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Wiederaufbau des World Trade Center : Jede Woche ein Stockwerk

  • -Aktualisiert am

So soll der Neubau einmal aussehen: Noch ist es ein weiter Weg Bild: AP

Der Wiederaufbau des World Trade Center macht endlich Fortschritte. Aber es gibt immer noch eine ganze Reihe von Herausforderungen. Ein Teil der Gebäude wird nur gebaut, wenn auch die Vermietung sichergestellt ist.

          Der Aufzug ruckelt ein wenig, als er außen am Rohbau des World Trade Center nach oben saust. An einer Wand der Kabine kleben Logos von Gewerkschaften und bunte Plaketten vom Sonnenparadies Key West in Florida. An der Wand gegenüber hängt ein schwarzweißes Blatt Papier. Es zeigt einen Seeadler vor Sternenbanner, der den Kopf des kürzlich von einem amerikanischen Kommando getöteten Terroristen Usama Bin Ladin im Schnabel hält. „Die Leute waren ganz verrückt, als Bin Ladin erwischt wurde“, erzählt Patty Lorenz, eine Frau mit neongrüner Sicherheitsjacke, Baseballkappe und Sonnenbrille, die den Aufzug bedient. Bin Ladin war verantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September 2001, die das alte World Trade Center zerstörten und fast 3000 Menschen das Leben kosteten. Patty Lorenz gehört zu den 3000 Arbeitern und Ingenieuren, die zehn Jahre später das neue World Trade Center bauen. „Es ist der großartigste Job der Welt“, findet sie.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Kurz vor dem Jahrestag der Anschläge herrscht Aufbruchstimmung auf der gigantischen Baustelle im Süden Manhattans. „Wir bauen ein Stockwerk pro Woche“, sagt James Keane, ein aus Irland stammender Mann mit grauem Bart, der seit 35 Jahren für die Hafenbehörde von New York und New Jersey arbeitet und für die Sicherheit an dem Projekt verantwortlich ist. Die Hafenbehörde, der das Gelände gehört, baut das Hauptgebäude „One World Trade Center“, wo Patty Lorenz den Aufzug bedient. Drei weitere Türme werden vom Immobilienentwickler Larry Silverstein gebaut, der Pächter des zerstörten World Trade Center gewesen war. „One World Trade“ ragt nun schon 67 Stockwerke in den Himmel von Manhattan. Die Hälfte des Gebäudes ist bereits mit Glas verkleidet. Einer von Silversteins neuen Türmen ist 24 Stockwerke hoch.

          Zwei Jahre verspätet

          Vor fünf Jahren war die Baustelle an Ground Zero noch Anlass für bissige Bemerkungen des damaligen Bürgermeisters von New Orleans gewesen. „Ihr Typen in New York könnt ein Loch im Boden nicht reparieren“, hatte Ray Nagin gesagt. Zwar leistete er umgehend Abbitte und sprach fortan von einem „heiligen Ort nicht entwickelten Zustands“. Aber es war New Yorkern klar, dass Nagin nicht ganz unrecht hatte. Denn um den Wiederaufbau des World Trade Center gab es ein nicht enden wollendes Gerangel - um das Design, die Finanzierung, die Zahlung der Versicherer für den Schaden, die Verantwortung für den Bau, um die Gedenkstätte für die Opfer. Die Finanzkrise 2008 hat das alles nicht einfacher gemacht. Die Krise stellte den Bedarf an großen Büroflächen an der Wall Street in Frage. Früher erwarteten die Beteiligten einen Abschluss des gesamten Baus bis 2013. Jetzt ist frühestens zwei Jahre später damit zu rechnen.

          Blick auf heiligen Boden: Am Ground Zero tut sich endlich etwas

          Für wohl niemanden, der täglich durch die Sicherheitsdrehtüren im Bauzaun Ground Zero betritt, handelt es sich um eine normale Baustelle. Sicherheitschef Keane ist auf der anderen Seite des Hudson-Flusses in New Jersey aufgewachsen und hat als Kind gesehen, wie die Zwillingstürme des ersten World Trade Center Ende der sechziger Jahre entstanden. Auf seinem weißen Schutzhelm klebt ein Aufkleber für das „9/11 Memorial“ - die Gedenkstätte, die in der Mitte der Baustelle entsteht. „United by Hope“ - vereint durch Hoffnung - steht darauf. „Jeder von uns hier kennt jemanden, der bei den Anschlägen umgekommen ist“, sagt Keane, der selbst auf dem Weg zu einer Besprechung im World Trade Center war, als die Flugzeuge einschlugen. „Wir haben eine Menge Kollegen verloren. Es ist mir wichtig, beim Wiederaufbau mitzumachen“, sagt er.

          Immobilienprojekt in ungewöhnlicher Größenordnung

          Trotz dieser Emotionen ist es zum Teil doch ein normales Immobilienprojekt, wenn auch in ungewöhnlicher Größenordnung. Der Hauptturm, der 2013 fertig werden soll, wird mit 104 Stockwerken und 541 Metern das größte Gebäude in den Vereinigten Staaten werden. Die anderen drei geplanten Türme sollen jeweils mehr als 70 Stockwerke zählen. Die Kosten für das Projekt werden derzeit auf 15 bis 20 Milliarden Dollar geschätzt. „Wir geben 160 Millionen Dollar pro Monat aus“, sagt Steven Plate, der für die Hafenbehörde den gesamten Bau verantwortet. Ein Fünftel der gesamten Bautätigkeit in New York finde derzeit am Ground Zero statt.

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