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Dax-Konzern : Wirecard-Aktie stürzt nach angeblicher Bilanzfälschung ab

Wirecard-Chef Markus Braun in München Bild: EPA

Nach der Veröffentlichung eines Berichts sank der Unternehmenswert auf einen Schlag um fast 4 Milliarden Euro. Der Dienstleister weist die Vorwürfe zurück.

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          In der Dauerfehde zwischen dem Dax-Konzern Wirecard und der „Financial Times“ (FT) hat die britische Wirtschaftszeitung nachgelegt. Am Dienstag veröffentlichte sie einen weiteren Artikel über angeblich dubiose  Geschäftspraktiken bei dem Münchner Zahlungsdienstleister. Im frühen Handel verlor die Wirecard-Aktie daraufhin an der Börse auf einen Schlag fast 4 Milliarden Euro an Wert. In der Spitze brach der Aktienkurs um 23 Prozent auf 107,80 Euro ein und erholte sich im weiteren Verlauf – trotz eines Dementis des Unternehmens – nur langsam.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          In dem Bericht der „FT“ heißt es, dass interne Wirecard-Dokumente auf überhöhte Umsätze in Dubai und Irland hindeuteten. Umsatz und Gewinn dieser Wirecard-Gesellschaften könnten aufgebläht sein, womöglich seien die eigenen Wirtschaftsprüfer hinters Licht geführt worden. Dabei berief sich die Zeitung auf interne Dokumente und Schriftwechsel ranghoher Manager der Wirecard-Finanzabteilung, die sie von einem Whistleblower zugespielt bekommen habe. Wirecard wies die Vorwürfe zurück. Eine Unternehmenssprecherin bezeichnete den Artikel als „falsch und verleumderisch“. Alle Zahlen des Konzerns seien im Rahmen des Konzernabschlusses geprüft worden.

          WIRECARD

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          Strafverfolger ermitteln gegen „FT“-Journalisten

          Die „FT“ hat Wirecard seit Beginn dieses Jahres mehrfach solcher Machenschaften bezichtigt und damit immer wieder Kursstürze der Aktie ausgelöst. In den Streit mischte sich schließlich auch die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) ein, weil sie nach eigenen Recherchen einen Zusammenhang in der Berichterstattung der „FT“ und den Kursturbulenzen der Wirecard-Aktie sah. Wegen des „Verdachts der Marktmanipulation in Form einer Short-Attacke in Aktien der Wirecard AG“ erstattete die Bafin Anzeige bei der Münchner Staatsanwaltschaft.

          Die Strafverfolger ermitteln ohnedies seit einigen Monaten gegen den „FT“-Journalisten Dan McCrum „wegen Vergehens nach dem Wertpapierhandelsgesetz“. McCrum, Kopf des „FT“-Blogs „Alphaville“, veröffentlicht schon seit Jahren kritische Artikel über Wirecard. Aber erst eine Reihe von Berichten über Unregelmäßigkeiten bei einer Wirecard-Gesellschaft in Singapur, beginnend am 30. Januar dieses Jahres, setzte dem Dax-Konzern erheblich zu und sorgte für Kursverluste von mehr als 8 Milliarden Euro.

          Die Bafin vermutet, dass Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten, bereits vor dem Erscheinen der „FT“-Artikel sogenannte Leerverkaufspositionen aufgebaut haben könnten. Den Münchner Strafverfolgern liegt dazu die Aussage eines Leerverkäufers vor, der zugegeben haben soll, vorab über die „FT“-Artikel informiert worden zu sein. Die „FT“ wies derartige Vorwürfe und Unterstellungen zurück und beauftragte eine Anwaltskanzlei, die kürzlich feststellte, dass es keine Zusammenarbeit zwischen Redakteuren und Shortseller gegeben haben soll.

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