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Deutsche Unternehmen : Schlechte Geschäfte in China

Leben auf kleinem Fuß: Die Angst vor einer zweiten Welle dämpft die Konsumlust der chinesischen Verbraucher. Bild: Reuters

Der Umsatz deutscher Unternehmen in China sinkt stark. Ihr größtes Problem: Ausländische Angestellte dürfen wegen der Corona-Pandemie nicht ins Land einreisen.

          2 Min.

          Deutsche Autohersteller wie Volkswagen und Daimler versuchen den Eindruck zu erwecken, als laufe die Wirtschaft auf ihrem größten Markt, in China, schon fast wieder so gut wie vor dem Ausbruch des Coronavirus. Die dort tätigen deutschen Unternehmen sind hingegen pessimistischer, was die Erholung im Reich der Mitte angeht.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          So geben in einer Umfrage der Auslandshandelskammer in China 55 Prozent an, dass sie im ersten Halbjahr voraussichtlich einen Rückgang der Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent oder mehr zu verzeichnen haben. 27 Prozent sagen, ihr Umsatz sei um weniger als 10 Prozent gesunken. Das ist ein weitaus schlechteres Ergebnis, als die Unternehmen noch im vergangenen Februar erwartet hatten, als die Epidemie in China auf ihrem Höhepunkt war und die Regierung der Wirtschaft einen Stillstand verordnet hatte.

          Besorgniserregende Umsatzeinbrüche

          Anders als die Manager damals angenommen hatten, ist nicht die Rückkehr zu normalen Produktionsbedingungen das Problem. Die deutschen Unternehmen leiden stark darunter, dass zwischen 2000 und 2500 ihrer nichtchinesischen Angestellten immer noch nicht ins Land zurückkehren dürfen. Obwohl die Europäische Union angeboten hat, Chinesen wieder einreisen zu lassen, hält China seine Grenzen weiterhin für die allermeisten Ausländer geschlossen. Wer es doch schafft, eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise zu erhalten, muss für zwei Wochen in Quarantäne. Dafür mussten die Ausländer bisher bis auf ganz wenige Ausnahmen in staatlichen Hotels oft minderer Qualität zwei Wochen lang in einem Zimmer ausharren.

          Fast drei Viertel der 227 Unternehmen, die die Kammer in der zweiten Junihälfte befragt hat, geben an, dass ihre Produktionsbedingungen im Großen und Ganzen wieder auf das Normalmaß von vor der Krise zurückgekehrt sind. Die chinesischen Arbeiter und Angestellten, die noch Monate nach dem Lockdown in vielen Fällen in ihren Heimatorten überall im Land festsaßen, sind an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt.

          Was weiterhin fehlt, ist die Nachfrage nach den deutschen Produkten. Die Chinesen halten ihr Geld zusammen, schließlich hängt die Gefahr einer zweiten Viruswelle wie ein Damoklesschwert über dem Land. „Besorgniserregend“ nennt die Kammer die Umsatzeinbrüche und erwartet, dass die Rückkehr zu den Verkaufszahlen von vor der Krise „wahrscheinlich auf das nächste Jahr verschoben“ sei.

          In der Folge gibt jedes zweite Unternehmen an, dass es Entscheidungen über Investitionen in China verschiebt. Das ist nach Informationen der F.A.Z. schon allein deshalb der Fall, weil die deutschen Zentralen in der derzeitigen Krise im weit entfernten Reich der Mitte oft auf kein offenes Ohr für die Belange ihrer Tochtergesellschaften stoßen. Dort bleibt nichts anderes übrig, als auf Sicht zu fahren und abzuwarten. Das gilt auch für die vieldiskutierte Verlagerung der Produktion in andere Länder. Nur 6 Prozent der befragten Unternehmen gibt an, Kapazitäten aus dem Land abziehen zu wollen.

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