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wir-zusammen.de : Unternehmen gründen Flüchtlingsinitiative

Screenshot der Seite im Internet Bild: Dirk Zimmer

Das Motto „Wir zusammen“ soll weitere Unterstützer locken. Aber noch bleiben viele Versprechen kümmerlich.

          3 Min.

          Die Aktion macht Eindruck, hatte aber technische Anlaufschwierigkeiten: 36 große deutsche Unternehmen haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, um die Integration der Zuwanderer voranzutreiben. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Ralph Dommermuth, dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden des deutschen Internetkonzerns United Internet AG, der vor allem für die Marke 1&1 steht.

          Der allerdings konnte nicht verhindern, dass die beauftragte Internetagentur nicht in der Lage war, die zugehörige Website pünktlich am Mittwoch um 12 Uhr freizuschalten. Wie es heißt, sei man dem Ansturm der Besucher im Netz nicht gewachsen gewesen. Erst gut drei Stunden später war es jedermann möglich, die Website vollständig zu benutzen. Das ist wichtig, denn der Internetauftritt ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts.

          Wer „wir-zusammen.de“ besucht, soll und kann Teil der Aktion werden, weitere Unterstützer und Partner sind ausdrücklich willkommen. Man wolle Unternehmen und ihre Belegschaften inspirieren, ebenfalls Integrationsprojekte ins Leben zu rufen oder „sich mit bestehenden Projekten uns anzuschließen“, heißt es dort wörtlich. Unter dem Motto „Wir zusammen“ wollen die Unternehmen, die schon zum Start mit dabei sind, in den kommenden Tagen konkrete Projekte starten. Wenn das tatsächlich passiert, stehen klangvolle Namen unter einer gewissen Verpflichtung. Mit dabei sind unter anderen Adidas, Airbus, Deutsche Bank, Deutsche Post, Haniel, Opel, Thyssen-Krupp oder auch die Deutsche Lufthansa.

          „Arbeit ist ein entscheidender Motor für Integration“

          Die Unternehmen wollen den Flüchtlingen zum Beispiel Praktikums- und Ausbildungsplätze anbieten; außerdem soll es Sprachkurse oder Fortbildungen geben. Die einzelnen Angebote und Projekte der jeweiligen Partner werden auf der Website beschrieben: Der Industrie- und Stahlkonzern Thyssen-Krupp aus Essen stellt in den kommenden zwei Jahren zusätzlich 150 Ausbildungsplätze bereit. In mehreren Unternehmen übernehmen Mitarbeiter Patenschaften für Flüchtlinge, um sie beispielsweise bei Behördengängen zu begleiten. Dazu haben sich 1000 Mitarbeiter der Deutschen Bank bereit erklärt.

          Die Deutsche Telekom stellt Hot-Spots in Erstaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung. Nach Angaben des Unternehmens wurden schon mehr als 60 Einrichtungen mit W-Lan versorgt. Erreicht würden so mehr als 70.000 Flüchtlinge. Das Programm werde im laufenden Jahr fortgesetzt. Zudem stelle der Konzern eine – allerdings nicht quantifizierte – Zahl an Praktikums- und Ausbildungsplätzen zur Verfügung und biete Stipendien an der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig an. Im vergangenen Jahr seien schon erste Plätze an Flüchtlinge vergeben worden. Darüber hinaus unterstütze die Telekom mit dem Angebot von Immobilien sowie mit der Vermittlung von Personal, um bei der Bearbeitung der Asylanträge zu helfen.

          „Arbeit ist ein entscheidender Motor für Integration“, lässt sich Heinrich Hiesinger, der Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp, zu der Aktion zitieren. Deutschland habe mit dieser Formel schon in der Vergangenheit Millionen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft erfolgreich integriert. „Mit dieser Erfahrung und einer positiven Einstellung wird es uns auch heute gelingen, die vielen Flüchtlinge zu integrieren“, ist Hiesinger überzeugt. Allerdings sind einige der auf der Website aufgezählten Angebote auch sehr überschaubar. Ein paar Kurse hier, eine Handvoll Ausbildungsplätze dort, dann wieder eine kostenlos zur Verfügung gestellte mobile Gesundheitsstation oder die Unterstützung von Sportveranstaltungen mit Flüchtlingen.

          Auch ist die Initiative, die in Deutschland offenbar erheblich mit Unterstützung der Kommunikationsagentur Hering Schuppener zustande kam, nicht ohne internationales Vorbild. Schon vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatten sich große Unternehmen zu einer Stiftungsinitiative zusammengeschlossen, um die Flüchtlingskrise zu mildern. Zu den Gründungsmitgliedern zählen der Unterkunftsvermittler Airbnb, die Ikea-Stiftung, das Berufsnetzwerk Linkedin, Master Card und UPS. Diese Initiative trägt den Namen „Tent“ und will dafür sorgen, dass „die Firmenchefs der Welt“ Geld oder Dienstleistungen zur Verfügung stellen oder Stellen für die Migranten schaffen. Bis Mitte des Jahres soll die Zahl der teilnehmenden Unternehmen auf 100 steigen. Initiiert wurde dieses Netzwerk von Hamdi Ulukaya, dem Gründer des Joghurt-Unternehmens Chobani.

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