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Flutschäden bei Unternehmen : Wenn der Fluss durch die Fabrik schwappt

Hochwasser im Fabrikgebäude von Pfeifer & Langen in Euskirchen Bild: DJM Communication

Der Zuckerhersteller Pfeifer & Langen wurde vom Hochwasser überschwemmt. Jetzt spenden die Mitarbeiter ihre Überstunden – und der Chef zieht eine erste Schadensbilanz.

          4 Min.

          Normalerweise fließt die Erft hinter dem Werk des Zuckerherstellers Pfeifer & Langen in Euskirchen vorbei. In der vergangenen Woche schwappte sie mitten durch die Fabrik. Als in der Nacht zu Donnerstag der vorher aufgestaute Damm aus Schutt und Bäumen brach, stand das Werk gut anderthalb Meter unter Wasser.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Weil es in der Nacht passiert ist, hatten wir auf den Maschinen keine Spannung. Sonst wäre es ein absoluter Totalschaden geworden“, sagt Michael Schaupp, einer von zwei Geschäftsführern von Pfeifer & Langen. Das Familienunternehmen aus Köln gehört zu den größten Zuckerproduzenten Europas, mit gut 1500 Mitarbeitern hat es im vergangenen Jahr gut 860 Millionen Euro Umsatz erzielt.

          Es ist eines von vielen Unternehmen, die in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz von der Flut betroffen waren. In Stolberg nahe Aachen wurde ein Werk des Kupferherstellers Aurubis überschwemmt, in der Eifel ein Druckgusswerk des Baugeräteherstellers Stihl. Auch Dutzende Mittelständler, vor allem aus dem Maschinenbau, die ihre Werke in der Nähe von kleinen Flüssen haben, sind vom Hochwasser stark betroffen.

          Ein Krisenteam gab’s schon wegen Corona

          Für Pfeifer & Langen – weit bekannt mit seinem Logo, das den zwei Domspitzen nachempfunden ist – sind auch an den anderen Standorten im Rheinland, ob es in Jülich, Elsdorf oder eben Köln war, viele Mitarbeiter betroffen. Genutzt hat dem Unternehmen das Krisenteam, das sich ohnehin aufgrund der Corona-Pandemie alle zwei Tage abstimmt. Parallel dazu hat das Familienunternehmen ein Gremium aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern eingesetzt.

          Michael Schaupp, Pfeifer & Langen, Euskirchen
          Michael Schaupp, Pfeifer & Langen, Euskirchen : Bild: DJM Communication

          „Wir können ganz langsam die Puzzleteile zusammensetzen, um zu bewerten, wie wir helfen können“, sagt Schaupp, der das Unternehmen seit fünf Jahren leitet. Ausgehend von der Belegschaft sind schon 2000 Überstunden gespendet worden, damit sich betroffene Mitarbeiter leichter freinehmen können, auch Urlaubstage und Gleitzeit werden von den Kollegen aus den fünf Fabriken im Land abgegeben. Außerdem wollen einige Mitarbeiter Teile vom Gehalt spenden.

          Die Hilfsbereitschaft ist riesig

          Parallel läuft die Aufbauarbeit im Werk in Euskirchen. Andere Standorte haben Schlosser und Elektriker entsandt. In der kommenden Woche soll die Fabrik wieder produktionsfähig sein. „Für mich ist das immer noch ein sehr bedrückendes Gefühl, die überschwemmten Gebiete zu sehen“, sagt Schaupp. „Aber die Situation zeigt auch ein unglaubliches Zusammenrücken und eine Identifikation mit dem Unternehmen. Die Hilfsbereitschaft in der Belegschaft und darüber hinaus ist riesengroß.“

          Das Werk in Euskirchen ist strategisch wichtig, in der Region werden viele Zuckerrüben angebaut, die Pfeifer & Langen für seine Produktion braucht. „Wenn ein Werk ausfällt, ist das ein gewaltiger administrativer Aufwand. Zucker ist nicht gleich Zucker, das muss allokiert werden, damit es auf die Anforderungen des Kunden passt“, sagt Schaupp. Die Lieferungen konnten jedoch über andere Werke aufgefangen werden.

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