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Deutsche Wohnen und Co. : Wie die Immobilienkonzerne von der Wohnungsnot profitieren

  • Aktualisiert am

Neubau-Wohnungen in Berlin-Kreuzberg Bild: dpa

Die deutschen Immobilienunternehmen können wegen steigender Mieten in Großstädten ihre Gewinne deutlich steigern. Der zweitgrößte deutsche Konzern kauft außerdem Pflegeeinrichtungen zu.

          Steigende Mieten haben dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen im ersten Halbjahr im laufenden Geschäft mehr Gewinn eingebracht. Die meisten Immobilien des Unternehmens liegen in Ballungszentren, wo es immer weniger bezahlbaren Wohnraum für geringere Einkommen gibt. Knapp drei Viertel der Wohnungen befinden sich in Berlin.

          In der ersten Jahreshälfte legte das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,5 Prozent auf 248,5 Millionen Euro zu, wie der MDax-Konzern aus der Hauptstadt am Dienstag mitteilte. Für das Gesamtjahr peilt die Deutsche Wohnen hier weiterhin rund 470 Millionen Euro an. Das wären fast neun Prozent mehr als 2017.

          Außerdem setzt der zweitgrößte deutsche Wohnungskonzern seine Expansion im Geschäft mit Pflegeheimen fort. Das Unternehmen erwarb 30 Pflegeeinrichtungen mit rund 4700 Pflegeplätzen, wie der Konzern mitteilte. Der Kaufpreis liege bei rund 680 Millionen Euro. „Mit über 12.000 Pflegeplätzen werden wir als einer der größten Eigentümer von Pflegeimmobilien in Deutschland von den positiven Makrotrends im Pflegemarkt stark profitieren“, sagte Konzernchef Michael Zahn.

          Mietpreisbindung verhindert teilweise Mietsteigerungen

          Die Deutsche Wohnen ist mit einem Bestand von rund 164.000 Wohnungen und Gewerbeimmobilien nach Vonovia die Nummer zwei auf dem Markt für Wohnimmobilien. Auch andere Immobilienkonzerne hatten in der vergangenen Woche glänzende Zahlen vorgelegt.

          Der Düsseldorfer Konzern LEG etwa steigerte seinen operativen Gewinn im zweiten Quartal um 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 82,2 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr strebt das MDax-Unternehmen einen operativen Gewinn von bis zu 323 Millionen Euro an. Im Jahresverlauf rechnet LEG im Schnitt mit um drei Prozent höheren Mieten als 2017. Allerdings kann das Unternehmen nach eigenen Angaben für gut ein Viertel seiner rund 130.200 Mietwohnungen wegen einer Mietpreisbindung nicht viel mehr verlangen.

          Mieterbund kritisiert Modernisierungsumlagen

          Auch das im MDax notierte Unternehmen TAG Immobilien steigerte seinen operativen Gewinn im zweiten Quartal auf 36,1 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahresquartal noch 30,9 Millionen Euro gewesen waren. Für das Gesamtjahr rechnen die Hamburger mit 143 Millionen Euro. Sie sind jedoch etwas anders aufgestellt als Vonovia oder die Deutsche Wohnen, die viele Wohnungen in Großstädten besitzen und auch eigene Wohngebäude bauen. TAG Immobilien verfolgt die sogenannte ABBA-Strategie: Das Unternehmen verkauft dabei Immobilien in Großstädten wie Berlin und kauft stattdessen im Umland zu. Der Immobilienkonzern investiert daher in A-Städten in B-Lagen und in B-Städten in A-Lagen.

          Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia legt seine Quartalszahlen erst Ende August vor. Der Mieterbund kritisiert, dass große Vermieter in Deutschland sich mit Modernisierungsumlagen eine goldene Nase verdienten. Für viele Mieter seien die Mieterhöhungen nicht tragbar, sie würden aus ihren Wohnungen verdrängt oder abhängig von Sozialleistungen. Vermieter können Modernisierungskosten mit 11 Prozent auf die Jahresmiete umlegen, unabhängig von der Gesamthöhe der Kosten. Union und SPD haben vereinbart, die Umlage auf 8 Prozent zu senken und den Mietaufschlag auf 3 Euro je Quadratmeter zu begrenzen.

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