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Insolventer Zahlungsabwickler : Wirecard-Beschäftigte sollen erstmals Betriebsrat bekommen

  • Aktualisiert am

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München Bild: Reuters

Aus Sorge um ihre Arbeitsplätze wollen Wirecard-Mitarbeiter in drei Tochtergesellschaften des Skandal-Unternehmens Betriebsräte gründen. Sie könnten dann im Fall einer Schließungen mit dem Management Sozialpläne aushandeln.

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          Teile des insolventen Finanzdienstleisters Wirecard sollen nach dem mutmaßlichen Milliardenbetrug erstmals einen Betriebsrat erhalten. Die Beschäftigten von insgesamt drei Wirecard-Gesellschaften wollen dafür Mitte des Monats Betriebsratswahlen einläuten, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Donnerstag mitteilte. Zunächst sollen Wahlversammlungen stattfinden, auf denen dann ein Wahlvorstand gewählt wird. Dieser soll dann laut Verdi „möglichst schnell“ Betriebsratswahlen abhalten.

          Es geht laut Verdi um die Tochtergesellschaften Wirecard Bank, Wirecard Service Technologies und Wirecard Acceptance Technologies. „Wir haben die Unternehmensleitungen aufgefordert, die Beschäftigten umgehend zu Wahlversammlungen einzuladen“, erklärte die für das Unternehmen im bayerischen Aschheim zuständige Gewerkschaftssekretärin Tina Scholze.

          Die Wahl zum Betriebsrat sei so lange möglich, wie das insolvente Unternehmen bestehe. Der Betriebsrat könne dann im Verlauf möglicher Betriebsschließungen Sozialpläne aufstellen und die Interessen der Beschäftigten vertreten, erläuterte Scholze. Bislang gibt es bei keiner der Wirecard-Gesellschaften einen Betriebsrat - anders als bei den meisten anderen Dax-Konzernen.

          Wirecard hatte im Juni Insolvenz angemeldet, nachdem in der Bilanz ein Loch von 1,9 Milliarden Euro aufgetaucht war. Den inzwischen entlassenen Vorständen des Zahlungsabwicklers aus der Nähe von München wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Der frühere Chef Markus Braun sitzt in Haft, Vorstandsmitglied Jan Marsalek ist auf der Flucht. Der Insolvenzverwalter bemüht sich nun darum, Teile des Konzerns zu verkaufen.

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          Die französische Bank Credit Agricole will sich derweil eine mit Wirecard gemeinsam entwickelte Zahlungstechnologie zurückholen. „Wir wollen uns zumindest das sichern, was von uns selbst entwickelt wurde“, sagte Bankchef Philippe Brassac am Donnerstag. Im vergangenen Jahr hatte Credit Agricole mit Wirecard eine strategische Partnerschaft bei der Abwicklung von Internetzahlungen verkündet.

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