https://www.faz.net/-gqe-a4s3y

Harte Arbeit im Kiosk : Sechs Tage die Woche, 16 Stunden

Der Kiosk Limes in Frankfurt Bockenheim wird von seinem Besitzer liebevoll gepflegt. Bild: Aders, Hannah

Kiosk-Betreiber arbeiten hart für ein Einkommen, das oft kaum über dem Mindestlohn liegt. Dabei sind sie während Corona besonders wichtig für unsere Gesellschaft.

          4 Min.

          „Zigaretten kannst du vergessen“, klagt Nicolay. „Damit verdienst du so gut wie nichts.“ Er steht in Crocs und löchriger Steppjacke im Khan Kiosk in Frankfurt-Bornheim nicht weit von der Innenstadt entfernt und hat so wenig Kunden und so viel Zeit, dass er ins Grübeln geraten ist – über den Zustand der Welt im Allgemeinen und den Zustand des Kiosk-Geschäfts im Speziellen. Sein Nachname, sagt Nicolay, sei unwichtig, niemand würde den kennen. Drei Euro pro Stange Zigaretten, dreißig Cent pro Schachtel – mehr bleibe dem Kiosk-Betreiber jedenfalls nicht. Raucht er selbst noch, ist es gleich ein Minusgeschäft. Nicolay raucht viel. Wenn er reingeht, um sich einen Automatenkaffee plus fünf Würfelzucker zu holen, legt er die Kippe sorgfältig auf dem Geländer vor dem Geschäft ab. Das Rauchen gibt ihm Zeit, um über den Kapitalismus nachzudenken und darüber, wie schlecht die 26 Jahre Arbeit bisher für ihn gelaufen sind.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Sarah Obertreis

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nicolay war Dachdecker, Bauarbeiter, Fahrer für Saisonarbeiter, eine Art Buchhalter, und er hat einen Job gemacht, über den er nicht sprechen will – „war aber nichts mit Drogen“. Jetzt hilft er als rechte Hand vom Chef bei Khan Kiosk aus. Die vierte Filiale, in der er gerade steht, hat erst vor vier Monaten eröffnet. Manchmal fragt er sich, wieso er nicht einfach in Bulgarien geblieben ist. Der lukrativere Getränkeverkauf ist mit dem Sommer abgeklungen. Und die Souvenirs in Bembelform will derzeit niemand haben. In den vergangenen anderthalb Stunden haben vier Kunden drei Schachteln Zigaretten, ein Twix und eine Packung Orangenkekse bei Nicolay gekauft. Das macht 90 Cent und ein paar Zerquetschte.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung

          : blackweek20

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.

          First Daughter Ashley Biden : Ganz anders als Ivanka

          Die First Daughter Ashley Biden hat eine bewegte Vergangenheit. Die starke Schulter ihres Vaters strapazierte sie oft. Heute ist sie Sozialarbeiterin. Ganz auszuschließen scheint sie eine Beraterrolle im Weißen Haus aber nicht.
          Wohnungsbesichtigung? Nur mit einem guten Schufa-Score.

          Bonitätsprüfung : Schufa greift nun auch nach Kontoauszügen

          Der Spezialist für die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern will immer mehr Daten abgreifen. Dabei ist er dabei so intransparent wie kaum ein Unternehmen. Geht er nun zu weit?