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PNE-Wind : Stürmische Zeiten für Windparkfirma

  • -Aktualisiert am

Windrad im Bau Bild: ZB

Kaum ein anderes deutsches Unternehmen hat mehr Windräder an der Küste errichtet als PNE Wind. Doch nun tobt intern ein heftiger Streit zwischen Management und Großaktionär.

          2 Min.

          Kräftige Winde erfreuen die Projektierungsgesellschaft PNE Wind AG – solange sie über dem Meer oder an der Küste wehen. Dort hat das Unternehmen seit 2001 Windparks errichtet, die zusammen auf eine Kapazität von mehr als 2000 Megawatt kommen, so viel wie kaum ein anderer Projektierer im Land. Auf den Sturm jedoch, der gerade durch das börsennotierte Unternehmen wirbelt, hätte das PNE-Management wohl gerne verzichtet. So tief ist das Zerwürfnis zwischen Vorstand und dem Großaktionär Volker Friedrichsen, dass PNE Wind am Dienstag mitteilte, Schadenersatzansprüche von 6,2 Millionen Euro gegen ihn geltend zu machen. Zudem wurde Friedrichsen per Ad-hoc-Mitteilung aufgefordert, sein Aufsichtsratsmandat niederzulegen – sonst werde seine Abberufung vor Gericht angestrebt.

          Vor anderthalb Jahren klang das alles noch ganz anders. Damals erwarb PNE Wind die ungefähr gleich große Projektierungsgesellschaft WKN von ihrem Eigentümer Friedrichsen. Ihr Wert wurde auf 93 Millionen Euro taxiert. Im Gegenzug erhielt der in der Nähe von Husum ansässige Unternehmer knapp 20 Prozent der Anteile von PNE Wind und zog auf der Hauptversammlung im Juni dieses Jahres in den Aufsichtsrat ein. „Die Unternehmen ergänzen sich hervorragend, national wie international“, schwärmte PNE-Vorstandschef Martin Billhardt seinerzeit. „Wir haben ein großes Volumen an Windpark-Realisierungen vor uns“, fügte er hinzu. Die Logik der Übernahme gelte noch immer, betont PNE Wind nun. Aber über den Wert der übernommenen Gesellschaft sehen sich die PNE-Manager im Nachhinein getäuscht. Einzelne Windparkprojekte der WKN seien zum Kaufzeitpunkt überbewertet gewesen, heißt es, daher die Schadenersatzforderung. Und man behalte sich „die Geltendmachung weiterer Schadenersatzsprüche vor“, heißt es – auch „im Wege einer Schiedsklage“.

          Dass sich das Verhältnis zwischen PNE-Management und Friedrichsen bald nach der Übernahme merklich abgekühlt hat, lässt sich indirekt aus weiteren Hinweisen schließen. Auf der Hauptversammlung im Juni sorgte Friedrichsen mit seiner Mehrheit der anwesenden Stimmen bereits dafür, dass der bis dahin amtierende Aufsichtsrat nicht entlastet wurde. Umgekehrt wird aus den PNE-Mitteilungen vom Dienstag deutlich, dass Friedrichsen mit Hilfe eines Gerichts versuchen wollte, den Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Kuprian aus seinem Amt abzuberufen. Ein entsprechender Beschlussantrag im Aufsichtsrat sei vom Gremium abgelehnt worden – ebenso ein entsprechender Antrag an das Gericht, heißt es in der Mitteilung. Jetzt setzt der Windparkprojektierer ähnliche Daumenschrauben an, um Friedrichsen zur Aufgabe zu zwingen. Für eine weitere Stellungnahme waren beide Seiten am Dienstag nicht zu erreichen.

          Auf das operative Geschäft von PNE Wind habe all dies keine Auswirkungen, heißt es. Die Prognose eines aufsummierten operativen Gewinns von 110 bis 130 Millionen Euro in den Jahren 2014 bis 2016 bleibe bestehen. Aber in diesem Jahr wird die Neubewertung der WKN-Projekte das Ergebnis doch in Höhe eines mittleren einstelligen Millionenbetrags belasten, räumte PNE Wind ein. Die Aktionäre zeigten deutlich, was sie davon halten: der Kurs der Aktie sank bis zum Nachmittag um gut 7 Prozent auf 2,23 Euro.

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