https://www.faz.net/-gqe-ag477

Rettung für Condor : Wie zwei Strippenzieher die Luftfahrtbranche umkrempeln

Peter Smeets (l.) und Christoph Mostert vom Luftfahrtberatungsunternehmen 360 Aircraft Finance sind die Strippenzieher für Condor. Bild: Timo Kotowski

Für den Fortbestand der Ferienfluggesellschaft Condor brachten sie Ideen und Geldgeber zusammen. Nun sprechen die beiden Berater über die Rettung und ihre großen Zukunftspläne.

          4 Min.

          Mit Kaffee aus Pappbechern ging es los: Treffpunkt war vor der Alten Oper in Frankfurt, Cafés boten während des Corona-Lockdowns im Spätherbst 2020 keine Sitzplätze für Gäste. Ohne Stuhl und Tisch begann die Zukunftsplanung für die Ferienfluggesellschaft Condor. Mit Bechern standen Christoph Debus, Finanzchef von Condor, und Peter Smeets, Geschäftsführer des Luftfahrtberaters 360 Aircraft Finance, mitten in Frankfurt.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Dreivierteljahr später ist die Condor-Mehrheit verkauft, der Finanzinvestor Attestor hat 51 Prozent erworben und hält eine Option für die Komplettübernahme. „Das Ziel muss es sein, sich europäisch zu vergrößern. Das Condor-Management und wir sehen eine realistische Chance, die Flotte mittelfristig auf 60 bis 65 Flugzeuge auszubauen“, sagt Smeets. Aktuell sind es knapp 50.

          Viele Namen kursierten rund um die Rettung: der Mutterkonzern Thomas Cook, dessen Aus Condor an den Abgrund führte. Die polnische Airline Lot, die am Beginn der Pandemie trotz Vertragsschlusses nicht mehr kaufen wollte. Die Finanzinvestoren Bain und Apollo, die in Bieterrunden mitmischten, und der Investor Attestor. Der bekam letztlich den Zuschlag. Im Hintergrund dabei: Smeets von 360 Aircraft Finance (360AF) und sein Geschäftspartner Christophe Mostert von M2P Consulting, der auch als Beirat von 360AF fungiert.

          Im Neustart der Gesellschaft, die seit den 1950er-Jahren Deutsche in den Urlaub fliegt, sehen sie eine Art Meisterstück für das Frankfurter Beratungsunternehmen. „Condor hat Jahre der Krise hinter sich, Thomas-Cook-Krise, Investoren-Krise, Corona-Krise. Dahinter besteht aber ein funktionierendes Geschäftsmodell, andere Airlines tun sich hier deutlich schwerer“, sagt Mostert. „In den nächsten zwölf bis 24 Monaten wird die Wiedergeburt von Condor für jeden erkennbar werden.“

          Weniger Kraftstoff für Klima und Kosten

          Sichtbares Zeichen sollen 16 neue Airbus-A330neo mit kraftstoffsparender Triebwerksfiguration sein, die mit finanzieller Unterstützung von Attestor über 25 Jahre alte Boeing-767-Flieger ablösen. Anderswo vergehen Jahre bis zum Jettausch, bei Condor soll der erste neue Flieger in knapp einem Jahr unterwegs sein.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          Schon vorher gibt es wohl einen Hauch von Wandel, für eine Übergangsphase dürften einzelne angemietete A330neo mit herkömmlicher Triebwerksausstattung zum Einsatz kommen, um den Großtausch reibungslos zu gestalten. „Alle Fluggesellschaften benötigen modernere Flugzeuge, um Kosten zu senken“, sagt Mostert. „Der Kraftstoffverbrauch ist nicht bloß wegen der Klimadebatte ein großes Thema. Der Kerosinpreis wird bald wieder auf das Niveau von 2019 gestiegen sein. Die Passagierzahlen sind es wegen der Pandemie aber noch lange nicht.“

          Privat geht es eher um die kleinen Dinge

          Smeets und Mostert bauen darauf, dass der Bedarf an Veränderung und Beratung zunimmt. Beruflich haben beide seit Langem mit der Fliegerei zu tun. Rechtsanwalt Smeets promovierte über Risiken in der Flugzeugfinanzierung, arbeitete für die Großkanzlei Freshfields, bevor er sich selbständig machte. Mostert ist Wirtschaftsinformatiker, wirkte an Kostensenkungen nach der Lufthansa-Privatisierung mit, bevor er als Berater Airlines und Airports begleitete.

          Privat interessieren sie sich für kleinere Gefährte. Triathlet Smeets fährt mit dem Fahrrad auf Berge, die andere bestenfalls zu Fuß erklimmen. Dass es dabei für Fluglinien nicht immer einfach ist, ein Sportrad in einer speziellen Transportbox zu befördern, gehört zum Hobby dazu. Mostert begeistert sich fürs Segeln, seit er auf der Insel Spiekeroog zur Schule ging. Er sitzt aber auch mal im Cockpit, hat Segelflug auf der Wasserkuppe geübt.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Stau vor den Häfen von Los Angeles und Long Beach - die Lieferengpässe machen auch der deutschen Wirtschaft zu schaffen.

          Konjunktur : Der Aufschwung kommt fast zum Erliegen

          Für Fachleute sind es „besorgniserregende“ Signale aus der Wirtschaft im Oktober: Das Wachstum stagniert – und die Preise steigen weiter.
          Maybrit Illner im Gespräch mit ihren Gästen

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Das neue Traumpaar der deutschen Politik

          Christian Lindner und Annalena Baerbock zeigten uns Zuschauern gestern Abend bei Maybrit Illner ihr herzliches Einvernehmen: Wir waren fast schon gerührt. Norbert Röttgen dokumentierte dagegen das Elend der CDU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.