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Kriminalfall Wirecard : Eine Schande, auch für die Aufpasser

Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bild: dpa

Der Kriminalfall Wirecard zeigt, dass auch die internen Steuerungs- und Warnmodelle der Prüfer neu justiert werden müssen. Auch und gerade bei der Aufsicht Bafin.

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          Felix Hufeld ist kein Leisetreter. Dass der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungaufsicht (Bafin) nicht an Kritik für das eigene Behördenversagen im Fall Wirecard spart, ehrt ihn durchaus. Viele Alternativen dazu hätte es allerdings auch nicht gegeben. Ausflüchte oder Wegschieben von Verantwortung hätten den Schaden für die Aufseher nur noch größer gemacht und die Glaubwürdigkeit noch nachhaltiger beschädigt.

          Die Bafin spielt im Drama Wirecard eine wesentliche Rolle. Ihre Stimme hat Gewicht. Wann immer die Bafin tätig wird, ist jedem klar: Die Sache ist ernst. Dass die Behörde im Fall Wirecard nur halbherzig handelte, hat mit dazu beigetragen, was Hufeld nun als „Schande“ und als die „entsetzlichste Situation“ bezeichnet, die er jemals in einem Dax-Konzern gesehen habe.

          Das soll was heißen. Deutsche Bank oder Volkswagen, es ist ja nicht so, dass Dax-Konzerne traditionell mit weißen Westen herumliefen. Sich schon jetzt auf diese Einschätzung der „entsetzlichsten Situation“ festzulegen, verleiht der Dramatik der Ereignisse Nachdruck. Diese Entschlossenheit hätte man sich von der Bonner Behörde aber eher gewünscht. Der Schaden, den die Nachlässigkeiten begünstigt haben, ist immens und in seinem vollem Ausmaß noch gar nicht absehbar.

          Fragen sind ein guter Anfang

          Vielleicht ist die Luftnummer der 1,9 Milliarden Euro nur der Anfang. Inzwischen steht alles von Wirecard in Zweifel. Die Verästelungen des Geschäftsmodells, das auch technisch nur von wenigen durchdrungen werden dürfte, hat den mutmaßlichen Betrug erleichtert. Institutionelle Investoren, Kleinanleger, Prüfer, Aufseher, wer hat eigentlich wirklich verstanden, was Wirecard da treibt? Alle haben sich offenbar anstecken lassen, von diesem Silicon-Valley-Flair aus dem bayerischen Aschheim, das dem Fintech-Zwerg Deutschland wenigstens etwas Größe verlieh.

          Neben der Aufarbeitung des Kriminalfalls Wirecard muss es auch darum gehen, die internen Steuerungs- und Warnmodelle zu überprüfen und neu zu justieren. Auch und gerade bei der Bafin.

          Warren Buffett, die Investmentlegende aus Omaha, investiert in nichts, was er nicht versteht. Das schützt ihn nicht vor Betrug. Aber Fragen zu stellen, ist stets ein guter Anfang.

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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