https://www.faz.net/-gqe-9ispo

„Nicht für alle Lebenslagen“ : Wie der BDI-Präsident an seinem Elektroauto verzweifelt

  • -Aktualisiert am

Der BMW i3 ist nicht für alle Lebenslagen geeignet, findet BDI-Präsident Dieter Kempf. Bild: obs

Mit Tempo 80 im Windschatten der Lkws tuckern – BDI-Präsident Dieter Kempf hat mit seinem Elektroauto schon so einiges erlebt. Trotzdem sagt er: „Ich liebe dieses Auto“. Und schwört doch auf den Diesel.

          Elektroautos gehört die Zukunft – seit Monaten schallt dieses Mantra von Berlin aus durch die Republik. Kein Wunder, könnte sich damit doch die schier endlose Diskussion über Diesel-Fahrverbote in Luft auflösen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat kürzlich eine Milliarde Euro bereitgestellt, um hierzulande eine Batteriezellenfertigung aufzubauen. Die Botschaft der Politik ist klar: Die Wirtschaft soll endlich etwas tun.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Einer, der damit schon angefangen hat, ist Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI). Als er auf der jährlichen Pressekonferenz seines Verbands am Donnerstag auf das Thema Elektroautos und die fehlenden Ladesäulen angesprochen wurde, da wurde es schnell persönlich.

          Denn Kempf fährt ein Elektroauto, einen BMW i3. Und seitdem er das tut, weiß er ziemlich genau, warum der Großteil der Menschen im Land sich von dieser Technik lieber noch fernhält.

          „Kein Auto für alle Lebenslagen“

          „Wenn ich in München an einer Ladesäule tanke, muss ich für mindestens sieben Euro Strom holen“, machte Kempf seinem Unmut Luft. „Das lohnt sich aber nur, wenn die Batterie so gut wie leer ist.“ Später erzählte er am Rande der Veranstaltung noch, wie er einmal mit seinem i3 so „mutig“ war, von seinem Heimatort Nürnberg nach München und wieder zurück zu fahren.

          BDI-Präsident Dieter Kempf fährt ein Elektroauto.

          Zum Schluss sei er mit Tempo 80 im Windschatten der Lkws getuckert, um – trotz eingebautem Range Extender – nicht liegenzubleiben. Mit dem letzten bisschen Strom habe er es gerade noch so nach Hause geschafft, berichtete Kempf. Entspanntes Fahren geht anders. Ganz abgesehen davon, dass der Nervenkitzel seinen Preis hat: Knapp 40.000 Euro kostet so ein BMW i3 mit Range Extender ohne Extras.

          „Ich liebe dieses Auto“, betont Kempf. Aber manchmal verzweifele er daran eben auch. Ohne gefüllten Reservekanister – im Notfall kann ein kleiner Benziner den Generator noch ein paar Kilometer antreiben – traut sich Kempf nach eigener Aussage nicht auf längere Strecken. Erst recht nicht bei kaltem Wetter wie jetzt, wenn die Reichweite noch geringer ist als sonst.

          Kempfs Fazit: Ein Elektroauto sei schön und gut, aber sicherlich kein Auto für alle Lebenslagen. „Da lob ich mir doch einen Diesel, mit dem ich theoretisch bis zu 900 Kilometer fahren kann.“

          Weitere Themen

          Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max wieder fliegen dürfen. Unter den Forderern ist auch Chesley "Sully" Sullenberger, der mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte schrieb.

          Topmeldungen

          Rechnet sich die Bundesregierung den Haushalt schön?

          Vor Kabinettsbeschluss : FDP kritisiert unehrlichen Bundeshaushalt

          Am Mittwoch will das Kabinett den Bundeshaushalt für das kommende Jahr absegnen. Die Industrie ist unzufrieden mit den Plänen und fordert mehr Investitionen. Die FDP sieht dagegen Rechentricks und geplatzte Träume.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.