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Wintersportartikel : Langlaufski und Schlitten sind knapp geworden

Winterfreuden:Je länger es kalt ist, um so mehr Winterkleidung und Sportartikel verkauft der Sportfachhandel. Bild: dapd

Weiße Weihnacht und verschneite Hänge haben Lust auf Wintersport geweckt. Doch wer noch nach Rodel und Langlaufski sucht, muss warten: Der kalte Winter hat bereits zu einigen Engpässen in den Sportgeschäften geführt.

          Der vier Wochen dauernde schneereiche, kalte und vor allem flächendeckende Winter in Deutschland hat bereits zu einigen Engpässen in den Sportgeschäften geführt. Und wenn dann noch die zugefrorene Alster in Hamburg für das Publikum freigegeben sein sollte, werden selbst in Hamburg die Schlittschuhe knapp wie schon in anderen Regionen hierzulande.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Da gebe es dann kein Halten mehr, sagt Stefan Herzog, der schon einen Jahrhundertwinter ausgemacht haben will. Der Sprecher der Geschäftsführung der zur Otto-Gruppe gehörenden Münchener Fachhandelskette Sportscheck GmbH spricht in Superlativen, vor allem mit Blick auf die zu erwartende lange Dauer der Herbst/Winter-Saison. Mit dem Schnee Ende November hat sie früh begonnen und verspricht, sehr schneereich zu werden. Und wegen der späten Osterfeiertage im nächsten Jahr wird sie auch länger als sonst dauern. Klaus Jost, Vorstand der Einkaufsgemeinschaft Intersport Deutschland eG, weiß schon jetzt: "Wir haben dieses Jahr das beste Geschäft insgesamt in der Unternehmensgeschichte gemacht."

          Das gilt zwar nicht über alle Bereiche und Segmente. Alpin-Ski etwa seien vor 20 Jahren mehr verkauft worden als heute. Dafür aber sind Langlaufski begehrt, die in der Regel nicht nur mit Bindung, sondern eben im Paket mit Schuhen und Stöcken gekauft werden und deren Knappheit sich schon vor 14 Tagen mit dem Ansturm der Konsumenten im Vorweihnachtsgeschäft angekündigt hatte. Vielmehr bringt die Bekleidung, mit denen der Sporthandel die größten Geschäfte macht, den Schub. Wetterfeste Schuhe, Handschuhe und Mützen sind die Renner - Outdoor-Produkte sowieso mit warmen funktionalen Jacken, die nicht nur zum Wandern und Bergsteigen genutzt, sondern zunehmend auch im Alltag angezogen werden. Engpässe in diesem Bereich sieht Sportscheck-Chef Herzog jedoch nicht. Die Vielfalt von Produkten und Marken sei so groß, dass das Angebot ausreiche.

          Derweil fahren einige Hersteller wie Uvex in diesen Tagen dank der großen Nachfrage Sonderschichten, wenn es etwa um die Produktion von Skihelmen oder Schneebrillen geht. Daher werden beispielsweise vor allem schwarze Helme hergestellt, um mit einer standardisierten Produktion die Menge zu erhöhen, ist zu hören. Auch Fischer soll sich in der Fertigung von Langlaufski auf Standardprodukte konzentrieren, um einigermaßen der Nachfrage gerecht zu werden und nachliefern zu können. "Fingerspitzengefühl", so beschreibt Intersport-Vorstand Jost die Anforderung für die Jahresplanung. Langjährige Erfahrung würden bei der Disposition helfen. Es habe ja schon im Januar und Februar dieses Jahres ein gutes Wintergeschäft gegeben. Vielleicht hat das dazu geführt, dass der Handel positiver für die nächste Saison eingestimmt gewesen ist. Denn schon im Sommer gibt es die Vororderphase, damit die Produkte rechtzeitig zu Beginn der Herbst/Winter-Saison bereitgestellt sind. "Die Ware, die heute verkauft wird, wurde vor sieben oder acht Monaten bestellt", sagt Jost und bezeichnet den letzten Winter als eine "gute Ausgangslage". Am Schluss aber werde in einer Situation wie der heutigen der Mangel verwaltet, sagt er und spricht von einem "schönen Problem".

          Entsprechend klingeln die Kassen. Die Verbundgruppe Intersport mit 1400 angeschlossenen Geschäften in Deutschland und 5000 in Europa erwartet für 2010 einen deutlichen Umsatzanstieg auf mehr als 2,8 Milliarden Euro allein hierzulande. Gegenüber dem Vorjahr (2,62 Milliarden Euro) erzielt die Gruppe, die sich im Sportfachhandel als Branchenprimus sieht, einen Zuwachs von mindestens 7 Prozent. Der Wertanstieg und das von Jost beschriebene Rekordjahr muss auch vor dem Hintergrund steigender Preise gesehen werden. Das hängt nicht einfach nur mit einer bloßen Inflation zusammen. Die Preisqualitäten haben sich geändert, weil bessere, weiter entwickelte und damit zwangsläufig teurere Produkte wie Funktionskleidung auf den Markt gekommen sind.

          Stefan Herzog von Sportscheck hält sich zahlenmäßig noch bedeckt, spricht aber von einem "sensationellen Herbst". Und er fügt hinzu: "Die von uns gestartete Marketing- und Werbekampagne hat einen unglaublichen Umsatzsprung mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten gebracht", sagt er. "Damit sind wir deutlich schneller als der Markt gewachsen." Im vergangenen Jahr hat der Sportfachhändler mit derzeit 16 Geschäften in bundesdeutschen Großstädten und 1300 Mitarbeitern einen Umsatz von 323 Millionen Euro erzielt. Damit bleibt Sportscheck immer noch ein Stück von Karstadt Sport als Marktführer im Sportfachhandel (ohne Verbundorganisationen wie Intersport oder Sport 2000) entfernt. Die Fachkette, die mit aller Kraft gegen die bis Jahresmitte dauernden Wirren um die Karstadt-Insolvenz ankämpfte, soll schätzungsweise rund 400 Millionen Umsatz erwirtschaften.

          Herzog hat das Ziel von 500 Millionen Euro fest im Visier, nennt aber keinen Zeitraum. Er setzt bei seiner Wachstumsstrategie eben nicht nur auf den stationären Handel, in dem jedes Jahr mindestens ein neuer Standort hinzukommen soll - 2011 in Braunschweig. Er baut gezielt auch das Kataloggeschäft mit dem Versand und den Internethandel aus, was er als seine "Multi-Channel-Strategie" bezeichnet. Derzeit verteilen sich die Umsätze zu gleichen Teilen auf das stationäre Geschäft einerseits und auf den Versand- beziehungsweise Online-Handel andererseits. In der Positionsbeschreibung von Sportscheck hat Herzog so seine eigene Definition gefunden: "Egal wie sich die Wettbewerber und der Marktführer Karstadt Sport entwickeln, den Vorsprung als Multi-Kanal-Händler kann uns keiner streitig machen", sagt er. "Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal." Der Jahrhundertwinter kommt ihm da zupass.

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