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Windparkentwickler : Ermittlung gegen Windreich

  • -Aktualisiert am

Unter Verdacht: Windreich Bild: Verena Müller

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft verdächtigt den Windparkentwickler unter anderem der Bilanzmanipulation und des Kreditbetrugs. Am Dienstag durchsuchte das Landeskriminalamt die Hauptverwaltung von Windreich.

          Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Windparkentwickler Windreich AG. Wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation, des Kapitalanlagebetrugs, der Marktpreismanipulation und des Kreditbetrugs hat sie nach Informationen dieser Zeitung ein Verfahren eingeleitet. Rund 35 Beamte des Landeskriminalamts durchsuchten am Dienstag die Hauptverwaltung des in Wolfschlugen ansässigen Unternehmens sowie vier Privatwohnungen. Die Ermittlungen richten sich gegen fünf amtierende und ehemalige Vorstandsmitglieder. Vorstandsvorsitzender und Alleinaktionär des Unternehmens ist Willi Balz.

          Balz war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Neben Balz wird unter anderen auch gegen den früheren Vorstand Walter Döring ermittelt. Der FDP-Politiker und frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister sagte auf Anfrage dieser Zeitung, er sei sich keiner Schuld bewusst. „Ich fühle mich absolut sauber.“ Döring war im Aufsichtsrat des Unternehmens und zuletzt im Vorstand. Er ist im vergangenen Sommer bei der Projektgesellschaft ausgeschieden. Im Mai 2012 hatte Finanzvorstand Matthias Hassels seinen Posten aufgegeben, wobei Balz den ehemaligen Sarasin-Banker beschuldigte, er sei für die schlechte Kursentwicklung der Windreich-Anleihen mit verantwortlich.

          Zwei Anleihen im Volumen von insgesamt 125 Millionen Euro

          Die Ermittler prüfen, ob in den Jahresabschlüssen des durchsuchten Unternehmens Vermögenspositionen durch Überbewertung geschönt wurden, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte. Es bestehe der Verdacht, dass in den Jahren 2010 und 2011 Forderungen und Umsätze in Millionenhöhe ausgewiesen worden seien, denen entweder keine effektiven Geschäfte zugrunde lagen oder aber Geschäfte mit einem deutlich niedrigeren Gegenwert. Es seien auch Forderungen in die Bilanz aufgenommen worden, „bei denen mit einer Tilgung nicht mehr ernsthaft zu rechnen war“, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Im Jahr 2011 erzielte die Windreich AG laut der im Internet veröffentlichten Bilanz einen Umsatz von 121 Millionen Euro. Die Schulden beliefen sich auf 434 Millionen Euro nach 266 Millionen Euro im Jahr zuvor. Für das Jahr 2012 hat Windreich noch keine Geschäftszahlen veröffentlicht.

          Das Unternehmen hat zwei Anleihen im Volumen von insgesamt 125 Millionen Euro im Mittelstandssegment Bond-M der Stuttgarter Börse begeben. Die Ermittler prüfen ferner den Verdacht des Kapitalanlagebetrugs sowie der Marktpreismanipulation und des Kreditbetrugs. Am Montag hatte die Stuttgarter Börse die beiden Anleihen aus Anlegerschutzgründen für einen Tag vom Handel ausgesetzt. Offizielle Gründe wurden von Seiten der Börse auf Nachfrage nicht genannt. Balz veröffentlichte aber auf der Homepage von Windreich den Hinweis, dass die zum 1. März fälligen Zinsen für eine der beiden Anleihen verzögert ausgezahlt wurden. Außerdem stoppte Balz eigenen Angaben vom Montag zufolge die Veröffentlichung des Ratings durch die Agentur Creditreform.

          Ein Geschäft von Balz hatte für Aufsehen gesorgt

          Zuletzt war das Unternehmen mit „BB+“ bewertet. „Angesichts der aus der Sicht der Windreich AG ungerechtfertigten Aussetzung unseres aktuellen Ratings durch die Creditreform gab es verständlicherweise einigen Informationsbedarf unserer Banken, dem wir in den letzten Tagen vollständig nachgekommen sind“, heißt auf der Windreich-Homepage zu diesem Thema.

          Die Kurse der beiden Anleihen hatten in den vergangenen Monaten stark nachgegeben. Die bis 2016 laufende Anleihe notierte am Nachmittag nur noch bei rund 35 Prozent des Nennwerts. Das bis 2015 laufende Papier wurde am Nachmittag mit knapp 40 Prozent des Nennwerts gehandelt. Zuletzt hatte ein Geschäft zwischen Balz und dem schottischen Lord Irvine Laidlaw für Aufsehen gesorgt. Der Schwabe hatte sich von dem Adeligen wegen akuter Liquiditätsnot mehrfach Geld geliehen, für das er zeitweise mehr als 20 Prozent Zinsen zahlte. Zur Ablösung des Kredits hatte er ihm das Windparkprojekt Deutsche Bucht vermacht und weitreichende Rechte und Forderungen abgetreten. Die Anleger der Anleihen hatten erst durch die Berichterstattung dieser Zeitung von der Transaktion erfahren.

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