im zuvor „leergeräumten“ Konzern. Das könne es auch erleichtern, mit Hilfe von Rechtsanwälten die kriminellen Geschäfte aufzuklären.

          Ein Kaufpreis von mehr als 300 Millionen Euro gilt als wahrscheinlich, wurde aber nicht bestätigt, Angaben zum Kaufpreis machte Jaffé nicht. Es wurde aber früher schon einmal eine Preisspanne von 300 bis 400 Millionen Euro kolportiert. Das würde nicht einmal ein Zehntel der Schulden von 3,2 Milliarden Euro ausmachen, die Wirecard bei Banken und Investoren mutmaßlich unter Vortäuschung falscher Tatsachen als Kredite erschlichen haben soll.

          Dass bei Wirecard Kriminalität, sogar bandenmäßiger Betrug im Spiel war, hat kürzlich auch das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellt. Der Schwere des Falls sind alle bisherigen Schlussfolgerungen daraus nach seiner Ansicht nicht gerecht geworden. „Wer einen neuen Fall Wirecard vermeiden oder zumindest so schwer wie möglich machen will, der muss in der Kette von der Erstellung des Jahresabschlusses über seine Prüfung und die Prüferaufsicht bis hin zur Strafverfolgung im Falle krimineller Energie an vielen Stellen nachsteuern“, zeigte sich Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des IDW, überzeugt.

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