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Windenergie-Messe : Der Wind kommt von allen Seiten

Düstere Aussichten: Die Windenergiebranche gerät unter Druck. Bild: dpa

Die Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen leben in ständigem Auf und Ab. Das spiegelt sich auch auf der globalen Leitmesse in Hamburg.

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          Premiere nach der Pandemie-Zwangspause, Besuch vom Bundeswirtschaftsminister, Hoffnungsträger in der Gaskrise: Die Windindustrie müsste keine Selbstzweifel haben, wenn sie sich von diesem Dienstag an mal wieder in Hamburg versammelt. Die Zeiten sind gut, da Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und Stabilität einer industriellen Zukunftsbranche als Ziele außer Zweifel stehen. Einerseits. Auf der anderen Seite sind die Hemmnisse immer noch groß, Debatten über Mindestabstände zu Windrädern, über Natur- oder Denkmalschutz immer noch rege. Die Branche trifft sich in einer Zeit, in der sie gefragt wie nie ist, sich aber immer noch nicht auf der sicheren Seite sieht. Der Wind kommt gewissermaßen von allen Seiten.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Projektierer, Finanzierer, Zulieferer, Hersteller, Betreiber und Dienstleister, die sich auf der globalen Leitmesse Wind Energy zeigen, eint vor allem eines: die Hoffnung auf den schnellstmöglichen Ausbau erneuerbarer Energien in hohen Stückzahlen – mit der Windenergie in der ersten Reihe. Im Sinne der Versorgungssicherheit, der Klimaneutralität – und natürlich der Unternehmen. Dort zeigt sich die Mischung aus Rücken- und Gegenwind besonders deutlich.

          Rückenwind erhält die Windkraftbranche von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der die Bundesländer am ersten Tag der Messe zu deutlich mehr Engagement und Tempo im Ausbau der Windenergie aufgefordert hat. Sie könnten nicht so weitermachen wie bisher, sagte Habeck. „Das ist nicht akzeptabel.“

          In Deutschland gebe es derzeit knapp 47 Gigawatt Windkraftkapazität an Land – und das habe Jahrzehnte gedauert. Nun müssten jedoch innerhalb von acht Jahren die Kapazitäten verdoppelt werden, sagte Habeck. Im vergangenen Jahr seien jedoch nur zwei Gigawatt installiert worden, nötig wären aber zehn Gigawatt – genau jene zehn Gigawatt Kapazitäten, die sich derzeit im Genehmigungsverfahren der Länder befänden. „Wenn alle Bundesländer ihren Job machen würden, dann hätten wir eine Chance“, betonte Habeck.

          Ein Problem des Ausbaus ist, dass hiesige Hersteller nach der langen Flaute der vergangenen Jahre finanziell regelrecht ausgelaugt sind. Komplexe Genehmigungsverfahren, Klagen von Anwohnern und andere Hemmnisse hatten den Ausbau in Deutschland fast zum Erliegen gebracht, und noch immer laufen Projekte viel zu schleppend an. Vor allem, wenn es um den Ausbau an Land, nicht auf dem Meer geht. „Die Sonderkonjunktur kommt vielleicht in zwei Jahren“, sagte der Chef des Turbinenherstellers Enercon, Jürgen Zeschky, kürzlich in der F.A.Z. in aller Vorsicht. „Im Moment sind wir noch in einer schwierigen Situation.“

          „Um die Ziele zu erreichen braucht die Windindustrie mehr Standorte“

          Enercon hatte vor diesem Hintergrund im Juni rund 500 Millionen Euro aus dem Corona-Hilfsfonds WSF bekommen, auch weil in der globalen Lieferkettenkrise Teile fehlten und etwa 130 Windräder nicht ausgeliefert werden konnten. Das hörte sich nicht gut an. Auf der anderen Seite stellt Enercon in Hamburg sein neues Spitzenmodell vor, eine Turbine mit – vom Unternehmen bisher nicht erreichten – 175 Meter Rotordurchmesser und 6 Megawatt Leistung. Die Turbine soll zum neuen Flaggschiff der Friesen werden. Es ist deser Wechsel von Rückschlägen und Aufbruch, der die Branche prägt.

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