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Wirecard-Bilanzskandal : Die Spur führt nach Asien

Die Skyline in Singapur Bild: Reuters

Während bei Wirecard in München die Köpfe rollen, führt die Suche nach den vermissten Milliarden nach Singapur und auf die Philippinen. Im Zentrum steht ein Treuhänder mit nebulösem Auftritt.

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          Am Freitagnachmittag öffnet hier niemand mehr die Tür. Das Büro im achten Stock des Peninsula Plaza am Rande des Finanzdistrikts der Millionärsmetropole Singapur verbirgt sich hinter verspiegelten Scheiben, die Tür ist über einen Code mit Gegensprechanlage gesichert. „Hier müssen Sie sich einen Termin holen, um jemanden zu treffen“, sagt die Empfangsdame eines Nachbarbüros. Nicht einmal auf der Tafel mit dem Firmenverzeichnis neben dem Pförtner im Erdgeschoss ist „Citadelle Corporate Services“ vermerkt. „Ich habe Sie aber in meinem Telefonverzeichnis“, sagt der Uniformierte hinter seinem Empfangstisch.

          Antonia Mannweiler
          Redakteurin in der Wirtschaft.
          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Citadelle steht im Fokus des Wirecard-Skandals. Denn das Unternehmen war der Treuhänder, der die im Zentrum stehenden Konten betreut hat. In der Folge der Untersuchungen kündigte er seinen Vertrag und verweigerte jedwede Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern von KPMG. Doch genau um diese Konten geht es. In einer Video-Stellungnahme, die der inzwischen zurückgetretene Wirecard-Chef Markus Braun in der Nacht zum Freitag veröffentlichte, um sich zu den in der Bilanz fehlenden 1,9 Milliarden Euro zu äußern, sprach Braun von zwei asiatischen Banken, auf denen sich das Geld eigentlich befinden solle. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY wollte der Bilanz des Zahlungsdienstleisters am Donnerstag kein Testat ausstellen, da nicht geklärt werden konnte, ob die Gelder wirklich existieren. Die 1,9 Milliarden Euro stehen laut Wirecard für rund ein Viertel der Bilanzsumme.

          Unterschriften passen nicht

          Dass sich die Gelder auf den asiatischen Treuhandkonten befinden, könnte sich jedoch als Luftbuchung herausstellen. Denn die beiden Banken, um die es sich maßgeblich handelt, die philippinischen Großbanken BDO Unibank (BDO) und die Bank of the Philippine Islands (BPI), haben beide dementiert, Geschäftsbeziehungen zu Wirecard zu halten. Der Chef der BDO Unibank, Nestor Tan, hat in einer Handy-Nachricht bestätigt, dass es sich bei einer der von Braun nicht explizit genannten Bank um die BDO Unibank handele, das größte Kreditinstitut in dem südostasiatischen Land. Darüber hatte das Finanzportal Bloomberg zuerst berichtet.

          Die verschlossene Bürotür des Wirecard-Treuhänders in einem Hochhauskomplex in Singapur
          Die verschlossene Bürotür des Wirecard-Treuhänders in einem Hochhauskomplex in Singapur : Bild: Sabine Hein

          Gleichzeitig schrieb er aber auch, dass die Bank keinerlei Beziehung zu dem deutschen Unternehmen führe. „Wirecard ist nicht einmal ein Konteninhaber“, so der BDO-Chef Tan weiter. Laut der Nachricht des Bankenchefs solle ein „krimineller“ Angestellter der Bank Dokumente und Unterschriften des Bankmanagements gefälscht haben. Um welchen Angestellten oder welche Angestellte es sich dabei konkret handele, wurde dabei nicht mitgeteilt. Man habe den Fall Wirecard an die philippinische Zentralbank, die Bangko Sentral ng Pilipinas, weitergeleitet. Auch die Bank of the Philippines (BPI) erklärte in einer Mitteilung, dass Wirecard kein Kunde der Bank sei und man die Umstände untersuche.

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