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Winzer Markus Schneider : Die neue Etikette

Gefehlt hat Schneider lange Zeit der Duft der großen weiten Welt. Der allzu frühe berufliche Einstieg hatte zur Folge, dass ihm ausgedehnte Auslandsaufenthalte verwehrt blieben, wie sie seine vier Kellermeister – allesamt Geisenheimer Weinbauingenieure – ganz selbstverständlich im Zuge ihrer Ausbildung absolviert haben. Auch Schneider hätte in seiner Jugend gerne die Welt gesehen. Er hat das nachgeholt – und daraus ein florierendes Geschäft gemacht. Mit dem Eigentümer des südafrikanischen Weinguts Kaapzicht, Danie Steytler, gründete er ein Joint Venture. „Schneider Stellenbosch“ erzeugt seither für den deutschen Markt einen kräftigen Rotwein aus vier Rebsorten, der – es wäre sonst kein Schneider-Wein – unter dem auffallenden Namen Vet Rooi Olifant auf den Markt kommt. Runde Granitfelsen, die in der Abendsonne Südafrikas wie dicke rote Elefanten wirken, sind die Taufpaten dieses Weins. Viermal im Jahr ist Schneider in Südafrika und lebt dort, wie er sagt, sein „Pionierdenken“ aus.

Doch Schneider ist nicht nur Experte für hierzulande exotische Rebsorten. Sein Portugieser aus mehr als 80 Jahre alten Rebstöcken gehört zu den teuersten Weinen dieser hierzulande unterschätzten Rebsorte. Ein „Einzelstück“, das nur dann in eine so etikettierte Flasche gefüllt wird, wenn dank bester Bedingungen in den Weinbergen perfektes Lesegut in der Presse gelandet ist, kostet knapp 30 Euro. Demnächst wird das üppige Sortiment noch um drei Rieslingweine aus besten Lagen der Pfalz ergänzt. Auch ein Lemberger wartet im Barriquefass auf seinen großen Auftritt.

Die Denkfabrik arbeitet ohne Pause

Nicht einmal 20 Jahre nach der Gründung gehört der heute 37-jährige Schneider zu den Etablierten seiner Branche. Das anfänglich abschätzige Gemurmel mancher Kollegen ist verstummt.

Die nächsten Kapitel dieser Pfälzer Erfolgsgeschichte werden gerade geschrieben. Die höchst eigenwillige, aber stilvolle, 2007 eröffnete Kellerei am Ortsrand von Ellerstadt wird 2015 um einen gewaltigen Erweiterungsbau ergänzt, der neben einer Abfüllhalle und einem Lager für 500.000 Flaschen Wein auch bis zu 1600 Barriquefässer aufnehmen kann. Einziehen wird auch eine Ausstellungsfläche des Luxusküchen-Herstellers Gaggenau, der neuerdings auf eine enge Kooperation mit deutschen Spitzenwinzern setzt.

Schneider stemmt mit diesem Neubauprojekt eine Investition von 8,5 Millionen Euro. Sie werde zu 20 Prozent allein durch die Einsparungen finanziert, die sich durch bessere Arbeits- und Lagerprozesse an einem Standort ergeben, sagt er. Schneider plant einen hochmodernen Bau: „Schön, aber nicht kitschig“. Baulich „sind wir 2015 dann durch“, sagt Schneider, aber zur Ruhe kommt der Pfälzer Starwinzer nicht.

Vorbilder hat Schneider vor allem außerhalb der Weinbranche. Ihn fasziniert die Schlichtheit der Erfolgsmarke Hugo Boss und ebenso das mit der eigenen Persönlichkeit untermauerte Markenversprechen eines Babykostherstellers Claus Hipp: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“ Ein Satz, den Schneider für seine Weine gelten lässt. Die „Denkfabrik“ in seinem Kopf arbeitet ohne Pause, der Strom der Ideen und Projekte ebbt nicht ab. In diesem Jahr hat Schneider eine eigene Sektproduktion initiiert – der Name für das perlende Getränk wird noch nicht verraten. Schneider macht vieles anders als „die anderen“. Der Grund dafür ist simpel: „Von den anderen gibt es schließlich genug.“

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