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Wirecard beantragt Involvenz : Das Desaster von Aschheim

Die Zentrale von Wirecard in Aschheim Bild: dpa

Mit dem Fall Wirecard geht auch ein dramatischer Vertrauensverlust einher. Das dürfte Folgen haben: für den Standort Deutschland und die deutsche Aktienkultur.

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          Dieser Donnerstag wird als ein rabenschwarzer in die Geschichte der deutschen Wirtschaft eingehen. Am Vormittag musste erstmals ein Mitglied der im elitären Leitindex Dax geführten Konzerne Insolvenz beantragen, der Zahlungsdienstleister Wirecard. Bis zum Einlenken des Großaktionärs Heinz Hermann Thiele am Vorabend stand ein solches Schicksal auch noch für die traditionsreiche Lufthansa im Raum. Man mag sich die Signalwirkung einer solchen Doppelpleite gar nicht ausmalen. Doch allein der Bilanzskandal des einstigen Börsenstars aus dem Münchner Vorort Aschheim richtet am Standort Deutschland einen Flurschaden an, dessen Ausmaße zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollends abzusehen sind.

          Wirecard – das war bis vor kurzem noch ein Versprechen auf die Zukunft; darauf, dass innovative Digitalkonzerne nicht nur in Kalifornien und an Chinas Ostküsten gedeihen können, sondern auch im Alpenvorland. Nun ist der ehemalige Vorstandschef nur gegen Kaution noch auf freiem Fuß, eine andere Schlüsselfigur im Rätsel um fehlende 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz untergetaucht, der Börsenwert größtenteils vernichtet. Die Regie führt künftig der Insolvenzverwalter.

          WIRECARD

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          Eigentlich gilt der Satz, dass die Insolvenz nicht automatisch das Ende bedeutet. Im Fall Wirecard gilt dies jedoch nicht. Denn mit dem angerichteten materiellen Schaden, dessen Aufarbeitung die Gerichte noch lange beschäftigen dürfte, geht auch ein dramatischer Vertrauensverlust einher. Der Name Wirecard steht künftig als Synonym für Lug und Betrug, für undurchsichtiges Geschäftsgebaren und ein Versagen sämtlicher Prüf- und Aufsichtsinstanzen.

          Die Kunden wenden sich längst anderen Anbietern zu; ganz zu schweigen von den möglichen Folgen für die deutsche Aktienkultur: Wenn unzählige Kleinanleger nun Schiffbruch erleiden, droht ein neuer Telekom-Moment. Das Wirecard-Debakel kennt fast nur Verlierer. Als Nachfolger im Dax ist nun Delivery Hero im Gespräch. Welche ernüchternde Symbolik! Ausgerechnet ein internetbasierter Essenslieferant steht für Deutschlands Zukunft.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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