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Kim Jong-un : Wie Nordkoreas Machthaber an seine Luxusautos kommt

Nordkoreas Machthaber KIm Jong-un sieht man regelmäßig bei offiziellen Empfängen in Limousinen vorfahren. Bild: Picture-Alliance

Eigentlich ist der Export von Luxusgütern nach Nordkorea verboten. Trotzdem sieht man Machthaber Kim Jong-un bei offiziellen Empfängen regelmäßig in Limousinen vorfahren. Eine Forschergruppe will das Rätsel gelöst haben.

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          Am 14. Juni 2018 stach in Rotterdam ein Frachter in See, an Bord zwei gepanzerte Mercedes-Luxuslimousinen mit der Beschreibung S600 Long Guard zum Stückpreis von rund 500.000 Euro. Nach einer langen Reise über Dalian in China, Osaka in Japan und Busan in Südkorea verliert sich die Spur der beiden Container. Von Busan aus transportierte das Schiff DN5505 unter der Flagge Togos die Container angeblich Richtung Nachodka in Russland.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Doch ob das Schiff dort je ankam ist unsicher. Es gibt keine Belege, dass die DN5505 in den kommenden Wochen einen russischen Hafen angelaufen hat. Östlich von Südkorea verschwand am 1. Oktober das satellitengestützte Ortungssignal des Schiffs. Zugleich flogen Anfang Oktober nach Medienberichten drei schwere Transportflugzeuge der nordkoreanischen Air Koryo von Pjöngjang ins russische Wladiwostok. Drei Monate später, im Januar 2019, wurde der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un in Pjöngjang erstmals in einer Limousine des Typs Mercedes-Maybach S600 Guard gesichtet, auf dem Weg zur Zentrale der Arbeiterpartei.

          Wer sich schon immer fragte, wie Kim an die ausländischen Luxuslimousinen kommt, mit denen er bei den Gipfeltreffen mit den Präsidenten Amerikas und Südkoreas vorfährt, der hat hier eine plausible Geschichte. In langwieriger Detailrecherche zusammengetragen und jetzt in einer Studie veröffentlicht hat sie das Center for Advanced Defense Studies, eine in Washington ansässige Forschungsgruppe. Das Institut klagt darüber, dass die Kontrolle des schon 2006 von den Vereinten Nationen beschlossenen Exportverbots von Luxusgütern nach Nordkorea „jämmerlich unzureichend“ sei. In den Jahren 2015 bis 2017 waren nach der Studie 90 Länder in die Ausfuhr von Luxusgütern nach Nordkorea involviert.

          Die Hersteller haben keine Schuld

          Die laxen Exportkontrollen werfen andere Fragen auf. Wenn Container mit Luxuslimousinen nach Pjöngjang geschmuggelt werden können, dann ist der Weg auch für militärische Spezialteile offen. Diverse Unternehmen, die in den Transport der Maybachs involviert waren, sind nach der Studie auch in Verstöße gegen andere Lieferverbote nach Nordkorea verwickelt. Allein von Russland aus wurden in dem Zeitraum in 82 Lieferungen 803 Luxusfahrzeuge nach Nordkorea verbracht. Das haben die Autoren auf Basis von Handelsstatistiken zusammengetragen.

          Andere Statistiken deuteten darauf hin, dass noch weit mehr Lieferungen aus China kamen, heißt es. Als Luxusautos gelten dabei nicht nur Maybach-Limousinen. Über Russland kamen unter anderem Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz, Toyota, Lexus oder Nissan. Das Gros entfällt auf den russischen Hersteller UAZ. Als Herkunftsländer der Lieferungen wurden unter anderem Deutschland, Japan, Thailand und Russland genannt. Die Studie weist den Autobauern keine Schuld zu. Die Hersteller können nicht überblicken, wer ihre Autos wohin weiterverkauft. Die Autoren kritisieren generell die laxe Kontrolle der Sanktionen gegen Nordkorea. Ein Grund sei, dass nur 13 Länder eine Liste von Luxusgütern erstellt hätten, deren Ausfuhr nach Nordkorea unterbunden gehöre.

          Luxuslieferungen nach Nordkorea sind nicht nur für Machthaber Kim bestimmt. Ökonomen in Südkorea sagen, dass das Regime solche Güter auch ins Land lasse, um die Nordkoreaner ruhig zu halten, die an den geduldeten Märkten oder anderweitig zu Geld gekommen seien. Nach Schätzungen handelt es sich dabei um 1 bis 2 Prozent der nordkoreanischen Bevölkerung oder bis zu 500.000 Menschen. Das verschwundene Schiff DN5505, das der auf den Marshall-Inseln registrierten Gesellschaft Do Young Shipping gehört, tauchte nach 17 Tagen, am 18. Oktober 2018, wieder auf und lief wenig später den Hafen Pohang in Südkorea an. An Bord waren 2688 Tonnen Anthrazitkohle angeblich aus Russland.

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