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Bilanzskandal : Wirecard-Aktienkurs steigt zeitweise um mehr als 200 Prozent

  • Aktualisiert am

Am Donnerstag beantragte der Dax-Konzern Wirecard Insolvenz Bild: Reuters

Die Hoffnung auf Käufer lässt den Aktienkurs des Zahlungsabwicklers Wirecard in die  Höhe schnellen. Unterdessen taucht der ehemalige Vorstand Marsalek offenbar ab.

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          Der Aktienkurs des um sein Überleben kämpfenden deutschen Zahlungsabwicklers Wirecard ist zu Wochenbeginn dramatisch gestiegen: Die Anteile an dem Unternehmen verteuerten sich im frühen Handel um bis zu 216 Prozent – etwas später halbierte sich dieser Zuwachs wieder und pendelte sich bei einem Kursplus von ungefähr 110 Prozent ein.

          Hinter dem bislang größten Kurssprung eines Dax-Wertes in einem solchen Zeittraum überhaupt stecken offenbar Spekulationen, Käufer könnten zumindest an Teilen des in Not geratenen Unternehmens interessiert sein. Wie die F.A.Z. in der vergangenen Woche berichtete, haben sowohl Finanzinvestoren als auch der Konkurrent Worldline Interesse.

          Der langjährige Vorstand des in einen Bilanzskandal verstrickten Finanzdienstleisters Wirecard, Jan Marsalek, wird sich derweil Medienberichten zufolge doch nicht der Justiz stellen. Das meldeten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR unter Berufung auf Kreise der Prozessbeteiligten. Marsalek hatte über seinen Anwalt in der vergangenen Woche zunächst erklären lassen, er werde nach München kommen, um sich dort vernehmen zu lassen. Dies soll demnach nun nicht stattfinden.

          Wo ist Marsalek?

          Weder die Staatsanwaltschaft München noch sein Verteidiger äußerten sich demnach zunächst zu dem Bericht. Angeblich könnte sich der Österreicher Marsalek derzeit in China aufhalten. Der philippinische Justizminister Menardo Guevarra teilte mit, Marsalek sei vergangene Woche in die Philippinen eingereist und habe das Land kurz darauf in Richtung China wieder verlassen.

          Die philippinische Anti-Geldwäsche-Behörde AMLC will zudem möglichst rasch für Aufklärung sorgen. Man werde eine „schnelle und gründliche“ Untersuchung starten, um weitere involvierte Gesellschaften und Personen zu finden, sagte Mel Georgie Racela vom AMLC. Genau ansehen werde sich die Behörde vor allem drei Unternehmen, die im Zusammenhang mit dem deutschen Zahlungsabwickler stünden – Centurion Online Payment International, PayEasy Solutions und ConePay International.

          Von den Firmen war keine Stellungnahme zu erhalten. PayEasy antwortete nicht auf Emails, Telefone waren abgeschaltet. Die Telefonnummer von Centurion war außer Betrieb. Auch ConePay war für einen Kommentar nicht erreichbar, da Kontaktdaten auf der Internetseite fehlten und ein sonst in der Branche üblicher Jahresbericht bei der Regulierungsbehörde nicht verfügbar war. Der philippinische Zentralbankchef Benjamin Diokno, der der Geldwäschebehörde vorsteht, wollte sich nicht dazu äußern, welche Firmen und Personen noch untersucht würden.

          WIRECARD

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          Wirecad hatte vergangene Woche eingeräumt, dass ein bilanziertes Vermögen von 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien gar nicht existiert. Am Donnerstag beantragte der Dax-Konzern Insolvenz. Die philippinische Zentralbank hatte erklärt, dass kein Geld von Wirecard in das Finanzsystem des Landes gelangt sei.

          Der von Wirecard offenbar als Treuhänder eingesetzte philippinische Anwalt Mark Tolentino wies eine Verantwortung für die Pleite von Wirecard von sich. Er habe sechs Bankkonten für eine in Singapur ansässige Firma eröffnet, aber bis zum Bekanntwerden des Skandals nicht gewusst, dass sie für Wirecard waren, sagte er in einem Telefoninterview. Auf den Konten sei nie mehr als ein paar hundert Euro gewesen. „Jeder zeigt mit dem Finger auf mich, und stellt mich als Dieb des fehlenden Geldes dar“, sagte er. „Ich möchte meinen Namen reinwaschen. Ich bin ein Opfer von Identitätsdiebstahl und gefälschten Nachrichten.“

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