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Geldautomaten-Hersteller : Amerikaner bieten Milliarden für Wincor Nixdorf

  • Aktualisiert am

Geldautomaten-Montage bei Wincor Nixdorf. Bild: dpa

Der Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf soll von einem amerikanischen Konzern gekauft werden. Der Fall zeigt auch, wie ein Unternehmen seine Übernahme-Gespräche verschleiert.

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          Jetzt ist es offiziell: Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf steht vor einer Milliardenübernahme durch ein amerikanisches Unternehmen. Wincor Nixdorf spreche mit dem Diebold-Konzern über einen möglichen Zusammenschluss, teilte das Unternehmen am Samstag in Paderborn mit. Das Übernahmeangebot des amerikanischen Unternehmens sieht demnach eine Kombination aus Barmitteln und Diebold-Aktien vor. Dies entspreche einem Wert von 52,50 Euro je Aktie der Wincor Nixdorf AG.

          Dies ist ein satter Aufschlag zum Kursschluss der Wincor-Aktie vom vergangenen Freitag von 38,90 Euro – dabei war der Kurs in Erwartung der Übernahme schon in die Höhe gegangen. Bei 33 Millionen Aktien entspricht das Angebot einer Bewertung von Wincor Nixdorf in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro. Diebold mit Sitz in North Canton (Ohio) ist ein Hersteller von Hard- und Softwaresystemen für Selbstbedienungsautomaten.

          Die F.A.Z. hatte schon seit Juni über Übernahmegespräche zwischen Wincor Nixdorf und Diebold berichtet. „Wir denken zurzeit nicht über einen Verkauf nach“, sagten Sprecher des Geldautomatenherstellers damals. Vorstandsvorsitzender Eckard Heidloff, beraten vom PR-Mann Dirk Große-Leege, legte Tage darauf in zwei großen Zeitungsinterviews nach. Er dementierte Dinge, die niemand behauptet hatte, zum Beispiel, dass kein unterschriftsreifes Angebot vorliege, und sagte schließlich: „Deswegen glauben wir, dass der Weg der Eigenständigkeit für uns der richtige ist.“ Das alles verfehlte die Wirkung nicht; eine Zeitung etwa schrieb, Wincor Nixdorf habe „hart“ dementiert.

          Zum Zwischenbericht im Juli klang das schon anders. „Das Thema Industriekonsolidierungen wird nun schon seit Jahren diskutiert. Ich werde es mit Stellungnahmen von unserer Seite nicht mehr anheizen“, ließ sich Heidloff zitieren. Am Freitag berichtete nun das „Manager Magazin“ online, Wincor Nixdorf präpariere sich für Übernahmegespräche.

          Wincor Nixdorf baut schon Stellen ab

          Am Samstag teilte Wincor Nixdorf mit, die Gesellschaften hätten am 24. September ein Eckpunktepapier über einen möglichen Zusammenschluss abgeschlossen. Die Übernahme sei derzeit noch offen und hänge auch von weiteren Prüfungen ab. Mit dem Zusammenschluss könne die Digitalisierung in der Bankenbranche vorangetrieben werden, wie es in Konzernkreisen hieß. Wincor ist stark in Europa, Diebold in den Vereinigten Staaten.

          Der Paderborner Konzern kämpft seit Jahren mit einer schwachen Nachfrage vor allem nach Geldautomaten. Wincor Nixdorf hatte bereits ein Sanierungsprogramm gestartet. Dazu gehört auch ein Stellenabbau. Von rund 9200 Arbeitsplätzen sollen rund 1100 gestrichen werden, davon 500 in Deutschland, wie das Unternehmen im April bekanntgegeben hatte. Außerdem will Wincor Nixdorf die Kosten stark senken und die Kapazitäten besonders im schwach laufenden Hardware-Geschäft anpassen, etwa bei der Herstellung von Geldautomaten. Konzentrieren will sich der Konzern auf das Softwaregeschäft.

          In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2014/2015 waren Umsatz sowie operatives Ergebnis bei Wincor Nixdorf deutlich zurückgegangen. Die Erlöse sanken um 2 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verringerte sich wegen Kosten für die Restrukturierung um mehr als die Hälfte auf 40 Millionen Euro.

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