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Geschäft mit Freizeitparks : Wildwasserbahn schlägt Kölner Dom

  • -Aktualisiert am

Bild: EPA

Warum ziehen Freizeitparks mittlerweile mehr Besucher an als klassische Sehenswürdigkeiten? Neue Ideen sollen noch mehr Gäste auf Achterbahnen locken.

          cstr. Frankfurt, 3. September. Der Europa-Park schlägt Schloss Neuschwanstein, das Phantasialand den Kölner Dom: Neben Burgen, Schlössern und Altstädten sind zunehmend auch Freizeitparks und andere Attraktionen überaus begehrte Ziele unter Deutschland-Reisenden. Den Erfolg der Vergnügungsindustrie zeigt eine Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten: Die 32000 Befragten aus mehr als 60 Ländern wählten das Hamburger Miniatur-Wunderland auf den Spitzenplatz, den Europa-Park im Südwesten auf Platz zwei, Schloss Neuschwanstein rangiert erst an dritter Stelle. Auf prominenten Plätzen folgen der Freizeitpark Phantasialand auf dem achten Rang, auf Platz 14 kam das Ravensburger Spieleland.

          Auch Einheimische sind auf den Geschmack gekommen. Die deutschen Kunden des Reisekonzerns Thomas Cook machten 2016 nicht etwa ein Hotel im Ausland zur meistgebuchten Herberge, sondern die Unterkünfte am Europa-Park in Rust – am Rand der Looping- und Wildwasserbahn-Welt. Dabei spielte Europa als Standort der Freizeitpark- und Vergnügungsindustrie lange eine Nebenrolle. Dass mit dem „Bakken“ der älteste Freizeitpark der Welt in Dänemark steht, verhinderte nicht, dass Amerika im 20. Jahrhundert zunehmend zum Kernland der Branche wurde. Der Internationale Verband der Freizeitpark- und Vergnügungsindustrie (IAAPA), vor 99 Jahren in Übersee gegründet, eröffnete sein erstes regionales Büro in Europa erst 2007.

          „Freizeitparks sind in der amerikanischen Gesellschaft viel stärker verwurzelt als hier“, sagt Jakob Wahl, der stellvertretende Vorsitzende des IAAPA-Ablegers für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (IAAPA EMEA). „Auch wenn es in Europa einige Rekord-Achterbahnen gibt, so ist das Geschäft in Amerika stärker auf höher, schneller, weiter aus.“ Auf dem alten Kontinent verfolge man dagegen ein ganzheitliches Konzept. „In Europa geht es eher darum, die Anlagen in Geschichten einzubinden und das schön zu gestalten“, sagt Wahl, der selbst vier Jahre als Referent der Geschäftsführung und Unternehmenssprecher im Europa-Park gearbeitet hat. Die europäische Superlativmüdigkeit sieht er als Reaktion auf die unterschiedlichen Ansprüche der Freizeitparkbesucher, nicht als Zeichen von Mangel – zumal sich vor allem Deutschland, Italien, die Beneluxländer und England einer starken Herstellerindustrie rühmen dürfen: „Fast alle großen Lieferanten von Stahlachterbahnen auf der Welt kommen aus europäischen Ländern“, sagt Wahl. „Und deren Produkte sind auch in Amerika begehrt.“

          Dass die Branche mittlerweile auch in Europa wieder einen hohen Stellenwert genießt, zeigt der Zulauf zur Euro Attractions Show (EAS), der zweitgrößten Messe der Welt für die Freizeitwirtschaft. Zog diese 2009 knapp 7000 Fachbesucher, werden zur diesjährigen EAS in Berlin bis zu 13000 erwartet. Genügten in den ersten Jahren bis 2012 noch drei Messehallen, brauchen die etwa 500 Aussteller, die vom 26. bis 28. September in der Bundeshauptstadt erwartet werden, schon sechs. Dass die EAS in Berlin stattfindet, ist für Jakob Wahl, der die Messe von Anfang an mit entwickelt hat, auch der Rolle der Stadt als „Hotspot“ der Freizeitindustrie geschuldet. Mit dem Berliner Zoo und seiner Panda-Ausstellung, der Badeerlebniswelt Tropical Island oder dem Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds biete Berlin vor allem Messebesuchern aus Übersee Attraktionen über die klassischen Freizeitparks hinaus.

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