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Jade-Weser-Port : Der Geisterhafen hofft auf Ladung

  • -Aktualisiert am

Wenig Andrang an der Kaimauer des Tiefwasserhafens Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven Bild: dapd

Knapp eine Milliarde Euro hat der Bau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven gekostet. Doch Schiffe kommen nur wenige. Jetzt hofft Deutschlands einziger Tiefwasserhafen auf die Kooperation zweier großer Reedereien.

          Für den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven war das abgelaufene Jahr alles andere als ein Erfolg. Weniger als 100.000 Stahlboxen (TEU) gingen dem Vernehmen nach in den vergangenen zwölf Monaten über die Kaimauern. Damit ist der knapp eine Milliarde Euro teure Anleger in der Deutschen Bucht kaum über die schwachen Umschlagszahlen des Vorjahres hinausgekommen. Bislang legt in dem einzigen deutschen Tiefwasserhafen nur eine große Schifffahrtsgesellschaft regelmäßig an: die Reederei Maersk Line, die mit rund 30 Prozent an dem Terminal beteiligt ist. Viele Wettbewerber lassen ihre großen Schiffe lieber weiterhin nach Hamburg oder Bremerhaven fahren. An diesen alteingesessenen Standorten sind die Abläufe seit Jahrzehnten eingespielt. Zudem ist die Anbindung mit Schienen und Straßen an das Hinterland besser.

          2015 könnte sich die Situation in dem vor gut zwei Jahren eröffneten Jade-Weser-Port allerdings etwas aufhellen. Grund dafür ist ein Schulterschluss von Maersk mit der Reederei MSC. Die beiden größten Schifffahrtslinien der Welt wollen fortan gemeinsame Sache machen und einen Teil ihrer Stellplätze auf Frachtern unter dem Namen „2M“ gemeinsam vermarkten. Den Jade-Weser-Port wird dieses Konsortium vom ersten Quartal des kommenden Jahres an mit zwei Liniendiensten von und nach Asien ansteuern. Wie die Reederei Maersk mitteilte, wird sie überdies eine weitere Transportroute auf den neuen Anleger umleiten, einen Dienst mit regelmäßigen Abfahrten und Ankünften aus dem Nahen Osten. Im Umfeld des Terminalbetreibers Eurogate heißt es zudem, dass 2015 womöglich weitere Reedereien den Hafen in ihre Fahrpläne aufnehmen könnten. Zurzeit liefen vielversprechende Gespräche mit einem großen internationalen Reeder-Konsortium, unter dessen Dach sich wie bei „2M“ mehrere Transporteure zusammengeschlossen haben.

          Solche Zusammenschlüsse werden in der Schifffahrt immer wichtiger, weil die Reeder wegen des aggressiven Preiskampfes auf See enger zusammenrücken und größere, schlagkräftigere Einheiten bilden. Für die Häfen steigt dadurch der Druck. Denn im Verbund mit mehreren Gesellschaften haben die Reeder eine deutlich größere Verhandlungsmacht, wenn es zum Beispiel darum geht, die Gebühren für die Abfertigung im Hafen neu zu verhandeln. Zugleich setzen die Transporteure innerhalb ihrer Koalitionen immer größere und damit auch effizientere Schiffe ein. Diese Entwicklung könnte dem Jade-Weser-Port auf lange Sicht in die Hände spielen. Denn vor allem in Hamburg, dem zweitgrößten europäischen Containerhafen nach Rotterdam, haben die neuen Ozeangiganten zunehmend Probleme mit dem Tiefgang. In Wilhelmshaven können dagegen Frachter mit einem Tiefgang von 16,5 Metern unabhängig von Ebbe und Flut anlegen.

          Durch die neuen Liniendienste von Maersk und dessen Partner MSC sollen die Umschlagszahlen 2015 signifikant steigen. Von dem Ziel, jedes Jahr rund 2,7 Millionen Container auf- und abzuladen, ist Eurogate allerdings noch meilenweit entfernt. Vorerst macht die Gesellschaft in Wilhelmshaven weiterhin Verlust. Und auch für die Bundesländer Niedersachsen und Bremen, die den Anleger mit rund 600 Millionen Euro maßgeblich finanziert haben, ist das Projekt bislang eine herbe Enttäuschung. Dass nun zumindest etwas Leben in die Anlage kommt, hieß der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gut: „Damit ist die Basis gelegt, um die Beschäftigung im Hafen zu sichern und um neue Ziele anzusteuern“, sagte er. Insgesamt sind an dem Standort rund 400 Mitarbeiter beschäftigt. Diese waren zwischenzeitlich schon für ein Jahr in Kurzarbeit. Bis März kommenden Jahres gilt ein Abkommen zwischen der Gewerkschaft Verdi und Eurogate, das Entlassungen ausschließt.

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