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Interview mit Stefan Oschmann : „Gentechnik heilt schwerkranke Kinder“

Stefan Oschmann, Chef des Chemie- und Pharmakonzerns Merck KGaG.

Wir kennen das Prinzip. Posten die Forscher dann auch auf Facebook, was sie bei Ihnen gekauft haben?

Das noch nicht. Aber in Zukunft, und jetzt sind wir wieder beim Punkt, sollen die Forscher auf unserer Plattform die Daten einstellen können, die sie erhoben haben, damit Kollegen im Rest der Welt sie nutzen können.

Im Online-Kaufhaus bietet Merck auch das Zubehör an, das man für eine neue Gentechnik-Methode braucht. Da haben viele Bedenken.

Ich sehe in Crispr/Cas, dieser neuen Technik, viel positives Potential. Wir können damit künftig Kinder heilen, die an entsetzlichen Erbkrankheiten leiden. Oder neue Therapien erforschen, von denen wir sonst nur träumen könnten. Andererseits kann man damit aber zum Beispiel auch in menschliche Embryonen eingreifen. Da muss man Grenzen ziehen. Wir haben uns entschieden, das nicht zu unterstützen.

Das Zubehör für Crispr gibt es schon für dreistellige Dollarbeträge. Wie wollen Sie kontrollieren, was Ihre Kunden damit alles anstellen?

Hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nirgends. Ich glaube allerdings nicht, dass es hier weniger sicher ist als bei anderen Technologien. Wir haben ein System der Akkreditierung auf unserer Website. Wir prüfen, ob unsere Kunden aus verlässlichen Institutionen kommen. Und wenn insgesamt die Preise für diese Technologie sinken, dann führt das zu einer Demokratisierung der wissenschaftlichen Forschung.

Wer versorgt uns künftig mit Medikamenten: Sind es die alten Pharmakonzerne? Oder Google und Co.?

Wenn Sie sich die bisherigen Erfolge der Technologiefirmen auf diesem Gebiet anschauen, ist das noch nicht überragend. Die Tech-Firmen arbeiten ja schon lange daran. Aber sie haben zweierlei unterschätzt. Erstens die extrem starke Regulierung des Medizinbereichs. Da muss man sich auskennen. Das ist etwas anderes, als einen Pizzalieferservice aufzubauen. Zweitens die Kundenstruktur. Die meisten unserer Kunden sind Krankenkassen oder Behörden. Da haben wir sehr viel mehr Erfahrung.

Was nützt Ihnen das?

Datenexperten sind erst einmal agnostisch. Denen ist egal, worum es in einer Anwendung geht, ob sie damit Ölbohrungen optimieren oder die Lieferkette für Krebsmedikamente in Guatemala. Wenn man dann mit Regulierungsbehörden zusammenarbeiten soll, prallen zwei Welten aufeinander.

Wer hat es leichter, den Vorsprung des Wettbewerbers aufzuholen: der Mathematiker im Crashkurs Medizin? Oder der Biologe, der sich das digitale Handwerkszeug draufschafft?

Der, dem es gelingt, das biomedizinische Wissen auf die nächste Ebene zu bringen. Der klassische Naturwissenschaftler versucht, jede Art von Beeinflussung aus seinen Daten herauszuhalten. Wenn Sie am wolkigen Himmel eine Burg oder Schafe sehen, dann hat das für den Naturwissenschaftler nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Für den ist die Mustererkennung unwissenschaftlich, am Wolkenhimmel genauso wie bei einem Gewebeschnitt. Der Datenanalyst dagegen sagt: Die Muster sind vielleicht doch relevant. Aber er muss lernen, wie man für die Arzneimittelentwicklung eine doppelt verblindete Studie aufbaut, die eben möglichst alles vermeidet, was ich gerne in den Daten sehen möchte, den sogenannten Bias.

Was haben Sie von den Mustern, die der Datenakrobat erkennt?

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