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Nicht die Dax-Konzerne : Familienunternehmen sind der Jobmotor Deutschlands

Endmontage elektronischer Druckmessgeräte: Besuch bei dem Familienunternehmen Wika in Klingenberg Bild: Rainer Wohlfahrt

Nicht nur die Großen zählen: Eine Studie bestätigt die Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Wirtschaft. Dieser fühlt sich von der Bundesregierung unfair behandelt.

          2 Min.

          Der Mittelstand prägt nach wie vor die deutsche Wirtschaft. 90 Prozent der Unternehmen werden von Familien kontrolliert, 86 Prozent der privatwirtschaftlichen Unternehmen sind eigentümergeführte Familienunternehmen. Das geht aus einer Untersuchung des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim hervor, die an diesem Montag veröffentlicht werden soll. Nach der Studie im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen haben die Unternehmen im Durchschnitt weniger als zehn Mitarbeiter. Doch sorgen sie in der Privatwirtschaft für mehr als die Hälfte der Jobs und des Umsatzes.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Auch wenn sich die Zahlen der Forscher im Vergleich zur vorangegangenen Studie nicht dramatisch verändert haben, ist die Erhebung politisch brisant – verfolgt doch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ein Konzept, das stark auf nationale Champions nach dem Motto „Größe zählt“ setzt. Altmaier erwähnt in seiner „Nationalen Industriestrategie 2030“ Konzerne wie Siemens, Deutsche Bank, die Autoindustrie oder Thyssen-Krupp.

          Nach der aktuellen Untersuchung haben die 500 größten Familienunternehmen Deutschlands, zu denen Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe (Lidl), die Robert Bosch GmbH und die Aldi-Gruppe gehören, ihre Beschäftigung in Deutschland von 2007 bis 2016 um 23 Prozent auf 2,54 Millionen ausgeweitet. Zum Vergleich: Die 27 Dax-Unternehmen, die keine Familienunternehmen sind, haben in dieser Zeit die Beschäftigung nur um 4 Prozent gesteigert.

          Söder für Entlastung

          „Familienunternehmen sind in schwierigen Zeiten der Stabilitätsanker der deutschen Volkswirtschaft“, betonte Brun-Hagen Hennerkes, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Familienunternehmen. China, Amerika und Frankreich beneideten Deutschland um seine Familienunternehmen. „Wir müssen diese einzigartige Unternehmenslandschaft bewahren“, mahnte er. Die Familienunternehmen verlangten keine Subventionen und wünschten keine Bevorzugung, aber faire Wettbewerbsbedingungen. „Hier gibt es erheblichen Handlungsbedarf.“ Schon im aktuellen „Länderindex Familienunternehmen“ sei Deutschland vor allem wegen vergleichsweise hoher Steuern und Energiekosten um vier Plätze auf Rang 16 zurückgefallen – unter 21 untersuchten Industrienationen.

          Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich am Wochenende für eine spürbare Entlastung des Mittelstands aus. Die Wirtschaft werde schwächer. Berlin sollte nicht warten, bis es Notmaßnahmen für die Konjunktur leisten müsse. „Jetzt brauchen wir klare Anreize für weitere Investitionen in Deutschland.“ Notwendig sei eine andere Steuerpolitik. Der Mittelstand müsse entlastet, der Solidaritätszuschlag abgebaut, die Unternehmensbesteuerung deutlich gesenkt werden. Käme noch die steuerliche Förderung für Forschung und Entwicklung hinzu, wäre das ein starkes Signal für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, sagte Söder der „Welt am Sonntag“.

          Konkret sprach er sich dafür aus, die Steuerlast der Unternehmen um 5 Prozentpunkte zu senken. „Das sollte dadurch geschehen, dass die Gewerbesteuer zumindest teilweise auf die Körperschaftsteuer angerechnet werden kann.“ Damit käme man wieder auf eine im internationalen Vergleich vernünftige Belastung.

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