https://www.faz.net/-gqe-8p102

Früherer VW-Chef : Winterkorns Rente sorgt für Empörung

Erhält auch als Rentner sehr hohe Bezüge: Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn Bild: Pressefoto ULMER/Markus Ulmer

Die Betriebsrente des früheren VW-Chefs fällt mit 3100 Euro am Tag üppig aus. Dennoch ist Martin Winterkorn mit der Höhe seiner Altersbezüge keine Ausnahme unter ehemaligen Dax-Vorständen.

          Schluss. Aus. Vorbei. Mit Beginn dieses Jahres ist der Vertrag des über den Abgasskandal bei Volkswagen gestürzten früheren Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn mit dem Wolfsburger Konzern offiziell beendet. Winterkorn ist bisher zwar der einzige Vorstand, der wegen der Manipulationen an weltweit etwa 11 Millionen Dieselautos seinen Posten verloren hat, doch eine Mitschuld hat er immer bestritten. „Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin“, ließ er im Herbst 2015 nach seinem Rücktritt verlesen. Auf der Gehaltsrolle von VW blieb er deswegen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und weil das Einkommen des Konzernlenkers Winterkorn mit 15,9 Millionen Euro 2014 – und auch in den Vor- und Folgejahren – üppig war, muss sich der einst bestbezahlte Manager Deutschlands auch als Rentner keine finanziellen Sorgen machen. „3100 Euro VW-Rente am Tag“, titelte die „Bild“-Zeitung am Mittwoch empört. In der Tat – nach seinem Volkswagen-Gehalt stehen Winterkorn monatlich rund 93.000 Euro Betriebsrente des Unternehmens zu. Der frühere VW-Chef ist damit allerdings keine Ausnahme. Auch andere Vorstände von Dax-Unternehmen haben sich ähnlich hohe Rentenansprüche erworben.

          Es geht um mehr als nur Neid

          Im Fall Winterkorn sorgt die monatliche Rente, die höher ist als die Jahreseinkommen der meisten Deutschen, nicht nur für Empörung, weil Neid im Spiel ist. Die Empörung ist auch groß, weil die Folgen des VW-Abgasskandals an den Spitzenmanagern des Konzerns bislang ohne spürbare finanzielle Einbußen vorübergegangen sind. Winterkorn war im September 2015 nur wenige Tage nach Aufdeckung des Skandals durch die amerikanischen Umweltbehörden unter wachsendem öffentliche Druck zurückgetreten. Bis heute beteuert er, von den Manipulationen nichts gewusst zu haben. Für Volkswagen begann mit dem Abgasskandal die – bis heute nicht ausgestandene – größte Krise in der Geschichte des Unternehmens. Milliarden-Rückstellungen für Entschädigungen, Strafen und Umrüstung der manipulierten Fahrzeuge belasten die Bilanz. Es fehlt Geld im Strukturwandel der Autobranche.

          Dass Winterkorns regulärer Vertrag mit VW trotz seines Rücktritts bis Ende 2016 weiterlaufen sollte, hatte schon 2015 Kritiker des Konzerns empört. Dabei geht, was die Altersbezüge Winterkorns betrifft, alles mit rechten Dingen zu. Die Pensionsansprüche der Spitzenmanager von Unternehmen werden wie ihre Bezahlung vom Aufsichtsrat festgelegt. Um zu verhindern, dass sie, wie früher oft üblich, im „stillen Kämmerlein“ zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem in eigener Sache verhandelnden Spitzenmanager vereinbart werden, ist seit 2009 ausdrücklich das gesamte Aufsichtsratsgremium dafür verantwortlich. Das schließt die Arbeitnehmervertreter und damit die IG Metall ein, die bei Volkswagen traditionell sehr stark sind.

          Winterkorns Pension wird mit 28,5 Millionen Euro bewertet

          Bei Volkswagen bekommen ehemalige Vorstände als Ruhegehalt einen Prozentsatz ihrer früheren Grundvergütung. Ausgehend von 50 Prozent steigt der Anspruch mit jedem Jahr der Unternehmenszugehörigkeit um 2 Prozentpunkte bis zu einer Höchstgrenze von 70 Prozent, wie bei Martin Winterkorn. Zudem dürfen frühere Vorstände weiter ihren Dienstwagen nutzen. Laut VW-Geschäftsbericht 2015 wurde die Pension von Martin Winterkorn insgesamt mit 28,5 Millionen Euro bewertet.

          Weitere Themen

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Topmeldungen

          Lega-Chef Matteo Salvini

          Europawahl : Salvini verbucht Rekordergebnis in Italien

          Die ausländerfeindliche Partei Lega hat in Italien erstmals bei einer landesweiten Wahl die meisten Stimmen geholt. In einer Siegesrede verspricht Parteichef Matteo Salvini seinen Anhängern, „dass sich die Regeln Europas ändern werden“.
          Großer Jubel bei Sebastian Wippel, dem AfD-Landtagsabgeordneten und Oberbürgermeisterkandidaten in der sächsischen Stadt Görlitz

          Europawahl : AfD siegt in Brandenburg und Sachsen

          Die AfD erreicht bei der Europawahl in Ostdeutschland große Zugewinne. In zwei Ländern ist sie nun stärkste Kraft – ein Fingerzeig für die Landtagswahlen im Herbst?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.