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Sonderzüge : Deutsche Bahn verzichtet auf Preiserhöhungen

Ein Sonderzug mit Flüchtlingen in Düsseldorf Bild: dpa

Die Bahn hat alle Hände voll zu tun, die Flüchtlinge in die Aufnahmezentren zu bringen. Trotz der gestiegenen Kosten steigen die Preise für Bahn-Reisende nicht.

          Mitten in die Flüchtlingsdiskussion plaziert die Deutsche Bahn eine gute Nachricht für ihre Kunden: In diesem Jahr soll es keine Preiserhöhungen geben. „Die Preise im Fernverkehr bleiben in der ersten und der zweiten Klasse stabil“, sagte Konzernchef Rüdiger Grube in Berlin. „Wir verzichten in diesem Jahr auf eine Preiserhöhung, übrigens trotz erheblich gestiegener Kosten.“ Damit setze man die angekündigte Kundenoffensive im Fernverkehr konsequent Schritt für Schritt um. Im vergangen Jahr hatte die Bahn die Preise für die zweite Klasse ebenfalls unverändert gelassen. In der ersten Klasse standen damals jedoch Erhöhungen von knapp 3Prozent an. Am Dienstag will Personenverkehr-Chef Berthold Huber weitere Details bekanntgeben.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unterdessen hat die Bahn neue Zahlen zu den laufenden Flüchtlingstransporten vorgelegt. Demnach hat das Verkehrsunternehmen vom 4. September bis zum vergangenen Sonntag insgesamt 82.000 Migranten in rund 730 regulären und fast 50 Sonderzügen nach Deutschland und in die Aufnahmezentren transportiert. In den Sonderzügen kamen jeweils bis zu 800 Flüchtlinge unter. Müssen sich reguläre Bahnreisende nun wegen anstehender Flüchtlingstransporte verstärkt auf Einschränkungen einstellen?

          Diese Frage stellt sich seit dem vergangenen Wochenende, als die Deutsche Bahn erstmals einen fahrplanmäßigen ICE von München nach Berlin komplett für Flüchtlinge einsetzte und die Fahrgäste bat, auf andere Verbindungen umzusteigen. Der Präsident der Regierung von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, hatte nicht ausgeschlossen, dass weitere Regelzüge mit Flüchtlingen besetzt werden. Eine konkrete Zahl und betroffene Verbindungen nannte er nicht, wies aber darauf hin, dass die derzeitige Lage zu „Härten im Reiseverkehr“ führe. Aus humanitären Gründen sei dies nicht anders zu lösen.

          Die Bahn versuchte am Montag, zumindest teilweise Entwarnung zu geben. „Nein, wir stehen nicht am Rande unserer Kapazitäten“, sagte ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. Er verwies darauf, dass an den großen Bahn-Knotenpunkten Reservezüge zur Verfügung stehen, die normalerweise bei Ausfällen zum Einsatz kommen. Die Intercity-Garnituren werden jetzt vor allem als Flüchtlings-Sonderzüge genutzt.

          Münchner Bahn-Angestellte besonders unter Druck

          Der Sprecher betonte, nicht der Konzern entscheide über Flüchtlingstransporte. Vielmehr seien die Innenbehörden für die Bestellung der Züge und für deren Laufwege zuständig. Verwiesen wurde zugleich auf Äußerungen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Der CSU-Politiker hatte mit Blick auf die über Nacht gesperrten Bahnverbindungen zwischen Österreich und Deutschland weitere Einschränkungen im Zugverkehr nicht ausgeschlossen: „Man kann heute noch nicht sagen, dass es die letzte Maßnahme war, die man ergreifen musste.“

          Bahnchef Grube sagte weitere Unterstützung zu: „Mit unserer Größe und bundesweiten Aufstellung können wir dazu beitragen, dass unser Land in dieser Ausnahmesituation seinen Beitrag leistet. Vielen unserer Mitarbeiter ist es auch eine Herzensangelegenheit, den Flüchtlingen zu helfen.“ Planer und Disponenten in Betriebszentralen und ICE-Werken haben demnach mit Hochdruck daran gearbeitet, zusätzliche Züge zusammenzustellen und in den Fahrplan aufzunehmen.

          Besonders unter Druck standen die Beschäftigten in Bayern. Der Münchner Hauptbahnhof hatte sich schon vor dem vergangenen Wochenende zum ersten Anlaufpunkt für zehntausende Flüchtlinge entwickelt. Zur Unterstützung der Bundespolizei stellte die Bahn den sogenannten Starnberger Flügelbahnhof und ein ehemaliges Signalwerk an der Donnersberger Brücke zur Verfügung, um dort Erstaufnahmestellen einzurichten. Im Münchner Reisezentrum wurden zwei Extraschalter eingerichtet und mit arabischen Schriftzeichen versehen. Im Dortmunder Hauptbahnhof gab es Ansagen auf Arabisch, um die Flüchtlinge zu informieren. Bahn-Logistiker helfen auch im Ausland: Die Tochtergesellschaft Bahn Schenker schickte einen Laster mit 28.000 Flaschen Trinkwasser, Decken, Medikamenten und Babynahrung nach Budapest.

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