https://www.faz.net/-gqe-9em36

Digitaler Marktplatz : Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt

  • -Aktualisiert am

Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt Bild: EPA

Internetkonzerne bauen eigene Bezahlsysteme auf – und sind damit Vorbild und Bedrohung zugleich. Die Deutsche Bank gibt sich aber nicht geschlagen und arbeitet an einer eigenen Finanzplattform, die mehr als die eigenen Produkte zeigen soll.

          Geoffrey Parker sieht so aus, wie man sich einen Professor von einer der Eliteuniversitäten an der amerikanischen Ostküste vorzustellen hat. Großgewachsen, ergraute Haare, sonore Stimme und ein einnehmendes Lachen. Trotz seines lockeren Auftritts gehört der Maschinenbau-Professor des Dartmouth College zu den Vordenkern der digitalen Transformation. Parker forscht derzeit als Gastprofessor am renommierten Massachusetts Institute of Technology im Rahmen von dessen Initiative für die Digitale Wirtschaft (IDE). Die Elite-Uni ist keine schlechte Quelle von Expertise für das, was Banken und auch Unternehmen in anderen Geschäftsfeldern nach Ansicht von Parker in Angriff nehmen müssen, wenn sie in der digitalen Welt Erfolg haben wollen: den kompletten Wandel ihres Geschäftsmodells.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In einem Konferenzraum der MIT Sloan School of Management sitzt Parker neben Markus Pertlwieser, dem Digitalchef der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden – mit Blick auf Boston und den Charles River. Die Deutsche Bank arbeitet seit geraumer Zeit mit dem MIT zusammen und hat die Kooperation mit dem IDE jetzt noch erweitert. Parker, der schon ein paar Mal in Deutschland war, soll helfen, die krisengeplagten Deutschbanker angesichts des raschen technologischen Wandels für einen tiefgreifenden Kulturwandel zu begeistern. „Manchmal ist es hilfreich, eine anerkannte Instanz von außen zu haben“, sagt Pertlwieser. Parker lacht. „Ich tue mein Bestes.“

          Traditionell produzieren die meisten Unternehmen eigene Produkte oder Dienstleistungen, im Fall von Banken etwa Festgeldkonten, und vertreiben sie über Kanäle wie Filialen an ihre Kunden. Ein Erfolgsmodell der Zukunft sieht anders aus. Dort betreiben Unternehmen einen digitalen Marktplatz, eine Plattform, auf der auch externe Produzenten mit Konsumenten zusammenkommen.

          Vorbild und gleichzeitig Bedrohung für die Traditionskonzerne ist der immense Erfolg von Internetunternehmen wie Amazon, Facebook oder dem Fahrdienstanbieter Uber – Plattformen, die meist keine eigenen Produkte herstellen, aber an der Vermittlung verdienen und aus dem täglichen Leben von Millionen von Menschen kaum mehr wegzudenken sind.

          Immer noch vergleichsweise stark reguliert

          Parker hat diesen grundlegenden Umbruch analysiert, weswegen sein Bestseller über diesen Trend auch „Platform Revolution“ heißt. Das schreibt sich leicht, ist aber für Traditionsunternehmen und deren Mitarbeiter einigermaßen verwirrend – gerade in der Finanzbranche, die sich seit zehn Jahren im Krisenmodus befindet. Parker weiß das natürlich: „Wir alle, ob im Ingenieurwesen, Finanzwesen oder Marketing, haben gelernt, Abläufe zu optimieren“, sagt er. „Es gibt eine Reihe von Messgrößen, Anreizen und Training. Und jetzt verlangen wir von den Leuten auf einmal, das ,Ökosystem eines Marktplatzes zu orchestrieren‘ – mit anderen Messgrößen und einer anderen Denkweise.“ Gleichwohl bleibe keine andere Wahl. Die Zeit drängt.

          Weitere Themen

          Wie N26 in die Welt geht

          Auf Expansionskurs : Wie N26 in die Welt geht

          Das Fintech-Start-up N26 will eine globale Großbank werden – die Berliner Digitalbank expandiert außerhalb Europas rapide. Eines der nächsten Zielländer liegt in Südamerika.

          Trump twittert Veto Video-Seite öffnen

          Gegen Senatsentscheidung : Trump twittert Veto

          Der Senat hat gegen den Notstand gestimmt, der von Präsident Trump Anfang des Jahres erklärt wurde. Trump wollte damit die Finanzierung einer Grenzmauer zu Mexiko sichern. So schnell gibt er den Plan aber nicht auf.

          Topmeldungen

          Aufnahme aus der U-Bahn-Station Westfriedhof in München: Kommt die Zukunft der Mobilität einfach nicht, oder rast sie längst an uns vorbei?

          Verkehrspolitik : Wir brauchen mehr Tempo

          Die Debatte ums Tempolimit übertönt die wirklich wichtigen Fragen der Verkehrspolitik: Wo sind denn die neuen futuristischen Züge, die gestresste Raser und müde Lkw-Fahrer auf die Schiene locken?

          Prozess zu Messerattacke : Wofür Chemnitz steht

          Auch Chemnitz sitzt beim Strafprozess um den gewaltsamen Tod eines Deutsch-Kubaners gleichsam auf der Anklagebank. Es gibt aber keinen Grund, von vermeintlich größter moralischer Höhe auf die armen Brüder und Schwestern im Osten zu blicken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.