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Digitaler Marktplatz : Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt

  • -Aktualisiert am

Zwar ist die Finanzbranche bisher nicht so drastisch aufgewirbelt worden wie der Einzelhandel durch Amazon, das Taxigewerbe durch Uber oder das Hotelgewerbe durch den Bettenvermittler Airbnb. Als Grund gilt die bislang starke Regulierung. In Europa ist mit der in diesem Jahr in Kraft getretenen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 der regulatorische Schutz vor Wettbewerbern aus dem Nicht-Bankenbereich aber weggefallen. „Das hat die Spielregeln grundlegend verändert“, sagt Pertlwieser. Die großen amerikanischen Technologiekonzerne, die er GAFAs nennt für Google, Apple, Facebook, Amazon, hätten alle bereits entsprechende Lizenzen beantragt. Für Banken ist die neue Richtlinie gefährlich, weil die Internetriesen digitale Bankdienstleistungen einfach in ihre Plattform integrieren könnten. Beispiele dafür wie das Bezahlsystem Amazon Payments gibt es bereits. Gleichzeitig werden klassische Bankdienstleistungen wie Festgelder oder Zahlungsverkehr immer austauschbarer.

Zugang zu den besten Produkten bieten

Die Deutsche Bank sucht ihre Chancen im zukünftigen Wettbewerb mit den globalen Giganten daher im Aufbau einer eigenen Plattform. Als Schlüssel zum Erfolg gilt die Beziehung zu den 20 Millionen Kunden, die die Bank in Deutschland hat, und von denen die Hälfte schon regelmäßig das Online-Banking nutzt. Banker hoffen, dass diese Nutzer dem Institut mehr vertrauen als den Tech-Riesen. Der Kern der Kundenbeziehung wird zukünftig dann nicht mehr das Girokonto sein, sondern die App der Bank, über die Nutzer auf die Plattform kommen. Darauf werden dann nicht nur Deutsche-Bank-Produkte angeboten, sondern eine von den Bankern ausgewählte Produktpalette. „Es geht darum, den Zugang zu den besten Produkten zu bieten, nicht darum, sie immer selber zu entwickeln“, sagt Pertlwieser.

Die Bank verdient dann an der Kommission für diese Produkte, die möglicherweise irgendwann auch Dienstleistungen beinhalten, die über klassische Bankprodukte hinausgehen. Die Nutzer profitieren im besten Fall von der Expertise der Bank, die mit der Auswahl für die Qualität der Produkte sorgt, also beispielsweise keine Anbieter auf die Plattform lässt, die ein hohes Kreditausfallrisiko haben. Schon jetzt betreibt die Bank einen Marktplatz für Festgeld, den Zinsmarkt.

Parker sieht eine entscheidende Neuerung darin, dass es sich bei der Plattform nicht um einen offenen, sondern um einen „kuratierten“ Markt handele. „Sie steuern dabei, wer überhaupt an dieser Plattform teilnehmen kann. Sie müssen das kontrollieren und dazu die richtigen Partner finden“, erläutert er. Genau das sei mit „Orchestrierung des Ökosystems“ gemeint. Die potentiellen Vorteile lägen auf der Hand. „Sie erhalten auf diese Weise die Kundenbeziehung und verdienen an der Transaktion“, erläutert Parker. „Der Kampf wird um die Beziehung zum Kunden ausgefochten.“ Banken müssten ihre Stärken wie den Draht zum Kunden oder Datenschutz ausspielen. Eine Erfolgsgarantie gibt es freilich nicht. „Die Kunden werden entscheiden, ob sie über digitale Zugangswege Dienstleistungen erwerben wollen“, sagt Pertlwieser. Nur eines sei klar. „Wenn wir einfach weiter unsere eigenen Produkte über unsere eigenen Kanäle vertreiben, wird es deutlich schwieriger zu wachsen.“

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