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Wiesenhof-Chef Wesjohann : „Den Menschen fehlt einfach das Geld fürs Bio-Huhn“

  • Aktualisiert am

12.000 Küken in einem Wiesenhof-Betrieb in Niedersachsen. Die Puten sind 12 Tage alt und werden in etwas mehr als drei Monaten geschlachtet Bild: Bischof, Franz

Die Deutschen lieben Wiesenhof - zumindest essen sie in jedem Jahr Millionen seiner Hähnchen. Andererseits gibt es heftigen Protest. Peter Wesjohann, Chef des Geflügelkonzerns, sprach mit der F.A.Z. über Tierschutz, Bio und Jürgen Trittins großen Appetit auf Hähnchen

          Herr Wesjohann, wenn die Buddhisten Recht hätten und der Mensch, wenn er nicht vortrefflich gelebt hätte, als Tier wiedergeboren würde - wäre das nicht für Sie und uns alle ganz ärgerlich?

          Also ich bin katholisch erzogen worden und glaube da nicht dran. Aber wenn es doch so wäre, möchte ich am liebsten in Deutschland wiedergeboren werden. Hier geht es den Tieren besonders gut.

          Auch als Huhn?

          Ja, auch als Huhn.

          Auch im Wiesenhof?

          Auch im Wiesenhof. Von den Kontrollstandards sind wir sicher an der Spitze in Europa und auch auf der Welt.

          Möchten Sie lieber als Bio-Huhn leben oder als konventionell gehaltenes?

          Da müssen Sie eigentlich die Hühner fragen. Beide haben eine Lebensqualität.

          Haben Sie auch schon mal Mitleid mit den Hühnern im Schlachthof empfunden, die nach 30 Tagen filetiert werden?

          Das Leben ist vergänglich, der Tod gehört dazu. Das ist selbst bei uns Menschen so. Wir und unsere selbständigen Landwirte behandeln die Tiere vernünftig. Weil wir bodenständig sind, weil wir unternehmerisch wirtschaften.

          Wiesenhof ist ein hoch arbeitsteiliger Industriekonzern. Darf man so ein Huhn als Industrieware behandeln - auch als Katholik, als Christ?

          Ja, es ist erlaubt, das Tier zu vermarkten und es dem Menschen, auch vielen Menschen, als Nahrungsgrundlage zugänglich zu machen. Das ist seit jeher so. In unseren Betrieben wird zudem nichts weggeworfen: Federn, Knochen, Blut werden etwa zu Tierfutter, selbst das Fett aus den Schlachthäusern nutzen wir - als Kraftstoff für unsere 700 Lastwagen. Alle unsere Betriebe sind umweltzertifiziert. Wer genau hinsieht müsste erkennen, dass wir nicht so verkehrt denken.

          Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe

          Was ist los in Ihrem Schlachthof in Möckern, schimmelt es da immer noch?

          Möckern war immer ein hygienisch einwandfreier Betrieb. Sie sind eingeladen, fahren Sie hin. Neulich war die örtliche Presse da, sie waren ganz erstaunt, was darüber alles geschrieben worden war. Der Schlachthof wurde über Jahre immer in unabhängigen Zertifizierungen mit Bestnoten bewertet. Schimmel gab es vor Jahren nur einmal im Abfallbereich.

          Sie sind seit drei Jahren Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört. Früher berichteten die Zeitungen über Sie wie über jedes andere Wirtschaftsunternehmen. Seit ersten Fernsehbildern, die schreckliche Bilder von leidenden Puten zeigten, gibt es fast nur noch kritische Berichte. Warum, glauben Sie, haben die Journalisten früher ihre Arbeit nicht gemacht?

          Es gab auch vorher schon kritische Journalisten. Wir haben in den vergangenen 13 Jahren, seitdem ich im Familienunternehmen mitarbeite, etlichen Journalisten die Produktionskette gezeigt. Dann sind kritische, aber trotzdem noch sachliche Dokumentationsfilme gezeigt worden. Das war fair. In den vergangenen beiden Jahren war das anders. Wir sind als einzige Marke der Fleischbranche mit einem sehr hohen Bekanntheitsgrad die ideale Zielscheibe. Teile der Medien wollen alle Missstände an uns festmachen.

          Sie sprechen von einer Hexenjagd. Aber all die schrecklichen Bilder von kranken Puten und Hühnern sind doch echt.

          Das kann man nicht akzeptieren, wir bedauern diese Dinge selbst ganz stark. Und jeder Landwirt bedauert, das es zu solchen Einzelfällen kommt. Wir nehmen das sehr ernst und haben die intensiven Kontrollen nochmals verstärkt. Aber wir haben 5.300 Mitarbeiter und knapp 1.000 Landwirte und 8.000 Ausstallungen im Jahr - dass da Einzelne mal einen Fehler machen, kann ich nicht ausschließen.

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