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Winzer Markus Schneider : Die neue Etikette

Schneider bleibt eigenwillig

Erfolg hatte Schneider – dem Klimawandel sei Dank – vor allem mit jenen Rebsorten, die in Deutschland so vortrefflich nur in der klimatisch begünstigten Mittelhaardt wachsen. Cabernet Sauvignon und Merlot, Shiraz und Sauvignon blanc, Cabernet Franc und Chardonnay. Schneider will „unkomplizierte“ Weine erzeugen. Mit diesem Konzept schert er aus der Masse der deutschen Winzer aus, und er forciert seinen eigenwilligen Kurs.

Mit „Black Print“ ging es los, einer Rotweincuvée aus fünf Rebsorten, die so schwarz wie Druckerschwärze aus der Flasche floss, so dass sie schnell ihren Namen weghatte. Hinter jeder – geschützten – Weinbezeichnung steht eine eigene Geschichte. „Holy Moly“ (Heiliger Bimbam) zielt auf die Szene aus einem Hollywoodfilm, als Walter Matthau erstmals die schöne Sophia Loren erblickt. Der Rotwein „Tohuwabohu“ ist dem Sohn Nicolaus gewidmet, der Weißwein „Hullabaloo“ ist der Tochter Josephine zugedacht.

Raritäten für bis zu 30 Euro

Schließlich der Erfolgswein Kaitui, ein Sauvignon blanc, dessen Name die neuseeländische Übersetzung für Schneider ist. Kanzlerin Angela Merkel setzte ihn im Sommer in Berlin bei einem festlichen Bankett ihrem Staatsgast Barack Obama vor.

Winzer Schneider bleibt eigenwillig. Der Zeitgeist predigt heute Ökowein. Schneider ist nicht dabei. Zwar habe er eine ökologische Wirtschaftsweise verinnerlicht, behauptet er, eine Zertifizierung käme für ihn aber nicht in Frage. Er will sich keinen Vereins- und Verbandsregeln und -kontrollen unterwerfen: „Ich bin und bleibe der alleinige Kapitän auf der Brücke.“ Das gilt auch für den Verband der Prädikatsweingüter (VDP), dessen Mitgliedschaft die meisten deutschen Winzer als Ritterschlag ansehen würden. Schneider, der im Gegensatz zu den 200 deutschen VDP-Mitgliedern weit mehr als nur Riesling und Burgunder im Blick hat, kann dank seines Erfolgs darauf leicht verzichten: „Ich bin schon Mitglied beim 1. FC Kaiserslautern, das kostet mich Nerven genug.“

Ein üppiges Sortiment

Heute bewirtschaftet Schneider 92 Hektar eigene und gepachtete Rebfläche in den Gemarkungen der Pfälzer Weinorte Ellerstadt, Bad Dürkheim und Kallstadt. Für das Weingut arbeiten neben den Familienmitgliedern zehn Festangestellte. Nur fünf Prozent der Weine werden exportiert, 20 Prozent gehen an Privatkunden, 75 Prozent an Fachhandel und Gastronomie. Jeweils zur Hälfte werden Weiß- und Rotweine erzeugt, das Rebsortenspektrum ist für ein deutsches Weingut so ungewöhnlich wie die meisten Ideen von Schneider, der kürzlich von einem Weinfachverlag zum Unternehmer des Jahres ausgerufen wurde. Erst vor wenigen Tagen hat er die Ernte 2013 beendet. Für Winzer, die wie er nur kerngesunde Beeren in die Presse füllen, nach dem regenreichen Herbst ein hartes Jahr: „Uns fehlen 30 Prozent“.

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