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Wilke-Wurstskandal : Den Lücken der Wurst-Kontrolle ausgeliefert

Es geht um die Wurst: Nicht entdeckte Verunreinigungen können lebensgefährlich sein. Bild: Keystone Schweiz/laif

Der Skandal um den Wursthersteller Wilke könnte eine Chance sein. Denn er hat den Reformbedarf in der Lebensmittelüberwachung abermals offengelegt.

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          Die Zeit der schlechten Wursttheken-Witze ist schon wieder vorbei. „200 Gramm Salami mit Pfefferrand, bitte“, bestellt der Kunde. Anfang des Monats lief das Verkaufsgespräch an der Theke eines Frankfurter Supermarktes noch anders. Selber Kunde, ähnliche Bestellung – nur „ohne Gammelfleisch“. Die Verkäuferin tat, kurz nach Bekanntwerden des Lebensmittelskandals beim Wursthersteller Wilke, als höre sie die süffisante Bemerkung zum ersten Mal. Der Kunde hingegen tat, als überlege er ernsthaft, seinen Speiseplan zu überdenken. Beide haben geflunkert. Irgendwie.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Drei Wochen nachdem die im hessischen Twistetal-Berndorf ansässige Wurstwarenhersteller Wilke aufgrund eines mutmaßlich von ihren Waren ausgelösten Listeriose-Ausbruchs geschlossen wurde, scheint der Lebensmittelskandal vielen Verbrauchern den Appetit nur kurzzeitig verdorben zu haben. „So etwas tangiert viele nicht mehr“, sagt Marc Berringer, Professor für Biochemie an der Hochschule Fulda. Fehlende Grunderschütterung begründet er mit einem Mangel an Alternativen. Weil sich kaum einer komplett selbst versorgen könne, bleibe den Verbrauchern nichts anderes übrig, als zu vertrauen. Darauf, dass Missstände angeprangert werden, und vor allem darauf, dass das System der Lebensmittelüberwachung funktioniert.

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