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Schifffahrt im Krisenmodus : Neuer Stresstest für Lieferketten

Die Bucht von Long Beach. Hier ist der zweitgrößte Containterhafen der USA Bild: Laif

Container-Transporte kommen zu spät und sind super teuer – das war eine Folge von Corona. Selbst wenn dieses Problem bald gelöst wäre, wird sich wenig ändern. Der Krieg in der Ukraine trifft auch die Schifffahrt.

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          Die Zahl der Schiffe, der Anteil am Welthandel – solche Daten stehen typischerweise im Mittelpunkt, wenn der Verband Deutscher Reeder (VDR) jährlich die Situation der Branche beschreibt. Dieses Jahr machten sich gleich drei große Themen Konkurrenz um die größte Aufmerksamkeit: der Krieg in der Ukraine, der Klimaschutz und das Lieferketten-Chaos, das mit der Corona-Pandemie seinen Anfang nahm. „Man muss es deutlich sagen: Wir sind wie alle anderen Betroffene der Situation und nicht Verursacher“, betonte VDR-Geschäftsführer Martin Kröger noch bevor er von den zur Videokonferenz eingeladenen Journalisten dazu befragt wurde.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Zu dem Thema gibt es mittlerweile einen sehr prominenten Akteur. Just in der Nacht vor der VDR-Veranstaltung hatte US-Präsident Biden in seiner Rede zur Lage der Nation auch die Schifffahrt scharf kritisiert: „Während der Pandemie haben diese ausländischen Unternehmen ihre Preise um bis zu 1000 Prozent erhöht und Rekordgewinne erzielt. Heute kündige ich eine Razzia bei diesen Unternehmen an, die amerikanische Unternehmen und Verbraucher so belasten.“

          Die Wettbewerbsvorteile der drei globalen Reederei-Allianzen, die einst in Krisenzeiten gegründet wurden, sollen jetzt in Amerika genauer untersucht werden. Zu den Allianzen zählen alle großen Container-Reedereien der Welt, wobei amerikanische Unternehmen in dieser Branche selbst keine Rolle spielen. Dagegen ist Deutschland in der Container-Schiffahrt die Nummer zwei nach China.

          Vielfältige Probleme

          Mit Container-Transporten per Schiff seien im vergangenen Jahr 190 Milliarden Dollar Gewinn erzielt worden, heißt es im Weißen Haus zur Begründung der angekündigten Untersuchung. Das sei ein Anstieg um das Siebenfache gegenüber dem Vorjahr und fünf Mal so viel wie im gesamten Zeitraum 2010 bis 2020 erzielt worden sei. Zu dem „schwebenden Verfahren“ wolle sie nichts sagen, es werde sich aber mit kühlem Kopf regeln lassen, erklärte VDR-Präsidentin Gaby Bornheim. Gelassen zeigte sich auch VDR-Geschäftsführer Martin Kröger, der darauf verwies, dass die EU-Kommission schon mehrfach bestätigt habe, dass am Verhalten der Reeder in ihren Allianzen nichts wettbewerbswidrig sei. „Das wird sich auch keine Reederei der Welt erlauben“, beteuerte Kröger: „Die Risiken eines solchen Verstoßes wären enorm.“

          Der vielfach und mittlerweile auch öffentlich von Kunden geäußerte Vorwurf, dass die Reeder ihr Angebot künstlich verknappten, um die Preise hoch zu halten, weist der VDR zurück. Nachweislich seien aktuell nur 2 Prozent der Schiffe inaktiv, die meisten befänden sich in Werften, etwa zu Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Die Probleme in den Lieferketten hängen nach Darstellung von VDR-Präsidentin immer noch mit Corona zusammen. Derzeit sei die Lage schwierig in Hongkong und Singapur, in Japan und Korea.

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