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Fracking in Nordengland : Wie der Traum vom Gas-Boom endete

Anders als in den Vereinigten Staaten und Kanada, wo die Bohrstellen meist in ziemlich menschenleeren Gegenden errichtet werden, ist die Region Blackpool-Preston recht dicht besiedelt. Bild: AFP

In Nordengland sollte Fracking Wohlstand bringen – jahrelang haben Aktivisten dagegen protestiert. Ein Erdbeben Ende August änderte schlagartig die Debatte.

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          „Hier ist es“, sagt Claire Stephenson und zeigt auf einen Metallzaun, an dem „No Fracking“-Plakate und bunte Bänder hängen. Ein Wachmann zieht gerade das Tor zu. Auf der anderen Straßenseite haben Aktivisten eine Hütte aufgebaut; sie sitzen um einen Holzofen auf einem fleckigen Sofa. An der Wand hängt ein Zeitungsbericht über den Besuch von Labour-Parteichef Jeremy Corbyn, die Hütte ist voll mit „Fracking No“-Stickern mit kleinen Totenköpfen und Warnungen vor angeblich vergiftetem Trinkwasser. Zu den Demos an der Preston New Road kamen Prominente wie Vivienne Westwood, die exzentrische Modedesignerin. Einige Protestler sprangen auf Lastwagen, andere ließen sich zu Sitzblockaden nieder; die Polizei reagierte hart.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Stimmung in der Hütte ist heute fröhlich: „Wir haben wohl gewonnen“, sagt einer der Aktivisten, die hier rund um die Uhr Wache halten und Notizen machen über ankommende und abfahrende Tanklaster mit Chemikalien und Abwässern. „Das Erdbeben Ende August war der Wendepunkt“, sagt Claire Stephenson, die seit Jahren die Proteste unterstützt und im Hauptberuf als PR-Agentin arbeitet, derzeit für eine Grünen-Abgeordnete im Europaparlament.

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