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Bei Tönnies und Co. : Wie Subunternehmer die Strippen ziehen

Ein Fleischer zerlegt ein Teil eines Schweins (Symbolbild). Bild: dpa

In der Fleischindustrie sind Subunternehmer wichtig für den Betrieb. Das Aus für Werkverträge wird das System verändern – doch am Ende ist es noch nicht.

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          Die Rollläden des Flachbaus in dem kleinen Gewerbegebiet in Rheda-Wiedenbrück sind heruntergelassen. An der mit Lamellenvorhängen verhängten Eingangstür kleben Zettel auf Rumänisch und Polnisch, auf einem ist das Logo der nahen Fleischfabrik von Tönnies abgebildet: „Mehr als zwei Leute im Auto? Maske tragen“ steht darauf. Krankschreibungen soll man bitte einwerfen, die Telefonnummer des ärztlichen Notdienstes und die Öffnungszeiten des Krankenhauses sind ebenfalls ausgehängt. „Achtung!!! Das Büro ist bis auf weiteres geschlossen. Alle Angelegenheiten sind telefonisch oder per E-Mail zu erledigen“, heißt es knapp. Im Hinterhof parken dennoch ein paar Kleintransporter, ihre Fahrer möchten lieber nicht reden. Sie arbeiten für die DSI GmbH, einen der Subunternehmer des größten Fleischkonzerns Tönnies.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Einem der Gesellschafter laut Bundesanzeiger gehört auch ein Immobilienunternehmen in Gütersloh, die Subunternehmer werben nicht nur Fachkräfte an, sie besorgen ihnen auch die Wohnungen und organisieren den Transport zum Werk – was sie sich freilich extra bezahlen lassen. DSI ist eines von drei der 25 Subunternehmen, die Tönnies nennt, wenn man das Unternehmen nach den Vertragspartnern fragt. Besselmann gehört auch zu den größten drei, nicht weit entfernt vom Tönnies-Werk in Rheda sitzt das Unternehmen in Beelen in Ostwestfalen. Der Rasen ist akkurat gestutzt, ein Springbrunnen und mehrere Fahnen machen einen seriöseren Eindruck, als es andere Subunternehmer tun. Doch auch Besselmann wurde zuletzt scharf kritisiert dafür, wie das Unternehmen seine Werkvertragler behandelt und wie viel Geld es ihnen abknöpft. Berüchtigt ist MGM, das ein Rumäne namens Dimitru Miculescu leitet, der in seiner Heimat auch in seinem eigenen lokalen Fernsehsender um Arbeiter für die deutschen Fleischfabriken wirbt. Sein Internetauftritt, auf dem er bis vor kurzem noch für die Personalgewinnung getrommelt hat, ist urplötzlich nicht mehr erreichbar.

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